Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Stacheln, Sensen und ein Summen

Beruf

02.02.2021

Stacheln, Sensen und ein Summen

Ein seltener Anblick: Die sich normalerweise während der Saison auf „Tournee“ befindliche Belegschaft der Firma Betz trifft sich im heimischen Betriebsgelände.

Ein Imker kümmert sich nicht nur im Sommer um seine Bienenvölker. Ein Blick hinter die Kulissen eines Berufsimkers

Ein Imker mit seinen „paar Bienenvölkern“ – es ist ein vermutlich weit verbreitetes Berufsbild. Doch das revidiert sich, wenn man zu Besuch bei der Imkerei Betz in Auhausen war.

Im heutigen Vollerwerbsbetrieb von Achim Betz waren zwar bereits seit 1934 Bienenvölker anzutreffen. Aber erst seit 1990 wird von der Familie Betz eine Berufsimkerei betrieben. Schon früh die Zeichen der Zeit erkennend, ist ihnen 1995 das Bio-Zertifikat zuerkannt worden.

In nächster Generation hat Achim Betz 2015 den Betrieb übernommen und sich in Fachkreisen sowie bei Großkunden mittlerweile einen Stellenwert von Rang erarbeitet. So konnte im Frühjahr 2020 mit einer kombinierten Produktions- und Lagerhalle auf einer Fläche von 1800 Quadratmetern eine weitere Neubaumaßnahme in Betrieb genommen werden.

„Mit dieser richtungsweisenden Investition im Herzen der Gemeinde Auhausen ist es erst möglich geworden, momentan sieben Beschäftigten einen Arbeitsplatz zu bieten“, so Firmenchef Betz. Eine weitere personelle Aufstockung ist geplant, jedoch ist es momentan „nicht einfach, selbstständig arbeitende Mitarbeiter zu finden“. Besonders in der aktuellen Situation sei es nicht einfach, Arbeitskräfte zu bekommen.

Insbesondere in der winterlichen Jahreszeit mag es sich für den Außenstehenden nicht sofort erschließen, dass der Beruf des Imkers „ein Job über´s ganze Jahr ist“, äußert Achim Betz. Neben der Sommertätigkeit mit der typischen „Arbeit mit den Bienen“ und dem Honig-Schleudern wird in der „ruhigen Zeit“ der in den großen Hallenräumen in Fässern gelagerte Honig verarbeitet beziehungsweise abgefüllt und die zahlreichen „Bienen-Behausungen“ repariert oder gegebenenfalls neu produziert.

Die markanten braunen Holzkästen werden ausschließlich in eigener Produktion und mit unbedenklichem Farbanstrich hergestellt. Eines macht Achim Betz aber nachdenklich: Der „für mich absolut unerklärliche Vandalismus und Diebstahl an den Bienenkästen“. Betz blickt aber dennoch optimistisch in die Zukunft und schiebt in seiner positiven Art gleich nach: „Mit Warnhinweisen, Wildkameras und GPS-Trackern werden wir das Problem in den Griff bekommen“, sagt Betz.

Vor Ort fallen sofort die in der Halle hängenden Sensen auf: „Bei allem in dieser Größenordnung erforderlichen Maschineneinsatz gebietet es die Berufsehre, die Lagerplätze der Bienenkästen in traditioneller Weise per Hand zu mähen“, sagt der Vertreter seiner stacheligen Berufszunft.

Ein weiterer unbekannter Aspekt dieses Berufes ist jedoch die räumliche Ausdehnung der Honigproduktion. Trotz der expandierenden Niederlassung der Familie Betz im Nordschwäbischen Heimatort, betont der Juniorchef die für seine Firma im Vordergrund stehende „deutschlandweite Wanderimkerei“. „Wir müssen die natürlichen Gegebenheiten optimal nutzen“, von der Frühjahrsentwicklung im Rheinland bis hin zur Sommertracht im Raum Dresden“.

Mit der Tracht ist die eigentliche Arbeit seiner Bienen gemeint: das Nektar-Sammeln. Zehn verschiedene „naturbelassene Honigsorten aus eigener Ernte“ hat der Betrieb unterdessen in seinem Angebot. „Wir arbeiten mit der Natur und für die Natur“, so das ungeschriebene Motto, wofür stetig das Gespräch mit den Landwirten gesucht wird. Um das Lebensmittel Honig perfekt herzustellen, seien zuerst einmal die hauseigenen strengen Hygiene-Maßnahmen einzuhalten, sodass „technische Bereiche“, wie beispielsweise die Werkstatt und der Kfz-Abstellplatz aus der eigentlichen Firma ausgelagert worden sind. Aber auch die Kontrollen des Zertifizierungspartner „Bioland“, der Naturkostläden im Süddeutschen Raum sowie der inzwischen belieferten Supermarkt-Ketten seien zu beachten und hätten es „in sich“. Freilich gehöre es zum „Stolz der Familie“, von Anfang an im Betrieb einen eigenen Hofladen für die regionale Stammkundschaft zu betreiben, ein ganzjährig stark frequentierter Treffpunkt für viele Menschen aus nah und fern.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren