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21.07.2010

"Sonntagsreden nicht mehr erlaubt"

In Nördlingen trafen sich die Vorsitzenden der Lebenshilfe-Kreisverbände Südbayerns mit ihrer Landesvorsitzenden und Landtagspräsidentin Barbara Stamm. Begrüßt wurde sie von Erich Geike, Geschäftsführer der Lebenshilfe Donau-Ries. Foto: heja
Bild: heja

Nördlingen "Alle zwei Jahre finden Vorsitzendengespräche im Landesverband Bayern der Lebenshilfe statt. Hier werden allgemeine Fragen, Weichenstellungen und Informationen innerhalb der Lebenshilfe-Familie behandelt", so formulierte die Landesverbandsvorsitzende der Lebenshilfe Bayern und Landtagspräsidentin Barbara Stamm den Sinn und Zweck eines solchen Treffens, das jetzt in den Donau-Ries-Werkstätten der Lebenshilfe in Nördlingen stattfand.

Bei dem Gespräch, zu dem sich die Vorsitzenden Südbayerns getroffen haben, sei es vor allem um das Thema Inklusion gegangen, erklärten Barbara Stamm und Erich Geike, Geschäftsführer der Lebenshilfe Donau-Ries, im Gespräch mit unserer Zeitung.

Unter Inklusion versteht man den pädagogischen Ansatz, der die Verschiedenartigkeit der Menschen als Normalität setzt und sich folglich gegen Ausgrenzungen stellt. In Bezug auf den Bereich von Menschen mit Handicaps wird im Zuge der Inklusionsdebatte zum Beispiel eine volle Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gefordert, ohne Ausgrenzung aus dem Arbeitsmarkt, aus dem wirtschaftlichen, kulturellen oder schulischen Leben.

Die Lebenshilfe habe sich bisweilen vorwerfen lassen müssen, so sagte Barbara Stamm, sich der Inklusion zu verschließen, um ihre Einrichtungen zu schützen. Was aber nicht der Fall sei: "Wir sind in Bayern auf einem guten Weg und in vielen Bereichen, zum Beispiel in unseren durchwegs barrierefreien Förderzentren, weiter als so manche öffentliche Schule." Stamm verwies weiterhin auf die vielen individuellen Wohnformen oder auf Unternehmen wie den Nördlinger CAP-Markt. "In Würzburg betreiben wir zum Beispiel Außenarbeitsplätze bei Ikea." Dort würden in der Folge dieser Initiative Menschen mit Handicaps oftmals fest eingestellt. Stamm: "Bei den Unternehmen findet durch diese geschützte Zusammenarbeit mit behinderten Menschen ein Bewusstseinswandel statt. Aber Ikea würde zum Beispiel nie von Anfang an die volle Verantwortung für diese Mitarbeiter übernehmen." Ihrer Meinung nach aber habe die Inklusion Grenzen. "Man darf nicht die schwerstbehinderten Menschen vergessen, denen wir besonders verpflichtet sind."

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Ganz allgemein gebe es eine sehr große Nachfrage nach Wohnplätzen für Menschen mit einem hohen Hilfebedarf, bestätigte auch Erich Geike. Als Selbsthilfeverband für Schwerstbehinderte würde man die Gründergeneration verraten, wenn man gerade diese Menschen aus den Augen verlöre, so Stamm. Weiterhin uneingeschränkt stehe die Lebenshilfe außerdem zum gesamten Bereich der Frühförderung: "Gezielte Frühförderung ist nie ein falscher Weg", begründet Stamm dies. Als komplett gegenläufig bezeichnete Geike den Trend, dass die Lebenshilfe-Werkstätten immer mehr Zulauf von Menschen bekämen, die im "ersten" Arbeitsmarkt nicht mehr klarkämen.

Auch die Finanzen standen in Nördlingen auf der Tagesordnung. "Wir haben die Bezirke und ihre Kürzungspläne schon sehr genau im Blick", so Stamm. Hier müsse die Lebenshilfe ganz allgemein kurzsichtigen Kürzungswünschen entgegentreten.

Ein weiteres Feld, das es von der Lebenshilfe zu beackern gelte, sei die zunehmende Zahl an psychisch erkrankten Menschen und an Senioren mit einer Behinderung. "Wir haben einen massiven Anstieg von älteren Menschen mit einer Behinderung", betonte Stamm. Wo es um die Würde des Menschen gehe, seien "Sonntagsreden nicht mehr erlaubt". (heja)

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