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Veranstaltung

12.06.2019

Unbekannter Musiker im Mittelpunkt

Martin Seefeld (links) und Dirigent Timo Jouko Herrmann gaben ein Konzert in Oettingen.
Bild: Ernst Mayer

In Oettingen werden nicht nur Stücke von bekannten Künstlern wie Mozart gespielt. Warum der Auftritt des Pianisten Martin Stadtfeld ein besonderes Ereignis war

Florian Leopold Gassmann hat ein musikalisches Schicksal erfahren, wie es so oft von Musikern erlebt wird, die während ihrer aktiven Zeit viel bewegt haben: viele Opern, Sinfonien und zahlreiche Kammermusiken geschrieben, in bedeutenden Musikzentren erfolgreich – und heute trotzdem unbekannt. Dirigent und Salieri-Experte Timo Jouko Herrmann hat Gassmann mit seiner „Sinfonie h-Moll“ im Oettinger Residenzkonzert vorgestellt, die das Mozartorchester Mannheim durch markanten Wechsel von Forte und Piano interessant entfaltete.

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Davon lebte auch der zweite Satz, dessen ständige Motiv-wiederholung sich im Kontrast zu dem ruhigen Melodieverlauf in den mittleren Stimmen bewegte. Oboe und Flöte traten im Menuett hervor und gestalteten es tänzerisch, bevor das abschließende Presto in sich steigerndem Tempo rasant dem Ende zustrebte.

Antonio Salieri, dessen Werke von der bis heute andauernden Popularität Mozarts in den gemeinsamen Wiener Jahren verdrängt wurden und immer noch selten gespielt werden, erfuhr mit seinem „Cantabile G-Dur für Oboe und Orchester“ und seiner wunderbaren Melodieführung die verdiente Wert-schätzung des Oettinger Publikums, das dem Solooboisten Andrius Pusku-nigis für sein gefühlvolles Spiel freudig applaudierte.

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Ein besonderes Ereignis war anschließend nicht nur der Auftritt des weltweit bedeutenden Pianisten Martin Stadtfeld, sondern vor allem seine Auswahl für das Klavierkonzert der Pianistin Nanette von Schaden, die von Ignaz von Beecke, dem Hofintendanten der fürstlichen Wallersteiner Hofkapelle unterrichtet wurde. Sie lebte als Gattin des Hofrats von Schaden zur Zeit des Fürsten Kraft Ernst in Wallerstein, wo auch Antonio Rosetti komponierte, von dem mindestens der Or-chesterpart stammt. Das kann man als Reverenz Stadtfelds an den für das Ries so bedeutenden Musiker verstehen, der demnächst vom 19. bis 23. Juni zum 20. Mal an den Rosetti-Festtagen gefeiert wird. Die Qualität und die Intensität der Klavierkomposition konnten durch das feinfühlig interpretierendes Spiel des Pianisten die Zuhörer überzeugen, was der anhaltende Beifall eindrucksvoll bestätigte.

Ein weiteres, kaum bekanntes Werk stellte Dirigent Herrmann mit der „Serenade F-Dur“ des Antonio Salieri vor, an dessen Werken er offenbar intensiv forscht. Diese Komposition gab den Bläsern die Gelegenheit, die Farbigkeit ihrer Instrumente zur Geltung zu bringen, so recht geeignet für eine abendliche Unterhaltungsmusik.

Als Hauptwerk und Höhepunkt des Konzertes bot Martin Stadtfeld W. A. Mozarts „Klavierkonzert B-Dur, KV 450“, mit dem er seine große Pianistenklasse bewies. Dazu trug auch das Mozartorchester mit seinem individuell gestaltenden Dirigenten in erheblichem Maße bei. Es geriet bald in einen schwingenden Modus und bereitete temperamentvoll auf Stadtfelds Einsatz vor, dessen Spiel mit fliegenden Läufen in den verschiedenen Lagen in eine fast schon schwelgerische Spielerei überging. Der hymnisch liedhafte Beginn des Andante-Satzes eröffnete dem mit gefühlvollem Piano faszinierenden Pianisten eindrucksvolle dynamische Wechsel, die vom Orchester behutsam aufgenommen wurden und in beiderseitiger Eigenständigkeit im Verlauf bis zum umjubelten Schluss tolle Bläserpassagen und elegant eingestreute Kadenzen ermöglichten.

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