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Theater

25.11.2017

Therapie für den Therapeuten

Ein fordernder Ehemann (Michael Roll, links), eine bockige Ehefrau (Michaela May) und ein frustrierter Paartherapeut (Robert Giggenbach) begeisterten die rund 400 Besucher im Nördlinger Stadtsaal.
Bild: Dieter Mack

„Die Wunderübung“ bringt hochkarätige Schauspieler nach Nördlingen. Viel Beifall für die verzwickte Beziehungskomödie im Klösterle

Wie öffnet man ein verschlossenes Herz? Verlässt man die Ebene der Metapher und stellt sich das Herz als zusammengedrückte Faust vor, ist man schon mittendrin im Theaterstück „Die Wunderübung“, das im Rahmen des Kulturprogramms der Stadt Nördlingen im Stadtsaal Klösterle zur Aufführung kam.

„In der Polemik sind sie ein eingespieltes Team!“ So lautet die erste Diagnose des Paartherapeuten Harald, als das langjährige Ehepaar Valentin und Joana zu einem Beratungsgespräch bei ihm auftaucht. Deren Beziehung ist auf dem Tiefpunkt angelangt: Die „Kneifzange“ Joana überzieht ihren Gemahl permanent mit Vorwürfen, der rechthaberische Valentin kontert mit Gefühlskälte.

Mit allerlei psychologischen Kniffen versucht Harald aus der „Kampfbeziehung“ wieder eine Liebesbeziehung zu machen. Vergeblich. Die beiden streiten weiterhin wie die Kesselflicker, bis sogar der erfahrene Eheberater die Contenance verliert: „Meine therapeutische Bankrotterklärung!“ Als jedoch mitten in die Sitzung die Nachricht platzt, dass Harald soeben von seiner Frau verlassen wurde, ändert sich die Rollenverteilung mit einem Schlag. Mit erstaunlichem Eifer versuchen nun Joana und Valentin ihrerseits, dem konsternierten Harald zu helfen – eine Therapie für den Therapeuten. Das Ehepaar, eben noch im „katastrophalen untherapierbaren Dauerkonflikt“ gefangen, zeigt plötzlich einen nie für möglich gehaltenen Schulterschluss. Mit einem Mal ist „Love in the Air“, sogar ein Happy End scheint möglich …

Der österreichische Autor Daniel Glattauer, dessen Erfolgsstücke „Gut gegen Nordwind“ und „Alle sieben Wellen“ bereits in umjubelten Aufführungen im Klösterle zu sehen waren, ist mit „Die Wunderübung“ einmal mehr eine erfrischende und unterhaltsame Komödie gelungen, die sämtliche Elemente verfahrener Beziehungskisten vorführt: Leidenschaftliche Streitgespräche, verhärtete Fronten, halbherzige Kompromisse und fehlgeschlagene Versöhnungsversuche dürften wohl für die meisten, nicht mehr ganz frisch verliebten, Paare einen gewissen Wiedererkennungseffekt in sich bergen. Dabei setzt Glattauer auf sein bewährtes Instrumentarium: witzig-spritzige Dialoge, sympathische Charaktere mit Ecken und Kanten sowie mehrere überraschende Wendungen. Zwar fehlt im ersten Teil bisweilen der Schwung, doch gewinnt das Stück zunehmend an Dynamik – bis hin zum pfiffigen Schlussakkord.

Die „Komödie im Bayerischen Hof“ (regelmäßig in Nördlingen gastierendes und beim Publikum beliebtes Tourneetheater) bringt in ihren Inszenierungen immer wieder hochkarätige Schauspieler nach Nördlingen. Diesmal ist es Michaela May, die mit Helmut Dietls Kultserien „Münchener G’schichten“, „Monaco Franze“ und „Kir Royal“ große Erfolge feierte und höchst überzeugend den ebenso kratzbürstigen wie verzweifelten Ehedrachen Joana gibt. Auch Michael Roll war vom „Tatort“ bis zum „Bergdoktor“ bereits in allen erdenklichen TV-Rollen zu sehen und spielt den coolen, abgezockten Ingenieur Valentin elegant und souverän. Zum Gaudium des Publikums bringt er sogar ein „So G’sell so“ im Text unter. Die humorigen Glanzpunkte der Aufführung setzt jedoch Robert Giggenbach, dessen Paraderolle als „Effendi“ in der legendären Bogner-Serie „Irgendwie und sowieso“ unvergessen ist. Die blitzartige Wandlungsfähigkeit und die präzise gesetzten Pointen des Therapeuten „Harry“ rufen bei den Zuschauern immer wieder Zwischenapplaus hervor. So war es auch nicht verwunderlich, dass die rund 400 Besucher im fast ausverkauften Klösterle am Ende nicht mit Beifall sparten. Verdientermaßen wurden die drei wunderbaren Akteure für ihre erstklassigen schauspielerischen Leistungen mehrmals auf die Bühne geklatscht, ehe der letzte Vorhang fiel.

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