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Nördlingen/Oettingen

11.09.2020

Trotz Corona fahren überfüllte Schulbusse durchs Ries

Abstand, bitte: Rieser Schuldirektoren und Eltern kritisieren, dass der Weg zur Schule den Corona-Schutz ad absurdum führe. Die Schulträger wollen nun Abhilfe schaffen.
Foto: Matthias Becker (Symbolbild)

Plus Zwei Oettinger Schulleiter beklagen überfüllte Schulbusse trotz der Pandemie, ein Nördlinger Rektor hat da andere Erfahrungen gemacht. Jetzt will das Landratsamt das Problem lösen.

Was vor der Pandemie mancherorts nur ein Missstand war, wird nun zum Problem: „Mir wurde berichtet, dass die Situation in einigen Schulbussen in den letzten Tagen dramatisch gewesen sein muss“, sagt Günther Schmalisch, Schuleiter des Albrecht-Ernst-Gymnasiums (AEG) Oettingen. Seit Dienstag haben die Schulen in Bayern wieder regulär geöffnet. Strikt getrennte Klassenstufen, Masken in Fluren und Pausenhöfen: So richtig einkehren will der Schulalltag momentan aber nicht.

Auf dem Schulhof und in den Klassenzimmern wurde viel geplant und geregelt, doch nun zeigt sich, dass der Schulweg offenbar nicht groß bedacht wurde.

Schulleiter Schmalisch: "Manche Busse sind völlig überfüllt"

Beispiel Oettingen. Selbst in den Schulbussen gewesen, sagt Schmalisch, sei er nicht. Er könne nur das schildern, was Eltern und Schüler an ihn herangetragen hätten. „Manche Busse sind völlig überfüllt, es wird über teilweise wirklich unzumutbare Verhältnisse geklagt“, sagt er. 863 Schüler hat das AEG in diesem Schuljahr, über 700 von ihnen kommen nicht aus Oettingen, sind also auf den Schulbusverkehr angewiesen.

Auf der einen Seite stehen die Bemühungen der Schulen, den Vorschriften des Kultusministeriums gerecht zu werden. Kinder werden strikt nach Klassen getrennt und es herrschen Abstandsregelungen. „In den vollen Schulbussen werden die Kinder dann aber einfach gemischt“, sagt Schmalisch. „Das konterkariert unsere Bemühungen völlig.“

Landratsamt hat zusätzliche Busse im Ries geordert

Für die Schulbusse in Bayern sind als sogenannte Aufgabenträger je nach Schulart die Landkreise, Städte oder Kommunen verantwortlich. Sie müssen den Schülerverkehr organisieren und sich je nach örtlicher Gegebenheit mit den Schulen absprechen.

Als Reaktion auf die Beschwerden über randvolle Schulbusse hat das Landratsamt seit dieser Woche zusätzliche Busse geordert. Im Ries ist das etwa auf den Linien rund um Nördlingen, also von und nach Oettingen, Wassertrüdingen oder Wallerstein, der Fall. Auf einigen Strecken hat sich die Situation dadurch gebessert. „Auf anderen leider noch nicht“, sagt Schmalisch. Er habe deshalb schon beim Landratsamt angerufen und um Abhilfe gebeten.

Schwierige Lage auch an der Oettinger Grund- und Mittelschule

Um zusätzliche Schulbusse zu fördern, stellt die Bayerische Staatsregierung bayernweit bis zu 15 Millionen Euro bereit; auf den Landkreis Donau-Ries entfallen nach Angaben des Landratsamts rund 180000 Euro. Das Förderprogramm ist vorerst zeitlich begrenzt bis zu den Herbstferien. „Wir müssen schauen, ob das Geld reicht“, sagt Jürgen Kunofsky, beim Landratsamt zuständig für die Schulbeförderung. Noch sei vom Freistaat kein Geld geflossen. „Wir gehen bei der Beschaffung zusätzlicher Schulbusse aktuell in Vorleistung.“ Wie Schulleiter, Lehrer und Schüler habe auch das Landratsamt vor Schulbeginn lange mit konkreten Planungen warten müssen, sagt Kunofsky. „Ersatzbusse vorzuplanen, war schwierig. Aktuell schauen wir, auf welchen Strecken es akut brennt.“

Ursula Hertle ist Leiterin der Grund- und Mittelschule Oettingen. Auch sie berichtet von einer „sehr schwierigen“ Lage in den Schulbussen. Die Kinder hielten sich zwar an die Maskenpflicht. „Aber es stehen zum Teil zu wenige Busse bereit.“

Heydecker: Öffentliche Verkehrslinien als generelles Problem

Oettingens Bürgermeister Thomas Heydecker weiß um dieses Problem. In Absprache mit Hertle und dem Landratsamt hat er deshalb einen zusätzlichen Bus auf der Linie zwischen Fremdingen und Oettingen organisiert, der am Donnerstag zum ersten Mal im Einsatz war. Heydecker sagt: „Dass es bei uns zu wenig öffentliche Verkehrslinien gibt, ist ein generelles Problem.“ Die Pandemie habe dies nur verdeutlicht.

Auf ebenjene öffentlichen Linien sind die Bus-Schüler der Maria-Stern-Realschule in Nördlingen angewiesen. Von einer Überlastung der Busse kann Schulleiter Thomas Möckel allerdings nicht berichten. „Bei mir hat sich noch niemand beklagt“, sagt er.

Vielmehr habe er beobachtet, dass mehr Eltern ihre Kinder selbst zur Schule fahren würden, sei es mit dem Auto oder dem Fahrrad. Er sagt: „Das kann schon an Corona liegen.“ Der Verkehr um Maria-Stern sei im Vergleich zu den Vorjahren auf jeden Fall lebhafter geworden.

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