Vom Unterrock (1)

26.11.2012

UnentbehrlicheTextilie

Sommer-Unterrock aus leichtem Baumwollstoff. Angesetzter Volant mit weißer Maschinenstickerei.
Bild: Graumann

„Onter Muaters Onterrock ...“

„Do donta of m Wiesaspitz do tanzat s of de Stieflspitz. Do hont s dr Jongfer Kellnere da Onterrock vrschlitzt.“

(Rieser Tanzbodenvers)

Früher war der Unterrock ein wichtiges Bekleidungsstück. Sowohl der Halbunterrock als auch das Unterkleid wurden als Unterrock bezeichnet.

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Bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts trugen in den Riesdörfern noch viele Frauen „ds Riaser Gwand“. Der Unterrock war dabei unentbehrlich. Die Funktion des Unterkleides wurde vom Hemd erfüllt, das auch entsprechend lang war. Im Winter wurden unter dem Oberrock meist mehrere Röcke getragen. Dies bestätigte Marie W., die im Jahre 1900 in Möttingen geboren wurde: „I hab koi Hos ghet, ’s hot me net gfroara, i ben s gwoh(n)t gwest. I hab an gscheita Rock braucht. Em Wenter hab e zwea oder drei ofanander azoga.“

Auch der Rieser Klassiker Melchior Meyer berichtet davon

Davon berichtet auch Melchior Meyer, der Rieser Klassiker, in seiner Ethnographie des Rieses (1863): „Dass die Zahl der Röcke in neuerer Zeit eine Reduktion erfahren hat, ist bemerkt. Gegenwärtig möchte das elegante Rieser Bauernmädchen niemals über drei Röcke anhaben, den Unterrock mit eingeschlossen; ja vielleicht begnügen sich manche gar mit zweien! Der Unterrock, wenn ich recht berichtet bin, ist einfach rot ...“

Schwarz-, Braun-, Grün- und Blautöne waren die Grundfarben, mit eingewebten Streifen, aufgedruckten Blümchen und kleinen Mustern versehen. Wolle, Baumwolle, Mischgewebe aus Wolle-Baumwolle, Leinen, mitunter Baumwolle-Seide oder „Biber“ (plüschartiger Stoff) oder Moiré (Stoff mit Wasserlinienmusterung) für den Hochzeitsunterrock, waren die verwendeten Stoffe. Zeitweise waren wattierte Unterröcke mit einer Innenfüllung aus Schafwolle auch im Ries in Mode. Die Unterröcke waren in Bahnen geschnitten oder am Bund in Falten gelegt oder gestiftelt. Zur Auszier gehörten an den Sonntagsunterröcken ein angesetzter Volant (Schmuckbesatz) mit aufgenähten Borten. Die Trachtenunterröcke können durchaus als dekorativ bezeichnet werden. Sie traten auch optisch in Erscheinung. Schmutzige Straßen, wie es sie früher allerorts gab, zwangen zum Beispiel beim Kirchgang die Frauen dazu, ihren Oberrock zu schürzen, sodass der Unterrock zum Vorschein kam. Wurden sie von Regen überrascht, schlugen die Frauen den rückwärtigen Teil ihres Rockes über den Kopf, um ihre Bänderhaube zu schützen.

Auch die Seidenschürze sollte nicht nass werden, sodass auch der vordere Teil des Oberrocks in die Höhe gehalten wurde. Der Unterrock war somit ringsum sichtbar. Er war also durchaus kein reines Unterbekleidungsstück. Auf der Suche nach historischen Röcken freuten sich zum Beispiel die Brauchtumsfreunde Appetshofen-Lierheim, wenn ihnen schöne Unterröcke angetragen wurden. Nach kleinen Änderungen konnten sie als dekorative Oberröcke getragen werden. (gss)

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