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Rosetti-Festtage

02.06.2017

Virtuose an sperrigem Instrument

Rosetti spielte zunächst Kontrabass. Deshalb gab es in Reimlingen ein Konzert mit Philipp Stubenrauch (links) und Vadim Chaimovich.
Bild: Mayer

Kontrabass-Solist und Pianist geben Konzert in Reimlingen

„Der Kontrabass spielt ein Solo.“ Da denkt jedes Kind an den Elefanten im „Karneval der Tiere“ von Camille Saint Saëns, den der Kontrabass imitiert. Den hat Antonio Rosetti nicht gespielt, nur deshalb, weil es dieses Stück noch gar nicht gab. Er hätte das problemlos gekonnt. Zu Beginn seines Wallerstein-Engagements war er nämlich tatsächlich als Kontrabassist in die Hofkapelle des Fürsten Kraft Ernst eingestellt worden, ehe er die Kapellmeister-Stelle angeboten bekam.

Trotz dieser Befähigung war von Rosetti keine einzige Komposition für dieses Instrument in Form eines Solokonzerts in der Notensammlung des Fürsten zu finden. Weil Schloss Reimlingen bei den Rosetti-Festspielen zu den kleineren Spielorten gehört, ist es für Kammermusik in geringer Besetzung geeignet. Im Gedenken an Rosettis Bass-Karriere engagierte man für das Reimlinger Schlosskonzert den Kontrabass-Solisten Philipp Stubenrauch mit dem litauischen Pianisten Vadim Chaimovich.

Johann Sebastian Bach „Sonate für Viola da Gamba und Klavier Nr.1 G-dur, BWV 1027“ stand auf ihrem Programm. So etwas kann man also auch mit dem Kontrabass spielen, und damit ein Publikum faszinieren, wie Philipp Stubenrauch mit seinem Spiel auf dem ziemlich sperrig erscheinenden Instrument bewies, natürlich auch mit einer exzellenten Begleitung durch das Klavier.

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Rosetti, gelernter Kontrabassist, ließ sich, mangels Solostück, von Vadim Chaimovich mit der „Klaviersonate B-Dur“ an dem Konzert vertreten. Mit solchen Klavierstücken war für Rosetti nicht nur für den Broterwerb wesentlich mehr verdient als mit Kontrabassstücken, sondern sie verschafften ihm auch hohes Ansehen und guten Absatz bei seinen meist adeligen Noten-Kunden. Den Grund dafür lieferte Pianist Chaimovich mit seinem heiter-unbeschwerten Vortrag dieser B-Dur-Klaviersonate.

Eine weitere Anleihe für ein Bass-Solo nahm Stubenrauch nun bei Henry Eccles mit dessen „Sonate für Violine und Continuo“, gesetzt in A-Dur. Die feine Melodik vermochte Stubenrauch mit weicher Tongebung zu gestalten, die schnellen Passagen mit bewundernswertem Lagenspiel und sicherer Grifftechnik mühelos zu meistern.

Nach einem meditativen Klavierstück von Petr Caikowskij konnte der Bassist zeigen, was mit seinem Instrument noch alles möglich ist, in einem expressiven Stück des finnischen Jazzbassisten Teppo Hauta-aho mit der Bezeichnung „Kadenza“, das den Bass an die Grenzen der tonalen und technischen Möglichkeiten führte. Die „Sonate A-Dur für Kontrabass und Klavier“ von Adolf Misek versetzte das Publikum wieder in die Tonalität der Spätromantik, ob in andächtigen oder spielerischen Teilen, die virtuosen Musiker waren bestens aufeinander abgestimmt; die Zuhörer spendeten den beiden dafür reichlichen Applaus.

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