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Soziales

30.05.2015

Viel mehr als nur spielen

Karin Lechner leitet seit zwölf Jahren das AWO Kinderhaus in Donauwörth. Ab und zu springt sie auch bei der Kinderbetreuung ein und spielt mit den Kleinen beispielsweise im Sandkasten.
Bild: Alexandra Schneid

Die Erzieherinnen im Landkreis streiken zwar nicht, fordern aber mehr Anerkennung. Ihre jetzigen Aufgaben sind mit denen vor einigen Jahren nicht mehr zu vergleichen

Von Alexandra Schneid und William Harrison-Zehelein

Nördlingen/ Donauwörth Brumm, brumm, brumm. Ein kleines Mädchen saust auf dem Bobbycar um den Sandkasten, in dem ein paar Kinder mit bunten Schaufeln und Förmchen spielen. Ein ganz normaler Vormittag im AWO-Kinderhaus in Donauwörth. Es ist eine der Einrichtungen, in der die Erzieherinnen nicht streiken.

Dass die Mitarbeiterinnen mehr Lohn und Anerkennung in der Gesellschaft fordern, kann die Leiterin des AWO-Kinderhauses, Karin Lechner, gut verstehen. „Man meint immer, die spielen nur mit den Kindern. Die vielen anderen Aufgaben, die Erzieherinnen haben, sieht die Gesellschaft nicht“, sagt sie. Bruno Schönherr, der Kreisvorsitzende von Verdi im Landkreis Donau-Ries, glaubt, dass bereits in Kindertagesstätten die Weichen für die Zukunft gelegt werden und dadurch die Anforderungen an die Erzieherinnen gestiegen sind.

Neue Vorschulprogramme durchführen, Beobachtungsbögen ausfüllen, alle Vorkommnisse dokumentieren: „Das wird noch zusätzlich von den Erzieherinnen erwartet“, sagt Lechner, die seit zwölf Jahren das AWO-Kinderhaus in Donauwörth leitet. „Es belastet den Alltag und ist sehr zeitaufwendig“, ergänzt sie. Bei den vielen Anforderungen bleibt eins auf der Strecke sagt Lechner: „Sich mit dem Kind intensiv zu beschäftigen und gemeinsam zu spielen.“

Die Aufgaben von Erzieherinnen sind so vielfältig und individuell wie die Kinder selbst Sie reichen vom Wickeln über einen abwechslungsreichen Tag planen bis hin zur Hausaufgabenbetreuung. Lechner ist der Meinung, dass sich der Beruf im Laufe der Jahre sehr verändert habe. Früher habe man einem Kind ein Pflaster auf die Wunde geklebt. Heute brauchen die Erzieherinnen zuerst eine Einverständniserklärung der Eltern, dass sie kleinere Wunden versorgen dürfen.

Auch Helmut Jung vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in Augsburg glaubt, dass sich das Berufsbild gewandelt hat. „Die Erzieherinnen leisten nicht nur Kinderbetreuung, sondern auch Erziehungsarbeit“, sagt er. Früher sei man die „nette Tante“ oder „Kindergarten-Oma“ gewesen. Doch die Verantwortung sei heute eine ganz andere.

Und die sei sehr hoch, meint Lechner. Man habe nicht nur die Verantwortung für die ganze Gruppe, sondern müsse auch den Wünschen der Eltern gerecht werden. Das sei gar nicht so einfach, da ihre Ansprüche gestiegen seien. Lechner sagt: „Viele sind sich ihrer Verantwortung als Eltern nicht mehr bewusst. Sie wälzen die Verantwortung auf die Einrichtung ab. Das macht den Beruf schwierig.“ Daher fordert Schönherr, soziale Berufe besser zu bezahlen.

Laut Claudia Wernhard von der Fachberatung für Kinderbetreuung im Landratsamt Donau-Ries hat sich keine Kita zum Streik gemeldet. Sollte es dazu kommen, kann der Landkreis verschiedene Betreuungsmöglichkeiten anbieten. „Es werden Kooperationen mit anderen Einrichtungen geschlossen“, sagt Wernhard. Kurzfristig könnten Kinder auf andere Tagesstätten verteilt werden. Für die Kinder sei es aber nicht ganz einfach, plötzlich eine neue Bezugsperson zu haben. Wernhard sieht gerade bei Krippen-Kindern ein großes Problem, da diese noch stärker auf eine Erzieherin fixiert seien. Eine weitere Möglichkeit sind Tagesmütter. Aber dies sei nicht ganz leicht, „da sie ortgebunden sind“, sagt Wernhard. Dauere der Streik nur ein bis zwei Tage, könnten die Eltern die Zeit überbrücken, glaubt sie.

Schönherr kann sich im Moment nicht vorstellen, dass auch die Erzieherinnen im Landkreis Donau-Ries streiken, doch mit Sicherheit könne er dies nicht sagen. Auch wenn in der Nördlinger Kita „An der Deininger Mauer“ nicht gestreikt wird, die Leiterin Claudia Angel findet es wichtig, dass sich was ändert. „Sonst werden in Zukunft nicht mehr viele den Erzieher-Beruf ergreifen“, sagt sie.

Elke Fischer, die Leiterin der Kita Grosselfingen, würde gerne streiken, da sie persönlich Streiks gut findet. Allerdings fehlt es ihr an Zeit und auch ein Stück weit an Mut dafür: „Erst wenn die Situation wirklich nicht mehr für uns tragbar ist, streiken wir. Im Moment geht es aber noch. Aber wir sind am Limit.“

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