St. Georg

10.06.2015

Spürbar ergriffen

Ein wunderbares Musical brachte die Kinderkantorei unter der Leitung von Udo Knauer auf die Bühne. Die jungen Sängerinnen und Sänger ließen sich von der emotionalen Geschichte um Saulus, der sich zu Paulus wandelte, ergreifen und gaben dies an ihr begeistertes Publikum weiter.
Bild: Harald Gehring

Für das Musical der Kinderkantorei gebührt allen Mitwirkenden hohes Lob. Wie Saulus zu Paulus wurde

Paulus von Tarsus“ war der Titel des Musicals, das Udo Knauer mit der Kinderkantorei St. Georg aufführte. Die Redewendung vom Damaskus-Erlebnis, oder davon, wie Saulus zum Paulus wird, gehört zum öffentlichen Metaphernvorrat. Der grundlegende Bezug zur biblischen Quelle wird nicht jedes Mal mitbedacht. Udo Knauer erklärte zu Beginn die Bedeutung des Ereignisses: Paulus, der ehemalige Saulus, war derjenige, durch den das Christentum, ursprünglich eine Sekte innerhalb der Jerusalemer Synagogengemeinde, sich zuerst über Vorderasien, dann über Europa verbreitete, um schließlich als eine echte Weltreligion den ganzen Globus zu umfassen.

Die musikalische und szenische Darstellung und Ausdeutung dieses Elementarereignisses mit Hilfe zeitgemäßer Texte und jugendgemäßer Musik ist das Anliegen des Teams aus Textern und Musikern, das 2010 mit dem Musical an die Öffentlichkeit trat. Kräftige, ausdrucksvolle Wortwahl – nicht ohne Einsprengsel von ironischen Zitaten aus der Bürokratensprache („unsere Gefängnisse sind nach den neuesten Sicherheitsstandards gebaut…“) und dem Jugendjargon (die Frage taucht auf, ob Petrus ein Promi ist) – prägt die Texte. Und doch werden zentrale biblische Texte nicht so weit abgewandelt, dass der Hörer sie nicht wiedererkennt. Diese Darstellungsweise zieht sich durch das ganze Stück, zeigt sich bei Solostellen ebenso wie bei den Chorstücken, aber am deutlichsten in der Rede des Petrus, die als moderne und doch unverwechselbare Fassung des „Hohen Liedes der Liebe“ aus dem Ersten Korintherbrief (des Paulus) zu erkennen ist und zum Schlussduett (Petrus und Johannes) sowie letztlich zum Schlusschor überleitet.

Der Chor wurde den unterschiedlichen Rollen in jeder Phase des Dramas gerecht. Die jungen Sängerinnen und Sänger ließen sich von den Emotionen von Aggression über Meditation bis zur Verzweiflung spürbar ergreifen und übertrugen sie ihrem Publikum. Kreativität und Organisationsleistung der Choreographen und Regisseure, Kostüm- und Bühnenbildnern, sowie die Unterstützung von Technikern und Beleuchtern müssen zusätzlich hervorgehoben werden.

Spürbar ergriffen

Eine siebenköpfige Band aus bewährten Musikern bot den Sängerinnen und Sängern mit ausdrucksstarker, dem Text entsprechender Musik einen festen Halt.

Der Besetzungszettel weist 59 Sänger und Darsteller aus, zum Teil unterschiedlich für die jeweiligen Aufführungen. Außer den Darstellern der Titelfigur (Paulus: Sophie Eger beziehungsweise Lotte Leberzammer), des weise abwägenden Gamaliel (Monika Haas), und der Apostel (Barnabas: Philine von Bargen, Johannes: Johanna Gehring, Petrus: David Wagner, Stephanus: Michael Blaser) weitere Einzeldarsteller hervorzuheben, wäre denen gegenüber, die doch unerwähnt bleiben müssten, ungerecht. Alle haben miteinander ihre jeweilige Rolle gespielt und ihr Bestes gegeben, und so haben sie miteinander ihr Publikum erreicht.

Die Leistung von Udo Knauer macht sprachlos. Wieder einmal bewährt er sich als Motivator und Chorerzieher, als Musiker und Dirigent sowie als Impresario und Organisator. Zwei öffentliche Aufführungen endeten mit Ovationen, zwei Schulaufführungen waren restlos ausgebucht. Udo Knauer und seine künstlerischen und technischen Teams, von der kleinsten Chorsängerin bis zu den Kulissenarbeiterinnen, können sagen, dass sich ihre Mühe gelohnt hat. Sie haben alle zusammen die glaubwürdige und anrührende Botschaft vermittelt, von dem segensreichen Wirken des Kirchenmusikers und dem emotionalen Band, das alle Mitwirkenden verbindet, ebenso wie von der Kurzfassung paulinischer Theologie: „Liebe ist alles was zählt.“ (HG)

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