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Behörde

22.01.2020

Steuerbescheide im Kreis Donau-Ries: Wie lange brauchen sie wirklich?

Das Nördlinger Finanzamt hat eine Außenstelle in Donauwörth. Diese hat bei einer Auswertung eines Anbieter von Lohnsteuersoftware schlechter abgeschnitten als jede anders Steuerbehörde in Deutschland.
Bild: Philipp Wehrmann

Plus Bundesweit berichten Medien über die Donauwörther Außenstelle des Finanzamts Nördlingen als langsamste Steuerbehörde der Republik. Das sagen Steuerberater und ein Wirtschaftsvertreter dazu.

Gerhard Seiler hat schon von der Auswertung gehört, wie er am Telefon sagt. Die Donauwörther Außenstelle des Finanzamtes Nördlingen soll die langsamste Behörde ihrer Art in Deutschlands sein – mit 84,5 Tagen Bearbeitungszeit pro Steuerbescheid, geht es nach dem Portal Lohnsteuer-kompakt.de. Der Steuerberater wollte deswegen gerade Konrad Weiß anrufen, den Chef des Nördlinger Finanzamts.

Seiler kennt die Arbeit in einer Steuerbehörde. Bevor er begann, für seine Mandanten Geld zu sparen, hat er es als Finanzbeamter in Nördlingen, Donauwörth und Augsburg selbst eingetrieben. Anfang der 1990er-Jahre beendete er seinen Staatsdienst und machte sich als Steuerberater selbstständig. Zwar hält er die Ergebnisse der Auswertung für übertrieben, glaubt aber trotzdem, dem Finanzamt-Chef einen Rat geben zu können. „Was ein Finanzbeamter kontrolliert oder nicht, bestimmt vorab ein Filter“, erklärt er. Reichen Bürger ihre Erklärung oder Unternehmen ihre Bilanzen ein, bestimme eine Software, welche Angaben Beamte überprüfen sollen. Zu hohe Kilometerangaben von Pendlern etwa entdecke das Programm sofort.

Die Donauwörther und Nördlinger Beamten sollen besonders häufig kontrollieren

Eigentlich sollten die Beamten also weniger kontrollieren müssen – in Donauwörth und Nördlingen merke man das aber nicht. Seine Kanzlei mit 28 Mitarbeitern vertritt auch Mandanten, für die andere Behörden zuständig sind. „Andere Finanzämter fordern seltener Unterlagen nach.“ Das sei eine Belastung, die sich vermeiden lasse.

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Seit eineinhalb Jahren ist das Finanzamt Nördlingen für einen der Teil der polnischen Firmen zuständig

Der Steuerberater nennt noch eine Sache, die die Behörde aus seiner Sicht belasten könnte:Seit eineinhalb Jahren ist das Finanzamt Nördlingen für einen Teil der polnischen Firmen zuständig, die in Deutschland Umsätze erwirtschaften. Laut einer Antwort des Landesamts für Steuern auf eine Anfrage unserer Redaktion wurden diese allerdings unverzüglich mit zusätzlichen Personal besetzt.

Eine Sache aber schätzt der Steuerberater an dem Haus besonders: Man könne die Sachbearbeiter direkt anrufen. „Wenn man nett fragt, werden dringende Bescheide auch zügig beantwortet.“ Das kennt er auch anders: „Beim Finanzamt in München ist das schon anonymer. Und ruft man in Aalen hinter der Landesgrenze an, wird man sofort abgewimmelt.“

Ein Donauwörther Steuerberater lobt den guten Draht zur Behörde

Auch Theo Aurnhammer, Donauwörther Steuerberater, betont, dass man mit den Mitarbeitern der Nördlinger und Donauwörther Behörde immer sprechen könne. „Ich habe jahrzehntelang gute Erfahrungen mit diesem Finanzamt gemacht“, sagt er. Das schlechte Ergebnis der Außenstelle könne er nicht nachvollziehen. „Es gibt langsamere Finanzämter.“

Er bestätigt allerdings Seilers Aussage, dass die Donauwörther und Nördlinger Beamten sehr häufig Belege verlangten. „Oft ahne ich schon, dass später die Aufforderung folgt, und reiche die Belege freiwillig mit den Unterlagen ein, obwohl das nicht mehr nötig wäre.“

Eine lange Bearbeitungszeit sei auch nicht immer ein Nachteil: Nach dem 15. Monat eines Steuerjahres würden die Beträge verzinst, die zu viel oder zu wenig an Steuern bezahlt wurden. Ahnt man die Nachzahlung, könne man sie aber vorab beantragen, sodass keine Zinsen anfallen. Schuldet einem das Finanzamt hingegen Geld und lässt sich mit der Bearbeitung Zeit, bekommt man den Überschuss mit 0,5 Prozent Zins zurück – pro Monat. „Das ist besser als bei jeder Bank“, sagt Aurnhammer.

Wie beurteilen hiesige Unternehmen das Finanzamt? Andreas Dirr, Vorsitzender der IHK Regionalversammlung Donau-Ries und Geschäftsführer von Fendt-Caravan, kann die Probleme nicht bestätigen: „Die Geschwindigkeit mancher Behörden ist durchaus häufiger ein Thema, beim Finanzamt ist aber nichts entsprechendes an mich herangetragen worden.“

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