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Soziales

18.09.2016

Stiftungswald im Bauernhof

Man sieht den Hof vor lauter Bäumen nicht: Die Teilnehmer des Waldbegangs im weitläufigen Obstgarten des Schaffitz-Hofes, wo sich auch der Hund von Dekan Gerhard Wolfermann sichtlich wohlfühlte und im Gras wälzte.
Bild: Hummel

Der Schaffitz-Hof gehört den Vereinigten Wohltätigkeitsstiftungen Nördlingen. Was sich auf dem weitläufigen Gelände tut

Stiftungswald kann überall sein – auch in einem alten Bauernhof in der Augsburger Straße. Das erlebten die Vertreter von Stadtrat, Stiftungsrat, Stadtverwaltung und Kirche, als sie zum diesjährigen Waldbegang den Schaffitz-Hof besichtigten, den der gleichnamige Besitzer nach seinem Tod vor rund zehn Jahren der Vereinigten Wohltätigkeitsstiftung Nördlingen vermacht hatte.

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Der Hof hat musealen Charakter, Hallen und Garagen sind vollgestellt mit altem und neuem Gerät – die Stadt lässt derzeit unter anderem Oldtimer-Traktoren restaurieren, von denen zwei auf dem Brauchtums-Umzug des Stadtmauerfestes mitfuhren. Am meisten beeindruckte die Weitläufigkeit des Anwesens – die Hofeinfahrt liegt an der Augsburger Straße, die Grenze des riesigen Obstgartens an der Schäufelinstraße bei den Strenesse-Hallen. Ein Nördlinger Landwirt übernimmt es derzeit, die Gebäude in Schuss zu halten, das Gras zu mähen und das Obst zu verwerten; er will hier auch Bienenzucht betreiben.

In den Waldabteilungen Giesregen und Perlbusch südlich von Ederheim demonstrierten die Revierförster Horst Ferner und Sven Schmidt die Jungbestandspflege: „Wozu teuer pflanzen, was einem die Natur schenkt?“, beschrieb Ferner das weitgehend praktizierte Prinzip der Naturverjüngung. Dabei gelte es lediglich, dominante Pflanzen wie die Buche dort zu beschneiden, wo sie mit ihrem dichten Blätterwald empfindlicheren und langsamer wachsenden Bäumen wie Tanne oder Douglasie das Licht zu nehmen drohen. Außerdem bringe der natürliche Nachwuchs viel stabilere Strukturen hervor, in denen die lokalen Wachstumsfaktoren automatisch ausbalanciert sind.

Stiftungswald im Bauernhof

Gerade angesichts der bereits spürbaren Klimaveränderung sei es wichtig, möglichst viele Baumsorten vorzuhalten, was zum Glück die verantwortlichen Vorgänger seit mehreren Generationen so hielten; damit habe man automatisch Bäume im Bestand, die bei steigender Trockenheit und Wärme gut gedeihen. Beispielsweise die Fichte komme deutlich wahrnehmbar immer weniger damit klar, weswegen der Anteil von Nadelbäumen im Stiftungswald alle zehn Jahre um mehr als fünf Prozent zurück geht – waren es 1956 noch 80 Prozent Nadelanteil, sind es heute 38 Prozent. Dennoch werden derzeit 60 Prozent der Erlöse mit Nadelholz erzielt. 2015 erwirtschafteten die Förster nach Abzug der Unkosten 99000 Euro im Stiftungswald – 36000 Euro durch Fichten- und 33000 Euro durch Laubstammholz, 25000 Euro durch Brennholz und 5000 Euro mit einer Astholzversteigerung. Eine wichtige Einnahmequelle war die Wertholzsubmission, wo beispielsweise ein prächtiger Eichenstamm aus dem Hesselberg-Bereich bei Herkheim für mehr als 5000 Euro wegging.

Ein Problem sind angesichts der Trockenheit heuer wieder die Käfer. So zeigte Sven Schmidt in der Abteilung Windhau eine Lichtung, in der im vergangenen Jahr keinerlei Käferspuren zu sehen waren und jetzt nur noch zehn Stümpfe von gefällten Fichten aus dem Boden ragen, die dem Buchdrucker-Käfer zum Opfer fielen. Die Käfergefahr ist laut den Förstern unkontrollierbar – es gebe Fälle, wo eine Kontrolle nichts erkennen ließ und zwei Tage später jede Hilfe zu spät kam. Auch zeichneten sich keine Entwicklungsphasen ab, nach denen man sich richten könne – aufgrund der milden Witterung wuchsen die Larven und Käfer kreuz und quer heran. Dennoch halte sich wirtschaftlich gesehen der Käferschaden in Grenzen.

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