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Nördlingen

10.07.2019

Strenesse-Insolvenz: Wie oft kann eine Firma pleitegehen?

Laut einer Unternehmenssprecherin soll der Geschäftsbetrieb bei Strenesse "nahtlos fortgeführt werden".
Bild: Andreas Gebert, dpa

Das Mode-Unternehmen Strenesse aus Nördlingen hat wieder Insolvenz beantragt - so wie 2014. Wie das sein kann, erklärt ein Anwalt, der das Verfahren begleitet.

Das Nördlinger Premium-Modelabel Strenesse steht vor einem Insolvenzverfahren – zum zweiten Mal. Die Mitarbeiter wurden jüngst in einer Versammlung darüber informiert. Professor Martin Hörmann von der Augsburger Kanzlei Anchor Rechtsanwälte soll der Geschäftsführung künftig als Experte zur Seite stehen und schildert auf Nachfrage unserer Redaktion die rechtlichen Hintergründe.

Warum Strenesse zwei Mal Insolvenz beantragt hat

Dass Strenesse zweimal Insolvenz angemeldet hat, sei so nicht ganz korrekt, erklärt Hörmann: „Im Jahr 2014 gab es ein Insolvenzverfahren, das die Strenesse AG betraf. In diesem Insolvenzverfahren hat man Vermögensgegenstände an eine neue Gesellschaft verkauft.“ Dabei handle es sich um die Strenesse New GmbH, die nun wiederum Insolvenz anmelden musste. Den Prozess bezeichnet man als „übertragende Sanierung“.

Allerdings handelt es sich in der aktuellen Situation um die sogenannte Eigenverwaltung. Diese läuft ab wie ein Regelinsolvenzverfahren – mit einem Unterschied: „Dabei bleibt die Geschäftsführung am Steuer und wird in der Regel unterstützt von Sanierungsexperten.“ Im Fall von Strenesse ist der Insolvenzexperte Hubert Ampferl mit in die Geschäftsleitung eingezogen. Den eigenen Posten des Sachwalters bezeichnet der Anwalt Hörmann als „Beifahrer“, der kontrolliere, „ob die ergriffenen Maßnahmen insolvenzrechtskonform sind oder nicht“.

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Strenesse: Was heißt Insolvenz in Eigenverwaltung?

Zudem gebe es in der Eigenverwaltung einen Gläubigerausschuss, der die Abwicklung und den Sachwalter unterstützen und überwachen soll, erklärt der Anwalt: „Alle wesentlichen Entscheidungen müssen mit dem Gläubigerausschuss abgestimmt werden.“

Hörmann betont, dass die Eigenverwaltung für ein Unternehmen durchaus Vorteile biete, da die Ansprechpartner im Unternehmen erhalten bleiben und weiter agieren können: „Das ist beispielsweise bei Projektgeschäften für viele Kunden wichtig.“ Außerdem stehen laut Hörmann bei Unternehmen, die in Eigenverwaltung geführt werden, die Chancen höher, dass es eine Fortführung gibt.

Alle in Strenesse gekleidet: Jens Lehmann, Sänger Bryan Adams und Bastian Schweinsteiger im Jahr 2008.
Bild: dpa (Archiv)

Wie geht es für die Strenesse-Mitarbeiter weiter?

Dies dürfte auch den Mitarbeitern wichtig sein, für die sich allerdings zunächst nichts ändern soll: „Die Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld gesichert. Das heißt, die Mitarbeiter werden bezahlt“, versichert Hörmann.

Sanierungsexperte Ampferl aus Nürnberg bestätigt gegenüber unserer Redaktion, dass die Strenesse New GmbH noch nicht zahlungsunfähig sei. Die sogenannte „drohende Zahlungsunfähigkeit“ sei geprüft worden, es gebe keine unbezahlten Rechnungen.

Der Insolvenzantrag sei von der Geschäftsführung der Strenesse New GmbH freiwillig gestellt worden, um alte Strukturen zu ändern und sich aus langfristigen Verträgen zu lösen, die noch aus Zeiten der Strenesse AG bestünden, aber nicht mehr zeitgemäß seien, sagt Ampferl. Auch eine Überschuldung habe nicht zur Insolvenz beigetragen. Aber, er macht unmissverständlich klar: „Es ist allen im Unternehmen klar, dass diese Chance genutzt werden muss.“

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