1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Steinpilze satt: Sammler sprechen von einem guten Pilzjahr

Landkreis

09.09.2019

Steinpilze satt: Sammler sprechen von einem guten Pilzjahr

Ein Steinpilz schiebt sich aus dem Waldboden. Pilzsammlern zufolge waren gerade im August besonders viele dieser Exemplarein den Wäldern im Landkreis Donau-Ries zu finden.
Bild: Straub

Im August waren die Körbe voll. Der Regen macht Sammlern nach einer Trockenzeit wieder Hoffnung auf Pilze. Was ein Experte über Vergiftungen und das Sammeln im Winter sagt und über die Wiederkehr des echten Pfifferlings.

Mit gepunkteten Gummistiefeln steht sie unter den Bäumen. Die Sonne sprenkelt den Waldboden, auf dem die Pilzsammlerin geht. In dem Körbchen in ihrer Armbeuge liegen neben dem Messer schon Steinpilze. „Sie sprießen nur so“, schreibt uns Susanne Straub im August und sendet Bilder mit dem Körbchen voll Steinpilzen, das sie mit Mutter und Sohn aus dem Wald getragen hat. Jetzt hoffen sie und andere Pilzsammler in der Region nach einigen trockenen Tagen wieder auf Wachstum im Wald, immerhin hat es geregnet.

Pilzsaison 2019 im Ries

Einer von ihnen ist der Pilzsachverständige Martin Heilingbrunner aus Ursheim bei Polsingen. Er hofft, dass er vor dem Frost noch ein paar Mal durch die Wälder streifen kann, bevor die Pilzsaison dann für die meisten vorbei sein wird – nicht unbedingt für ihn. Denn was viele nicht wissen: Auch im Winter kann man Pilze sammeln, wenn man nur weiß, nach welchen man suchen muss. Winterpilze seien jedoch wirklich nur etwas für Spezialisten, meint Heilingbrunner.

Der Pilzsachverständige der Deutschen Gesellschaft für Mykologie hat grundsätzlich drei Aufgaben. Er berät auf Anfrage, zum Beispiel wenn Pilzsammler unsicher sind, ob sie das Gefundene guten Gewissens verkochen können. Vergangenes Jahr hat der 51-Jährige eine Pilz-Führung bei der VHS veranstaltet, was ebenfalls in seinen Aufgabenbereich fällt. Und drittens: der Giftnotruf. Im August hat Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml vor den Gefahren giftiger und verdorbener Pilze gewarnt: „Ich rate dringend davon ab, Pilze zu sammeln und zu essen, die man nicht genau kennt. Der Verzehr des falschen Pilzes kann zu lebensgefährlichen Vergiftungserscheinungen führen. Beim Giftnotruf München sind bereits über 100 Anrufe besorgter Bürger wegen des Verdachts einer Pilzvergiftung eingegangen.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Pilzvergiftungen auch in der Region

Martin Heilingbrunner hat in diesem Jahr erst einen Anruf bekommen. Eine Privatperson rief an und sei sich unsicher gewesen, was sie gegessen habe, erzählt der Pilzsachverständige. Anders herum wäre es ihm natürlich lieber: erst anrufen, dann essen. Er würde die Pilze lieber sehen, daran riechen oder die Konsistenz beurteilen. Im Landkreis Donau-Ries komme es immer mal wieder zu einer Pilzvergiftung, sagt er. Vergangenes Jahr hätten zwei Personen den giftigen Karbol-Champignon gegessen und starke Durchfälle bekommen. GKU-Geschäftsführer Dr. Roland Buchheit bestätigt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass am Wochenende eine Person mit einer Pilzvergiftung im Stiftungskrankenhaus behandelt worden sei. Sie soll die einzige in diesem Jahr bislang gewesen sein, heißt es.

Das Ries biete für Pilzesammler gute Voraussetzungen, sagt Martin Strasser aus Deiningen. Er spricht sogar von einem sehr guten Pilzjahr, im Wald herrsche große Artenvielfalt. Der 54-jährige Pilzsammler erzählt, dass sogar der echte Pfifferling, den er Jahrzehnte kaum gefunden habe, jetzt wieder öfter wachse. „In vielen Jahren habe ich nicht einen einzigen gefunden“, sagt er.

Bei Übelkeit den Notruf wählen

Grundsätzlich, so rät Hobby-Mykologe Heilingbrunner, sollte man ohne hundertprozentiges Wissen keine Pilze sammeln. Wer nach einer Pilzmahlzeit unter Übelkeit, Bauchschmerzen oder Erbrechen leide, soll außerdem laut Gesundheitsministerin Huml den Rettungsdienst (112) oder den Giftnotruf in Bayern (089/19240) anrufen.

Kontakt Die Pilzsachverständigen sind unter dieser Internet-Adresse zu erreichen: https://www.dgfm-ev.de/service/pilzsachverstaendige

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren