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Auftritt

19.02.2015

Sprachkünstlerin begeistert Schüler

Nora Gomringer war zu Gast am Theodor-Heuss-Gymnasium in Nördlingen.
Bild: THG

Nora Gomringer zu Besuch am Theodor-Heuss-Gymnasium in Nördlingen

Ein Höhepunkt im kulturellen Schulleben des Theodor-Heuss-Gymnasiums war der Auftritt der renommierten Sprachkünstlerin Nora Gomringer. Mit ihrem Engagement in der deutschen Poetry-Szene und ihren zahlreichen internationalen Auftritten im Auftrag des Goethe-Instituts hat sie weltweit einen bedeutenden Bekanntheitsgrad erreicht, so die Pressemitteilung.

Mehr als eine Stunde lang trug Gomringer eine breite Vielfalt an Texten vor, die ihre Arbeit an und mit der Sprache, aber auch ihre kulturellen Wurzeln, die Herztransplantation und den Tod einer Freundin, die Monstrositäten von Schwerverbrechern oder die Gewalt von Krankheiten zum Thema hatten. Einen breiteren Raum nahm des Weiteren das Thema Holocaust ein, mit dessen Opfern sich ihre ganze Familie aufgrund biografischer Betroffenheit eng verbunden fühlt. Überhaupt bettete Gomringer stets ihre Gedichte in den jeweiligen biografischen und zeitgeschichtlichen Zusammenhang ein.

So erfuhren die Schüler von ihrer Stadtschreibertätigkeit in Helsinki, von ihrem Verhältnis zu ihrer Familie, von ihrem Überleben im 12. Stockwerk des Nordturms des World Trade Centers beim Angriff am 11. September 2001, von ihren Kommunikationsversuchen mit einem Gorilla oder von ihren Lesungen der Monster Poems in verschiedenen Haftanstalten.

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Neben diesen sehr aufschlussreichen Kommentaren war es aber vor allen Dingen der äußerst ausdrucksstarke Vortrag der Sprachkünstlerin, der den Schlüssel für ihre sprachlich durchaus anspruchsvollen Texte lieferte und stets die ganze Aufmerksamkeit des Publikums einforderte.

Gomringer verändert ihre Sprache, je nach Text, ja je nach Satz und Wort. Sie imitierte die hilflose Stimme der jüdischen Mutter, die ihrem bereits verlorenen Kind noch Ratschläge hinterher haucht, sie ahmte das stundenlange ängstliche Rollen der Viehtransporter in die Konzentrationslager ebenso stimmlich nach wie das hilflose Buchstabieren des fremden Wortes Auschwitz durch die Deportierten bei ihrer Ankunft. Sie beschrieb einerseits sachlich, aber dann doch auch fast liebevoll das verpflanzte Herz, nahm vom todkranken Körper der Freundin Abschied und sezierte sehr sachlich und doch betroffen das Verbrechen des sexuellen Missbrauchs. Sie sang, trumpfte auf, flüsterte, heulte und verstummte, je nach Text und Aussage. In jedem Fall aber zeigte sie eine beeindruckende Bühnenpräsenz und schlug die Schüler in ihren Bann.

Zum Abschluss konnte das begeisterte Publikum noch Fragen stellen und mit der Lyrikerin ganz unkompliziert ins Gespräch kommen. Gomringer, die zum ersten Mal im Ries war, verglich sogleich die Landschaft mit einer französischen Quiche, einem flachen Boden, umgeben von einem niederen Teigrand. (pm)

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