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09.08.2019

Trauer um Paul Steinmeyer

Paul Steinmeyer

Orgelbaumeister und Restaurator aus Oettingen gestorben

Ein Orgelbaumuseum war sein größter Wunsch, gerne hätte er sein Lebenswerk damit vollendet. Es war ihm nicht mehr vergönnt. Am Samstag ist Paul Steinmeyer im 85. Lebensjahr gestorben.

Seit 1848 wurden in Oettingen Orgeln entworfen, gebaut und in aller Herren Länder verschifft. Der Name Steinmeyer ist ein Synonym: Einst war damit die größte Orgelbauwerkstatt Bayerns und eine der größten in der Welt überhaupt verbunden. Innerhalb der 154-jährigen Firmengeschichte und des aktiven Orgelbaus entstanden unter vier Familiengenerationen nahezu 2400 Orgeln aller Größen sowie 6000 Harmonien, die in allen Erdteilen zu finden sind und einen Querschnitt durch die bayerische und deutsche Orgelgeschichte bilden. Weil die Nachfrage abnahm und sich die Branche veränderte, stellte Steinmeyer im Jahr 2001 den Bau und die Restaurierung für die so genannte „Königin der Instrumente“ ein.

Seitdem betrieb die Familie unter der Ägide von Paul Steinmeyer in den ehemaligen Betriebsgebäuden ein kleines, privates Orgelbaumuseum. Wer Paul Steinmeyer in seinem Reich begegnen durfte, der spürte die Leidenschaft, die ihn für seine Firma umtrieb. „154 Mitarbeiter haben wir seinerzeit beschäftigt“, sagte Paul Steinmeyer einmal stolz, „der Höhepunkt unserer Firmengeschichte war und ist der Bau der größten Kirchenorgel der Welt mit 208 Registern im Passauer Stephansdom.“ Albert Schweizer hat sich im Gästebuch des Hauses für die „klanglich ausgewogenen und technisch ausgereiften Instrumente“ bedankt und der Komponist Max Reger hat sich von „den Steinmeyers“ eine Orgel nach seinen klanglichen Vorstellungen „auf den Leib schneidern lassen“. Diese und andere Anekdoten erzählte Paul Steinmeyer gerne, von seinen Instrumenten, „seiner“ Marienorgel in der Basilika Ottobeuren, den Orgeln der Meistersingerhalle in Nürnberg, dem Herkulessaal der Residenz in München, der evangelischen Stadtkirche in Pforzheim, der Heiliggeistkirche in Heidelberg und nicht zuletzt der Tonhalle in Zürich. Eines seiner letzten erbauten Orgelwerke war ein Instrument für die Pfarr- und Klosterkirche Speinshart in der Oberpfalz. Diese und andere Instrumente werden den Steinmeyerschen Klang weiterhin in die Welt tragen.

Seine Familie beschreibt Paul Steinmeyer als selbstlosen Mensch, der sich nie in den Vordergrund gedrängt hat. Mit seiner Frau Sybille hatte er zwei Töchter und einen Sohn. Paul Steinmeyer war Stadtrat der CSU- und Freien-Wähler-Fraktion und 66 Jahre für den Heimatverein Oettingen tätig. Er schlief friedlich zu Hause ein. (murb/vmö)

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