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09.09.2017

Streit: Soll ein Zirkus Tiger halten?

Einer der Sibirischen Tiger des Circus Manuel Weisheit gähnt. Zwei der anderen Tiger liegen ebenfalls in dem 200 Quadratmeter großen Außenkäfig.
Bild: Wehrmann

Tierschützer und Zirkusmitarbeiter beantworten diese Frage in Oettingen gegensätzlich

Einer der Sibirischen Tiger ist aufgewacht. Zusammen mit zwei seiner Artgenossen liegt er im Außengelände, einer hat es sich im Zirkuswagen gemütlich gemacht. Eine halbe Stunde haben sie noch Zeit, dann beginnt die Freitagsaufführung des „Circus Manuel Weisheit“, der gerade in Oettingen gastiert. Die Aktionsgruppe Donau-Ries des bundesweiten Vereins Animals United hält davon nichts. Am heutigen Samstag möchten Mitglieder mit einer „Mahnwache für einen tierfreien Zirkus“ protestieren.

Tim Thomsen, der Schwiegersohn des Zirkuschefs Manuel Weisheit, sagt: „Jeder kann außerhalb der Vorstellungen kommen und sich vom Wohl der Tiere vergewissern“ – Transparenz sei im Zirkus wichtig. Die Leiterinnen der Aktionsgruppe Donau-Ries von Animals United, Carmen Spatschek und Tamara Winkler, nahmen die Einladung an und die Tiere auf dem Zirkusgelände in Augenschein.

Vor dem Tigerkäfig steht Sascha Prehn, der Tigerdompteur. Er trainiert täglich mit den vier Sibirischen Tigern. „Der Tigerbestand geht auf der ganzen Welt zurück“, sagt er. Sibirische Tiger gebe es noch etwa 300 in freier Wildbahn, Sumatratiger nur noch 90 – ihr Lebensraum werde weiter zerstört. „Darum sollte man sich kümmern, nicht um Tiger, die in Deutschland artgerecht gehalten werden“, argumentiert er. Er verschwindet kurz in einem Wohnwagen und holt ein Büchlein heraus. Darin sind die Gutachten der Veterinärbeamten aufgezeichnet, viele Seiten voller amtlicher Stempel. „Da ist alles schwarz auf weiß“, sagt er. Winkler entgegnet, sie zweifle nicht daran, dass die gesetzlichen Vorschriften erfüllt würden – die Haltung wilder Tiere zur Unterhaltung lehne sie dennoch ab.

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Tim Thomsen und Manuel Weisheit berichten, dass sie oft Probleme mit „radikalen Tierrechtlern“ hätten – Beschimpfungen wie „Zigeneuerpack“, Hetze im Internet, zerschnittene Reklame, das sei Alltag. „Ich habe erst wieder Schilder für 3000 Euro kaufen müssen“, sagt Weisheit. Gegen Tierschützer hätte er absolut nichts, wenn sie vernünftig seien. „Die Kosten für die Tiger werden nicht durch die Besucher gedeckt, die nur ihretwegen kommen“, sagt Thomsen – man halte die Tiere, weil man sie liebe.

Auf den ersten Blick sei der Zustand der Tiere zwar nicht schlecht, meint Tamara Winkler von Animals United– sie finde es aber traurig, dass die Tiere nicht in ihrem natürlich Lebensraum leben dürften. „Uns geht es nicht um die Halter persönlich – so etwas sollte in Deutschland gesetzlich nicht möglich sein“, stellt sie klar.

Am heutigen Samstag, 9. September, um 17 Uhr und am Sonntag, 10. September, um 11 Uhr finden weitere Vorführungen des „Circus Manuel Weisheit“ statt. Bis dahin können die Tiere außerhalb der Vorführungszeiten besucht werden. Die Mahnwache von Animals United findet am heutigen Samstag, 9. September, von 15.30 Uhr bis 17 Uhr in der Goethestraße statt.

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