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Nördlingen

26.05.2019

Spitalkirche: Jetzt ist das Dach dran

Ein seltener Anblick: Unter dem Dachstuhl sind von außen die Holzgewölbe zu erkennen; eine Konstruktionsweise, die nicht oft angewendet wurde.
Bild: Ronald Hummel

Die Kirche steht inzwischen auf festem Grund. Es ist in etwa Halbzeit bei der Sanierung - ein Zwischenbericht.

Seit Ostern 2018 wird die um 1340 erbaute Nördlinger Spitalkirche einer Generalsanierung unterzozgen, bis Ostern nächsten Jahres soll sie voraussichtlich in völlig neuem Glanz erstrahlen. Architektin Susanne Moser-Knoll und Kerstin Knopp vom Stadtbauamt erläuterten unserer Zeitung vor Ort quasi zur Halbzeit den Stand der Bauarbeiten.

Spitalkirche Nördlingen: Grundlegendes abgeschlossen

So sind die im wahrsten Sinn des Wortes grundlegenden Arbeiten bereits abgeschlossen: Der Kirchturm, der seit fast 700 Jahren auf dem schlammigen Boden nie richtig festen Halt hatte und sich deshalb bereits um 30 Zentimeter neigte, steht jetzt auf 25 rund acht Meter langen Kleinbohrpfählen aus Beton, die ihn endlich mit festem Grund verbinden. Die Beton-Bodenplatte, die in den 1970er Jahren eingezogen wurde, verbanden die Bauarbeiter schlüssig mit dem Fundament. Marode Steine aus dessen Fundament wurden erneuert.

Derzeit gehört die Stabilisierung der Seitenmauern zu den Hauptaufgaben der Arbeiter. Dazu werden stählerne Spannanker mit einem 28 Millimeter starken Stahlkern und einem Korrosionsschutz-Mantel aus Kunststoff auf bis zu 24 Meter Länge in die Wände eingeführt. Zunächst werden vorher lange Bohrlöcher eingesetzt, die noch beim Bohren mit Kunststoffrohren stabilisiert werden. Nach dem Einführen der Stahlanker werden die Rohre entfernt und die Hohlräume um die Anker restlos mit Beton verfüllt. Später werden die Pfeiler im Chor ebenfalls durch Metallstangen verbunden, aber in kleineren Dimensionen; hier spricht man von „Vernadelung“.

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Arbeitsschwerpunkt ist der Dachstuhl

Ein weiterer Arbeitsschwerpunkt ist derzeit der Dachstuhl. Der Austausch maroder gegen neue Balken in der Dachkonstruktion über dem Chor ist schon abgeschlossen. Zimmerer wechseln aus dem Traufgebälk direkt am oberen Mauerrand des Langhauses Stück für Stück wurmstichige Balkenteile gegen neue aus.

Auch die Reinigung der Bleiglasscheiben aus den Kirchenfenstern ist voll im Gange: Die Scheiben wurden bereits vollständig entnommen, um sie in einer externen Werkstatt fachgerecht zu säubern; die Fenster sind derzeit mit einer Notverglasung versehen. Ein Steinmetz baut schadhafte Natursteine den Fensterfassungen aus, um sie später zu ersetzen.

Der Kirchenraum ist in diesen Tagen vollständig von einem riesigen Gerüst ausgefüllt, das Interieur bis auf den Steinsockel des Altars und die Orgel ausgeräumt und sicher gelagert. Der Altaraufsatz wird, ebenso wie einige Kunstwerke, gereinigt, bevor er wieder seinen Platz einnimmt. Da die Renovierungsarbeiten sehr viel Staub verursachen, muss mit bestimmten Feinarbeiten noch gewartet werden. Die zahlreichen und zum Teil sehr großen Risse in den Wänden wurden bereits verfüllt; ein Kirchenmaler macht sich, sobald alles wieder staubfrei ist, an die Bemalung der Wände und Gewölbe. Die beiden Wandfresken, staubsicher verhüllt, werden abschließend gereinigt. Die Orgel soll dann technisch aufgearbeitet werden. Kerstin Kopp ist voll des Lobes für alle beteiligten Handwerker und Planer: „Durch die professionelle Arbeitsweise können Termin- und Kostenpläne aus derzeitiger Sicht voll eingehalten werden.“ Wie mehrfach berichtet, kostet die Generalsanierung summa summarum 2,75 Millionen Euro.

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