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Landwirtschaft

10.07.2019

So wird in Wechingen aus Luzerne Trockenfutter

Wenn die Luzerne in Wechingen angeliefert werden, sind sie noch grün mit lilafarbenen Blüten. Im Bild zeigen (von links) Geschäftsführer Simon Burkhard, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Gutmann und Bernd Kladny (Bereichsleiter Trocknung, Mahl- und Mischanlagen, erneuerbare Energien) die Pflanzen.
Bild: Anja Ringel

Die Qualitätstrocknung Nordbayern verarbeitet in Wechingen Pflanzen und Gräser. Warum die Nachfrage gestiegen ist und welcher tragische Fall die Arbeiter belastet hat.

Noch liegen sie meterhoch übereinander vor der großen Halle der Qualitätstrocknung Nordbayern in Wechingen: Grasgrüne Stiele und Blätter, ab und an schaut eine lilafarbene Blüte hervor. Schon bald werden die Luzerne jedoch nicht mehr so aussehen. Sie werden erhitzt, getrocknet und zu Pellets oder Ballen verarbeitet. Luzerne ist eine Pflanzenart aus der Gattung des Schneckenklees. Sie wird bis zu einem Meter hoch und kann trockene Perioden gut überstehen, weil sie sich das Wasser tief aus dem Boden holt.

Am Standort in Wechingen wird aus der Pflanze in wenigen Minuten ein Futtermittel. Simon Burkhard, Geschäftsführer der Qualitätstrocknung Nordbayern, erklärt, dass die Pflanze viel Eiweiß beinhalte, das durch die Trocknung weiterhin erhalten bleibe. Die Luzerne-Pellets würden deshalb vor allem im Winter oft dem Futter für Rinder und Schweine beigemischt.

Getrocknet werde die Pflanze, indem sie durch einen heißen Luftstrom gejagt werde. Danach werde das Produkt entweder zu Pellets oder zu Ballen verarbeitet. Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Thomas Gutmann sagt, dass die Trocknung – je nach Pflanzenart – vier bis zehn Minuten dauere. Neben Luzerne trocknet das Unternehmen auch Wiesengras.

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Luzerne kommen gut mit der Trockenheit zurecht

Die gemähte Luzerne liefern die Landwirte entweder selbst an oder sie beauftragen die Qualitätstrocknung. Burkhard sagt, dass es auch bei der Weiterverarbeitung unterschiedliche Varianten gebe. Es gebe Landwirte, die die getrocknete Luzerne an die Genossenschaft verkaufen. Wieder andere holen das Futtermittel wieder ab.

So sieht die Luzerne aus, nachdem sie in der Anlage der Genossenschaft getrocknet und zu Pellets verarbeitet wurde.
Bild: Anja Ringel

Einer davon ist Karlheinz Götz, Kreisobmann des Bayerischen Bauernverbandes für das Donau-Ries. Er füttert die getrocknete Luzerne an seine Bullen. Götz sagt, er habe das Gefühl, dass der Anbau an Luzerne in der Region in den vergangenen Jahren gestiegen sei. Auf Flächen, auf denen Mais aufgrund der gestiegenen Trockenheit nicht mehr so gut angebaut werden könne, komme Luzerne gut zurecht, erklärt er.

In Wechingen werden bereits seit 1961 Pflanzen getrocknet. Der Standort habe sich schrittweise vergrößert, sagt Gutmann. Als das Gelände zu klein wurde, baute das Unternehmen 2003 auf einem nahe liegenden Gelände einen neuen Standort auf. Seit 2016 ist Wechingen Teil der Qualitätstrocknung Nordbayern. Burkhard sagt, dass die Trocknungsgenossenschaft bereits vorher mit den Standorten Ellingen, Gunzenhausen, Röckersbühl und Windsbach zusammengearbeitet habe.

Vor drei Jahren habe man sich dann entschieden, die Synergieeffekte zu nutzen und eine gemeinsame Genossenschaft zu gründen. Bei dieser Geschäftsform müssen die Landwirte Mitglied werden, um ihre Waren in Wechingen verarbeiten und an die Qualitätstrocknung Nordbayern verkaufen zu können. Sie könnten jedoch auch im Unternehmen mitbestimmen, sagt Burkhard.

Ein tödlicher Betriebsunfall hat die Mitarbeiter belastet

Schlagzeilen machte das Unternehmen im vergangenen Jahr vor allem durch einen Betriebsunfall, bei dem ein 28-jähriger Arbeiter starb. Der Mann hatte im Auftrag einer anderen Firma Montagearbeiten auf dem Gelände durchgeführt, sagt der Geschäftsführer. Die Polizei erklärte damals, dass sich beim Transport eines Förderbandes offenbar eine Kette aus der Verankerung gelöst habe. Das Förderband kippte daraufhin in Richtung des Mannes. Es habe keiner sagen können, warum es zu dem Unfall gekommen sei, sagt Burkhard. Der Vorfall sei für die Mitarbeiter sehr belastend gewesen, weshalb mehrmals Seelsorger vor Ort gewesen seien.

Rund 20 Mitarbeiter arbeiten momentan in Wechingen, sagt Gutmann. Im Einzugsgebiet des Standorts seien 2016 rund 800 Landwirte Mitglied gewesen. Das heiße jedoch nicht, dass alle die Trocknungsgesellschaft nutzen. Denn am Standort gebe es noch andere Angebote. Eine davon ist eine Biogasanlage. Damit werde nicht nur die eigene Anlage versorgt, sondern inzwischen auch 115 Haushalte in Wechingen, sagt Gutmann. Für die Zukunft erwartet das Unternehmen, dass sowohl der Bioanteil in der Landwirtschaft als auch der Bereich Wiesengras steigen werden. Deshalb seien jedoch keine Änderungen am Standort geplant, sagt Gutmann. Denn: Der Standort sei gut aufgestellt.

Die Qualitätstrocknung Nordbayern veranstaltet am Sonntag, 14. Juli, einen Tag der offenen Tür im Standort in Gunzenhausen. Beginn ist um 10 Uhr. An diesem Tag wird unter anderem die erste Bayerische Luzernekönigin gewählt.

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