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Stadtrat

22.04.2015

Stadt holt weitere Helferin ins Boot

Hausaufgaben-Betreuung für Migrantenkinder. Asyl-Sozialberater der Diakonie berichtet vor dem Ausschuss

Hausaufgaben-Betreuung für Migrantenkinder. Asyl-Sozialberater der Diakonie berichtet vor dem Ausschuss

Von Ronald Hummel

Nördlingen „Es ist ein trauriger Tag für meinen Bericht, aber vielleicht auch ein passender Tag“ – Werner Bieneck, neben Bettina Mauch Asyl-Sozialberater der Diakonie in Nördlingen, gab just an dem Tag vor dem Haupt- und Finanzausschuss einen Bericht zur Lage, als die Flüchtlingskatastrophe im Mittelmeer mit Hunderten von Toten die Welt schockierte.

Seit 1986 berät die Diakonie Asylanten, trägt derzeit 21 Prozent der Kosten selbst. 112 Flüchtlinge, vor allem aus Afrika und dem Kosovo, leben in Nördlingen. 2013 kamen 165 Flüchtlinge in den Landkreis, 2014 waren es 404 und bis März diesen Jahres bereits 192. Etliche werden von München aus ohne Erstregistrierung durchgewunken; 20 bis 25 gingen in den vergangenen zwei Jahren wieder freiwillig oder unfreiwillig zurück in die Herkunftsländer.

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Hauptaufgaben der Diakonie seien alltägliche Hilfen bei Schriftverkehr mit Behörden oder Arbeitssuche, Rechtsbeistand, posttraumatische Betreuung. 33 Ehrenamtliche, mit denen man ebenso wie mit anderen Behörden vernetzt sei, engagieren sich unter anderem im Vermitteln der Sprache, eine grundlegende Voraussetzung für jeden weiteren Erfolg. Ehrenamtliche Arbeit sollte laut Bieneck noch weiter mit öffentlichem Engagement verbunden werden, zum Beispiel der Weiterleitung sinnvoller Spenden an die Tafel CaDW oder andere Initiativen. Die Bereitschaft sei da, so wurden nach einem RN-Aufruf 50 Fahrräder aus dem Ries gespendet. Passend zur Thematik behandelte der Ausschuss einen Antrag der Mittelschule Nördlingen auf die Finanzierung einer Hausaufgabenbetreuung für Migrantenkinder, die hier 35 Prozent der Schüler ausmachen. Das Konzept der Katholischen Jugendfürsorge, dem der Antrag zugrunde liegt, berücksichtige auch verhaltensauffällige Kinder, Autisten, ADHSler oder Kinder mit Behinderung.

Eine Erzieherin soll dazu für 12,5 Wochenstunden eingestellt werden, was jährlich rund 12000 Euro kostet. Die Stadtverwaltung war sich uneins – Karl Stempfle vom Liegenschaftsamt sieht eine gesellschaftliche Verpflichtung der Stadt, Kämmerer Bernhard Kugler hat schon die nächsten Anträge zur Schulsozialarbeit auf dem Tisch und warnt davor, den Kostenrahmen zu sprengen. Verschiedene Stadträte erinnerten daran, dass das Jahresbudget von 50000 Euro des Familienpolitische Programms der Stadt zumeist nicht ausgeschöpft werde und diese Stelle finanzieren könne.

„Wir investierten viel in unsere Mittelschule, so dass sie inzwischen eine Vorzeigeschule und kein ’Auffangbecken’ ist“, plädierte Dorothea Gaudernack (CSU) dafür, diesen Standard mit der zusätzlichen Stelle aufrecht zu halten. Rita Ortler (SPD) merkte an, eine Hausaufgabenhilfe käme nicht nur den betreuten Kindern, sondern dem gesamten Schulablauf zugute. Oberbürgermeister Hermann Faul zur diskutierten Frage der pädagogischen Zuständigkeit: „Es wäre müßig, den Eltern dieser Kinder die Aufgabe zurückzugeben, denn sie haben selbst die gleichen Sprach- und Strukturprobleme.“

Der Haupt- und Finanzausschuss genehmigte die neue Stelle einstimmig.

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