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10.01.2019

THG-Chronik: Wie die Nördlinger Baustelle so teuer werden konnte

Zunächst war für das Theodor-Heuss-Gymnasium nur eine Renovierung inklusive Verbesserung des Brandschutzes geplant war. Später wurde es dann eine Generalsanierung. Die Kostenstiegen immens.
Bild: Szilvia Izsó

Die Sanierung des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Nördlingen kostet deutlich mehr, als geplant. Die vielen Kostensteigerungen sind inzwischen unübersichtlich geworden.


Als die Verantwortlichen des Landkreises Donau-Ries im Jahr 2013 erstmals ernsthaft eine Sanierung des Theodor-Heuss-Gymnasiums in Erwägung zogen, hätten sie im Traum nicht daran gedacht, dass das Vorhaben eine solch riesige Dimension annehmen und vor allem finanziell so aus dem Ruder laufen würde.

Zunächst war auch nicht von einer Generalsanierung die Rede, sondern vielmehr von einer Renovierung inklusive der Verbesserung des Brandschutzes. Die Kosten bezifferte das Kreisbauamt damals auf „unter zehn Millionen Euro“, wie sich der heutige Leiter des Hochbauamtes, Joachim Aurnhammer rückblickend erinnert.

Relativ schnell stellte sich aber heraus, dass die angesetzten Kosten so hoch ausfallen werden, dass eine europaweite Ausschreibung der Entwurfsplanung notwendig wird. Als „Sieger“ aus diesem Angebotsverfahren ging das Donauwörther Architekturbüro Obel hervor. Wolfgang Obel entwarf in den Folgemonaten verschiedene Varianten für das THG, die weit über eine „Renovierung“ des Schulgebäudes hinausgingen.

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Neukonzeption sollte 17,7 Millionen Euro kosten

Im Sommer 2014 legte Obel einen Vorschlag auf den Tisch, der im Prinzip eine Neukonzeption der gesamten Schule war und 17,7 Millionen Euro kosten sollte. Gleichzeitig hatte er eine weitere Alternative erarbeitet, die eine „Optimierung“ der naturwissenschaftlichen Räume am THG enthielt und 20,7 Millionen Euro kosten sollte.

Im September fand eine gemeinsame Sitzung von Kreis- und Bauausschuss in den Räumen des Theodor-Heuss-Gymnasiums statt, bei dem beide Planungsvarianten auf dem Tisch lagen. Der Leiter des THG, Robert Böse, legte sich damals mächtig für die teurere Alternative ins Zeug. Er plädierte für eine möglichst umfangreiche Sanierung seiner Schule mit der bestmöglichen räumlichen Ausstattung für seine Schüler. Schließlich stimmte der Ausschuss einstimmig für den 20-Millionen-Euro-Entwurf.

Auf dieser Grundlage starteten Anfang 2016 die Bauarbeiten. Der erste Bauabschnitt, der die Sanierung des naturwissenschaftlichen Traktes beinhaltete, bereitete keine größeren Probleme, nicht zuletzt deshalb, weil in die Bausubstanz nicht eingegriffen werden musste.

Schwierigkeiten beim zweiten Bauabschnitt

Die großen Schwierigkeiten sollten dann später beim zweiten Bauabschnitt, also dem Hauptgebäude des Gymnasiums, kommen. Laut Joachim Aurnhammer hat sich im Laufe der Bauarbeiten herausgestellt, „dass die Planungen überhaupt nicht zu den veranschlagten Kosten passen.“ Vor dem Hintergrund dieser Erkenntnisse hätten sich alle Beteiligten im Herbst 2016 zusammengesetzt und die gesamten Planungen und Kostenansätze nochmals auf den Prüfstand gestellt. „Wir haben circa ein halbes Jahr lang nachgerechnet, nachjustiert und neue Planungen nachgezogen, insbesondere im Bereich der Statik“, so Aurnhammer.

Das Ergebnis der Überprüfung: Im Sommer 2017 kam man auf Kosten von 30 Millionen Euro. Doch damit nicht genug: Auch das Jahr 2018 stand unter keinem guten Stern. Durch verschiedene, mitunter kostenintensive Nachforderungen der Fachplaner samt der üblichen Kostensteigerungen der Baufirmen stiegen die Ausgaben rasant weiter. Im Herbst 2018 waren es 34 Millionen Euro, was auch heute noch der Stand ist.

Joachim Aurnhammer kann der ganzen Misere dennoch etwas abgewinnen. „Wir haben jetzt eine Planung, die steht und auch stimmt. Auf dieser Basis können wir weiterarbeiten und den restlichen Zeitplan einhalten.“ Dieser sehe vor, im Jahr 2020 das Projekt inklusive des dritten Bauabschnitts (neue Aula) abzuschließen. Landrat Stefan Rößle räumt selbstkritisch ein, dass beim THG einiges schiefgelaufen sei. Die immense Kostensteigerung nennt Rößle „bedauerlich und auch ärgerlich“. Die Hauptursache für all die Schwierigkeiten sehe er im Zusammenhang mit dem neuen Schulkonzept, das Architekt Obel vorgelegt und in den Kreisgremien Zustimmung gefunden habe. „Wir bekamen ein neues Konzept, aber keine neue Zeitplanung.“ Wichtig sei es für ihn, mit dem Thema offen und transparent nach allen Seiten umzugehen.

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