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Eröffnung

14.05.2015

Versteinerte Gesichter

Museumsleiterin Andrea Kugler und Oberbürgermeister Hermann Faul vor einem Steinrelief des Jüngsten Gerichts im neu eröffneten Lapidarium. 
Bild: Hummel

Das Reihl-Haus beherbergt jetzt eine historische Stein-Sammlung. Warum sie die Stadt Nördlingen besonders gut charakterisiert

Nördlingen Nördlingen wurde immer wieder als „steinerne Stadt“ charakterisiert. Oberbürgermeister Hermann Faul griff dieses Bild auf, indem er unterstrich, dass entscheidende Elemente des Stadtbildes wie Georgskirche, Stadtmauer, Rathaus oder Straßenbelag auf Stein beruhten. Dies sagte er bei der Eröffnung eines Lapidariums, einer Steinsammlung des Stadtmuseums im benachbarten Reihl-Haus.

Museumsleiterin Andrea Kugler stellte die von Steinmetz Oliver Hornung gereinigten, antransportierten und befestigten Objekte vor: Prunkstück ist der römische Weihestein aus dem Jahr 205, der 2004 bei Bauarbeiten am Haus der Familie Hofmann-Scherrers in der Polizeigasse gefunden wurde. Er ist der bedeutendste römische Fund Nördlingens, Bestandteil eines Heiligtums und Indiz dafür, dass Römerkastell und zugehörige Siedlung Septemiacum seinerzeit auf dem heutigen Stadtgebiet lagen. Deshalb wurde er so platziert, dass er jederzeit von der Straße durch die Glastür besichtigt werden kann; abends und nachts wird er zeitweise beleuchtet. Bei ihm steht der Grabstein eines römischen Ehepaares, gefunden in Holzkirchen.

Die nächste Objektgruppe sind Grabplatten, die mit ihren Rückseiten als Bodenplatten genutzt und bei Umbau- oder Abrissarbeiten geborgen worden waren. Einen weiteren Themenkomplex nennt Andrea Kugler „mächtige Geschlechter“, die sich in Wappen, einem Epitaph, der Darstellung eines Ritters oder einem Grabstein verewigten. Letzterer liegt in der Gruft, die ans Lapidarium angrenzt und wartet auf seine Restauration, da im Vorfeld der Eröffnung Spenden und Fördergelder dafür zusammen kamen. Eine architektonische Überraschung war der Fund einer Säulenbasis aus dem ehemaligen Franziskanerkloster, dem „Klösterle“ – sie ist absolut identisch mit der Basis einer Säule im Ausstellungsraum; offenbar wurde diese ursprünglich aus dem Klösterle recycled.

Von den 50ern bis in die 90er Jahre

Andrea Kugler erinnerte daran, dass ein Lapidarium bereits in den 50-er Jahren im heutigen Eingangsbereich des Stadtmuseums angelegt und bei Umbauarbeiten in den 90-er Jahren wieder aufgelöst worden war. Nach langer Suche habe sich die Färberhalle im Reihl-Haus als idealer trockener und gut temperierter Raum erwiesen, zudem noch nahe am Museum. Oberbürgermeister Faul würdigte die Sammlung als weitere Facette im Angebot der Stadt für Einheimische und Touristen. Stadt- und Geoparkführer können hier nicht nur die Sammlung, sondern auch einen wunderbaren historischen Innenraum präsentieren. Stadtführer Mario Borelli hatte darauf gedrängt, das römische Erbe öffentlich zu würdigen, was von den zahlreichen italienischen Touristen sicherlich mit höchstem Interesse aufgenommen werde.

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