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Nördlingen

19.10.2013

Tote Brühe wird zum Fischparadies

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3 Bilder
Erich Baumann (ausgestreckter Arm) erläuterte den Wandel der Eger vom biologisch toten Abwasser-Fluss zum fischreichen Biotop.
Bild: Ronald Hummel

Zum Waldbegang des Stadtrats kam in diesem Jahr auch ein Gewässerbegang

Nördlingen Traditionell wurden heuer wieder Stadträte, Mitarbeiter der Verwaltung und Vertreter des Stiftungsrates von Forstleiter Werner Vonhoff – für ihn war es das 25. Mal in Folge – durch den Stiftungswald geführt. Neu war ein Gewässerbegang durch das Biotop am Nähermemminger Weg mit Erich Baumann, 1. Vorstand des Fischereivereins Nördlingen.

Der zeigte sich des Lobes voll über die Renaturierungsmaßnahmen: „Der Egerausbau durch die Stadt ist vorbildlich. Man hat Flachwasserzonen für die Brut mit eigens angepflanztem Schilf zur Selbstreinigung angelegt und eine vielfältige Situation mit breiten und schnellen Stellen geschaffen.“ Baumann hob hervor, dass etliche Querbauten wie ein Wehr im Biotop zurückgebaut wurden. „Damit ist die Eger von der Schwallmühle bis Nähermemmingen durchgängig, die Fische ziehen rauf und runter“, so Baumann. Das wirke sich auf harmonische Verteilung und einen enormen Artenreichtum aus. Der werde von den Fischern geschützt, indem man im Bereich des Biotops auf das Angeln freiwillig verzichte.

Durch den Wegfall der Barrieren fließe die Eger schneller und setze keinen Schlamm an. Das wiederum wirke sich auf die Wasserqualität aus, belegt durch Bachflusskrebse, die von Forellen gefressen werden, was ihnen rötliches Fleisch und das Zertifikat „Lachsforelle“ verleiht; ein PR-Begriff aus der Gastronomie.

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Der Fischereiverein hatte parallel zum Egerausbau der Stadt in den vergangenen Jahren die Eger vom Sägewerk Kling flussaufwärts von Schlamm und Gerümpel befreit und dabei 12 Container-Mulden voller Schrott von der Registrierkasse bis zum Fahrrad herausgezogen.

In den 50er-Jahren war das heutige Fischparadies biologisch tot – so wechselte die Farbe des Wassers täglich, was auf die Färberei in Bopfingen zurückzuführen war. Dennoch existierte ein Eger-Flussbad.

Beim Waldbegang demonstrierte Werner Vonhoff am Adlersberg, wie er sich Naturschutz vorstellt: Die Baumlandschaft am Weg zur Marienhöhe wurde vom zugewucherten „Urwald“ zu einem Musterwald wie aus einem Barockgemälde verwandelt; nur durch Schafbeweidung könne der Bodenbewuchs kurz gehalten werden.

Neuer Revierförster stellt sich vor

Im Stadtwald nördlich von Schmähingen erläuterte Revierförster Horst Ferner, wie man mit Totholzbeständen umgehen sollte, die hier entstanden, als ein Hagelsturm ein Kontingent an Fichten regelrecht abfräste. Entscheidend sei, dass die Pflanzenverjüngung bis zum Niveau von Brusthöhe nicht zu sehr durch Wild gebremst werde.

Am „Sparbuck“ unweit der Alten Bürg, stellte sich Revierförster Sven Schmidt vor. Er tritt die Nachfolge von Otto Powarcinsky an, dessen Tod alle früheren Kollegen bedauerten. Schmidt präsentierte den Vorzeige-Buchenwald mit dicken, geraden Stämmen als ideale Vorratspflege, bei der man jedoch die Vielfalt nicht vergaß und insgesamt sieben Baumsorten einstreute bis zu Rotbuche, Bergahorn und Eiche, gezielt in Schattenvorlieben aufein-ander abgestimmt. Büroleiter Wolfgang Müller erläuterte das PEFC (Paneuropäisches Forstzertifikat), das den Stiftungswald seit zehn Jahren auszeichnet.

Wenn der Wald zum Kindergarten wird ...

Wie der Wald zum Kindergarten werden kann, zeigten die „Wipfelstürmer“ an der Alten Bürg. Kreisgeschäftsführer Erwin Rudolf vom Roten Kreuz als Träger und Leiterin Hanna Aich begrüßten mit einer Schar singender Waldzwerge den Stadtrat und vermittelten einen Eindruck von der Begeisterung der Kinder. Wind und Wetter können die Lernbegeisterung in der Natur nicht bremsen; so baute man heuer das große Osternest halt aus Schnee …

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