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Megesheim

18.03.2018

Starkbieranstich: „Liebesgrüße“ aus dem Wirtshaus

Kabarettist Martin Kosch hatte das Publikum schnell hinter sich.
Bild: Toni Kutscherauer

Am Stammtisch im „Schwarzen Rößle“ wird die Lokalpolitik satirisch diskutiert. Kabarettist „Helmut A. Binser“ bringt den Saal in Megesheim zum Toben.

Gleich dreimal wurden beim Rieser Starkbieranstich die Lokalpolitiker einer satirischen Nabelschau unterzogen und „Liebesgrüße“ aus dem Wirtshaus in die Amtsstuben geschickt. Zudem hatte die veranstaltende Kraterkultur Megesheim mit Helmut A. Binser, Josef Müller und Martin Kosch drei Kabarettisten im Rahmenprogramm, die für Stimmung bei den insgesamt 1000 Besuchern in der Megesheimer Turnhalle sorgten.

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Im Mittelpunkt stand einmal mehr das große „Derblecken“ der Politiker. Wie im vergangenen Jahr spielt die Szenerie in der Schankwirtschaft „Zum Schwarzen Rößle“, in der sich Bierkutscher Schorsch (Michael Eßmann) und Bauarbeiter Vincent (Gerhard Munk) von der Wirtin Babett (Bettina Greno) ihr Feierabend-Bier servieren lassen. Für ihren unpässlichen Ehemann gesellt sich die Dorfbewohnerin Luise dazu – tatsächlich musste Kraterkultur-Mitglied Martina Müller für den erkrankten Georg Deffner einspringen.

Kurz werden die aktuellen Ereignisse im Ries reflektiert: Beim Einbruch ins Deininger Sportheim führt für den Vincent die Spur direkt ins Straßenbauamt, während man sich in Wechingen mit „derzeit drei Leichenhallen“ offenbar auf ein Massensterben vorbereitet. Schon bald landet man thematisch in Nördlingen, wobei es viel zu diskutieren gibt. Etwa über das Hick-Hack um den abgelehnten Kletterwald, über den „Fahnen-Wirrwarr am Stabenfest“ oder die Umgestaltung des Schneidt’schen Gartens: „Des ham dia im Getränkemarkt auskartelt – a Schnapsidee!“ Eine besondere Würdigung erfährt auch die vorgesehene Stadtsilhouette am Kreisverkehr vor dem Wemdinger Tunnel: „Wer braucht scho’ a riesige Ansicht der Stadtmauer, wenn er direkt dran vorbei fahrt?“ Im Überschwang legt der Schorsch dem OB Hermann Faul als „offizielle Stellungnahme“ eine Stoiber’sche Zehn-Minuten-Rede in den Mund.

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Hintersinniger Humor, freche Anspielungen und versteckte Pointen sind die Markenzeichen der Stammtisch-Satire, bei der Michael Eßmann nicht nur als Darsteller, sondern auch als Autor und Regisseur die Fäden zieht. Dabei ist der Zuschauer stets gefordert, wenn etwa der Begriff Synergie erklärt wird („wia wenn mit’m Meterstab dei Halbe aufmachst“), Beckenboden-Gymnastik auf die Putzfrau im Almarin bezogen wird oder der Landrat vom Vorwurf des Kolonialismus freigesprochen wird: „Der Rößle is doch selber a Schwarzer!“.

Kreuz und quer geht es durch die Kommunalpolitik und ihre Protagonisten: vom „verschwundenen Hinkelstein in Oettingen“ bis zum Wahlkampf-Mobil des Bundestags-Kandidaten Christoph Schmid, von dicht gemachten Geburtsabteilungen („Da muaßt du erscht durchs ganze Land reisa, wenn du an neia Stuierzahler auf d’ Welt bringa willst“) bis zur verkehrstechnischen „Monster-Bretzge“ in Nördlingen, wobei der Begriff „Brezensalzer“ eine besondere Bedeutung gewinnt. Und bezüglich des AfD-Einzugs in den Bundestag gibt’s auch für die große Politik noch einen feinsinnigen Nadelstich: „I frag’ mi scho’, wer depperter isch? Die, die sowas wähla, oder die, die d’Leut soweit bringen, dass sie so deppert wer’n?“

Wie immer gab es nach dem Derblecken einen kabarettistischen Nachschlag. Am Freitag war es der „Mü-Sepp“ Josef Müller aus dem Isarwinkel, der von seiner bayerischen Grundausbildung („Ministrant und Schuhplattler“) berichtete, ehe er im „Gstanzl-Flow“ ankam. So sang der ganze Saal bei „Wos is heit für a Dog?“ und witzigen Versen zur „Vogelhochzeit“ begeistert mit. Aus Graz war zum sonntäglichen Frühschoppen der Kabarettist Martin Kosch angereist. Mit seinen satirischen Themenkreis Familie/Kinder/Midlife-Crisis zog er die Besucher schnell hinter sich. Höhepunkt war die Rede eines betrunkenen Bürgermeisters. An allen drei Tagen setzte Helmut A. Binser den Schlussakkord, der in Megesheim nach zahlreichen Auftritten inzwischen zum Lokalmatador avanciert ist. Mit lustigen Geschichten und Liedern wie „Mei Nachbar is a Depp“, „Man muaß oft bloß a bisserl warten“ oder dem genialen Dauerbrenner „Valentinstag“ riss er das Publikum mit und wurde erst nach einer ganzen Reihe von Zugaben entlassen.

Er war also wieder mal eine runde Sache, der Rieser Starkbieranstich, der von den Megesheimer Dorfmusikanten umrahmt wurde. Zufrieden gab sich auch Kraterkultur-Chef Christian „Bombi“ Bauer, der mit seiner Truppe bewies, dass die Megesheimer die Auszeichnung mit dem Rieser Heimatpreis im vergangenen Herbst verdient haben.

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