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Landgericht

13.11.2019

Tote an Güllegrube: 3-D-Modell im Mordprozess

Der Prozess gegen einen Landwirt aus Birkhausen, einem Ortsteil von Wallerstein, geht weiter. Am Montag sagte seine Geliebte aus.
Foto: Ulrich Wagner

Plus Der Verteidiger des Rieser Landwirts beantragt, dass der Haftbefehl gegen seinen Mandanten aufgehoben wird. Im Prozess geht es am Dienstag um verschiedene Gegenstände.

Für den Verteidiger des Rieser Landwirts, der sich derzeit wegen Mordes vor dem Augsburger Landgericht verantworten muss, ist der Fall offensichtlich klar: Er hält seinen Mandanten für unschuldig. Deshalb beantragte Rechtsanwalt Peter Witting bei der Verhandlung gestern, dass der Haftbefehl gegen den 55-Jährigen aufgehoben wird. Wie berichtet, wird dem Rieser vorgeworfen, seine Ehefrau getötet zu haben. Witting begründete seinen Antrag mit der bisherigen Beweisaufnahme: Bislang sei kein Gegenstand gefunden worden, mit dem der Angeklagte seine Ehefrau geschlagen haben könnte. Bei der Toten war eine Wunde am Kopf festgestellt worden.

So erklärt der Verteidiger die Verletzungen

Dagegen gibt es aus Wittings Sicht viele Möglichkeiten, wie sich die Frau die Wunde selbst zugezogen haben könnte. In der Güllegrube gebe es eine Säule, sie könnte sich am Güllemixer oder auch an einer Metallstange in der Grube verletzt haben, mutmaßte Witting. Staatsanwalt Michael Nißl sagte, er wolle sich fundiert dazu äußern, das werde er zeitnah tun, jedoch nicht mehr am gestrigen Verhandlungstag.

Zunächst verschafften sich die Beteiligten des Prozesses gestern mithilfe eines 3-D-Modells einen räumlichen Eindruck von der Güllegrube und dem Hof, auf dem die Frau starb. In der Güllegrube soll sich eine Leiter befunden haben, daneben reichte ein Saugrohr in die Grube, mit dem die Gülle herausbefördert werden konnte. Zudem hing ein Güllemixer in die Grube. Der Boden soll innen uneben sein, nach Angaben des Landwirts gibt es in ihr eine Vertiefung.

Eimer wurde erst später sichergestellt

Ein Kriminalbeamter schilderte, dass verschiedene Gegenstände in und an der Grube gefunden wurden. So habe in ihr eine verrostete Metallstange gelegen, auch das Metallteil eines landwirtschaftlichen Geräts wurde gefunden. Der Polizist brachte einen Eimer zur Sprache, von dem aber nicht ganz klar ist, wo er sich zunächst befunden hat. Der Eimer wurde laut dem Beamten erst zwei Tage nach dem Auffinden der Frau sichergestellt. In ihm habe man Güllereste gefunden. Die Leiter habe bis zur Höhe von 65 Zentimetern einen Güllefilm aufgewiesen.

Die Polizisten, die als erstes vor Ort waren, sagten vor Gericht aus, dass sie bei einem Unfall waren, als sie den Funkspruch zum Fall erhielten – eine Person sei in eine Güllegrube gestürzt oder gefallen, hieß es. Einer der beiden berichtete, dass sie auf dem Weg nach Birkhausen eine weitere Nachricht erhalten hätten, die besagte, dass die Person bereits reanimiert werde. Der Polizist sagte, er sei davon ausgegangen, dass ein Notarzt vor Ort sei. Er war deswegen zunächst erleichtert. Beim Eintreffen seien aber keine Sanitäter vor Ort gewesen, sondern nur zwei Personen bei der Frau gestanden – der Landwirt und eine weitere Person.

Die Frau habe in einer Pfütze gelegen, schildert der Polizist weiter. Er habe sie weggezogen. Der Mund der 51-Jährigen sei voll mit brauner Flüssigkeit und Dreck gewesen, mit den Fingern habe er versucht, so viel wie möglich zu entfernen. Kurz habe er eine Herzdruckmassage begonnen. Mit der Maßnahme habe er schnell wieder aufgehört. „Ich habe gesehen, dass nicht mehr viel zu machen ist“, so der Polizist. Sein Kollege habe währenddessen den Angeklagten und die andere Person weggeführt.

Ein Beamter, der an besagtem Tag am Nachmittag eintraf, schilderte seinen Eindruck vom Angeklagten. Er habe ein Telefonat des Landwirts mitbekommen, bei dem dieser wohl seinen Arbeitgeber angerufen und mitgeteilt habe, dass er die nächsten Tage nicht kommen könne. Zwar habe sich der 55-Jährige einmal die Augen gerieben, aber nicht geweint. Der Polizist sagte, er habe nicht gedacht, dass das der Witwer sei. Die Verhandlung wird am heutigen Mittwoch fortgesetzt.

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