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Straßennamen

14.08.2019

So kam der Pfaffensteig in Maihingen zu seinem Namen

Am „Pfaffensteig“ stehen die Kapelle „Zum guten Hirten“ eine Gedenksäule zum Dreißigjährigen Krieg.
Bild: H. Kucher

Während des Dreißigjährigen Krieges wurden in Maihingen mehrmals die Pfarrer ausgetauscht. Was der Pfaffensteig damit zu tun hat und wie die Straße zu ihrem Namen kam.

Der Pfaffensteig in Maihingen ist ein Feldweg in Fortsetzung der Joseph-Haas-Straße über die Mauch nach Süden. Der frühere Maihinger Lehrer Georg Steichele hat seinen Schülern diese Bezeichnung noch so erklärt, dass zur Zeit des 30-jährigen Krieges erboste Frauen nach der Schlacht bei Nördlingen am 5. und 6. September 1634 den vom Oettinger Grafen eingesetzten protestantischen Prediger genau auf diesem Weg aus ihrem eigentlich katholischen Maihingen vertrieben hätten. Der Ausdruck Pfaffe hatte ja ursprünglich nichts Negatives an sich. (Selbst ein Singvogel heißt heute noch „Dompfaff“.)

Der Dreißigjährige Krieg hatte wegen der zunehmenden Zwistigkeiten zwischen Katholiken und Protestanten und der Gründung von Union und Liga 1618 begonnen und sich binnen kurzer Zeit zu einem europäischen Flächenbrand entwickelt. Jeder suchte seine Vorteile, auch im konfessionellen Sinne. So ersetzten die sieggewohnten protestantischen Schweden am 9. März 1634 den katholischen Maihinger Pfarrer Leonhard Straßler durch den protestantischen Prediger Johann Putz.

Der protestantische Prediger wirkte unter schwedischen Schutz in Maihingen

Unter schwedischem Schutz wirkte dieser dann ein halbes Jahr im Ort. Von ihm wurden sechs Kinder getauft, drei Paare getraut und 14 Verstorbene beerdigt. Im 1. Band des Taufbuches der Pfarrei Maihingen sind von ihm persönlich folgende Sätze eingetragen: „Namen der von mir, Johann Putz, in Maihingen getauften als dem ersten evangelischen Pastor: Am 18. März 1634 wurde getauft: Martin Braun; am 19. März Anna Maria Löffelad; am 21. April Balthas Friedrich und Katharina Friedrich (Zwillinge); am 18.Mai Margarethe Schneider; am 2. Juni Margarethe Wiedemann; am 23. Juli Jakob Boos.“

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Ebenso verzeichnete Putz die Trauungen zwischen dem Witwer Georg Wagner und der Witwe Birgitta Klohs; dem Witwer Martin Schneider und der Witwe Katharina Thuns aus Ehingen, sowie am 6. Juli dem Georg Dant und der Anna Mayer. Schließlich nennt er auch noch die 14 zwischen dem 13. März und dem 15. Juni von ihm beerdigten Toten.

Flurwegenamen wie der Pfaffensteig sind meistens sehr alt

188 Tage dauerte die Amtsführung dieses evangelischen Pfarrers. Dann wurde ab dem 7. September schon wieder der von den siegreichen Kaiserlichen aus der Verbannung zurückgeholte katholische Pfarrer Leonhard Straßler in Maihingen tätig. Von da an galten wieder die katholische Messe und die gewohnten Andachten, Sakramente und die Heiligenverehrung samt den öffentlichen Festen.

An der Stelle, wo man den protestantischen Pfarrer aus dem Dorf vertrieb, wurde die heute noch stehende Gedenksäule „Vom guten Hirten“ errichtet. Daneben ließ über zweihundert Jahre später 1873 der Bauer Joseph Stimpfle die Kapelle „Zum guten Hirten“ erbauen, die dann am 25. Mai 1874 durch den damaligen Pfarrer Peter Keller eingeweiht wurde. Der „Steig“ nun hat mit seiner leichten Erhöhung und dann der Neigung zum Arenbach hin zu tun.

Flur(wege)namen wie der Pfaffensteig sind allerdings meistens sehr alt. So findet sich die Bezeichnung „Pfaffensteig“ tatsächlich im Zusammenhang mit Äckern der Kirchenstiftung im 15. Jahrhundert – also 200 Jahre vor jenem Septembertag des Jahres 1634. Die Geschichte aus dem 30-jährigen Krieg war also nicht namengebend für diesen Weg, sondern die Äcker des Pfarrhofs, die seit alters dort gelegen waren. Dass die Vertreibung des Pastors dort stattgefunden hat, entspricht aber sicher der Wahrheit und ersetzte im Laufe der Zeit den ursprünglichen Wortsinn des Weges.

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