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Musik-Kabarett

27.01.2013

Von Kate Moss zu Dolly Buster

In der mit 1400 Besuchern vollbesetzten Hermann-Keßler-Halle war wohl kaum jemanden, der nicht seinen Spaß hatte mit der oberbayerischen Kleinkünstlerin Martina Schwarzmann und ihrem Kabarett „Wer Glück hat kommt!“
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In der mit 1400 Besuchern vollbesetzten Hermann-Keßler-Halle war wohl kaum jemanden, der nicht seinen Spaß hatte mit der oberbayerischen Kleinkünstlerin Martina Schwarzmann und ihrem Kabarett „Wer Glück hat kommt!“
Bild: Dieter Mack

Martina Schwarzmann begeistert mit bayerisch-deftigem Auftritt

Nördlingen Zugegeben, für Nordlichter war’s sicher kein leichter Abend: Wer außerhalb Altbayerns kennt schon einen „g’scheckerten Schippe“ (gefärbte Haarsträhne) oder den vom Gartenbesitzer gefürchteten „Scheer“ (Maulwurf)? Doch gab es in der mit 1400 Besuchern vollbesetzten Hermann-Keßler-Halle wohl kaum jemanden, der – auch wenn er nicht alles verstanden hat – nicht seinen Spaß hatte mit der oberbayerischen Kleinkünstlerin Martina Schwarzmann und ihrem aktuellen Kabarett-Programm „Wer Glück hat kommt!“.

Einmal mehr geht es in Martina Schwarzmanns Liedern, Gedichten und Texten – natürlich durchgängig in bayerischer Mundart – um die lustigen und tragischen Dinge des Alltags. Da wird in „Greislig, aber voller Hoffnung“ anhand von Jugendfotos die eigene Pubertät zwischen unmodernen Jeans und unsäglichen Papilloten aufgearbeitet, was schließlich in der fatalistischen Erkenntnis mündet: „Es muaß oam a amoi wos wurscht sei kenna.“

Es wirkt so unschuldig

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Es wirkt so unschuldig, wie Martina Schwarzmann auf ihrem Stühlchen auf der Bühne sitzt und im unbefangenen, natürlichen Plauderton zum Publikum spricht. Doch die scheinbar harmlosen Texte haben es in sich: satirisch, kritisch, wortgewandt und teils messerscharf seziert die Kabarettistin ihre persönliche Erlebenswelt. Und führt sie uns vor, die nervtötenden Laubbläserbesitzer („für an Recha z’ ung’schickt und für a Motorsäg’ z’ schwach“) und die aufdringlichen Baby-Bewunderer („Kinderwagengrapscher“) – mitsamt allen dunklen Gedanken der Abhilfe.

Natürlich spart die Kleinkünstlerin sich selbst nicht aus. So finden ihre schrägen Gedanken hauptsächlich in den zwei „noch frischen“ Schwangerschaften reichlich Nahrung. Dabei wird der „Nackenschiss“ des Babys ausführlich erklärt, bevor die junge Mutter bei sich eine akute „Stilldemenz“ diagnostiziert. Vor allem der erste nächtliche Milcheinschuss war offenbar prägend: „Du gehst als Kate Moss ins Bett und wachst als Dolly Buster auf!“

Viel bayerische Wesensart steckt in den scharfzüngigen Texten der Martina Schwarzmann: Reichlich schwarzer Humor – wie beim „gewaltverherrlichenden“ Lied „Nua a bisserl ins Knia“ – und eine saubere Portion Anarchie. So landet man in „Des dad mi amoi jucka“ zumindest gedanklich mit dem Mofa auf dem Hells-Angels-Treffen, zahlt den Tauben ihre penetrante Inkontinenz heim oder schockiert die Badenden mit einem Extrem-Intim-Piercing am Baggersee. Und auf die hinterfotzige Idee, mit Hilfe einer Kastanien-Schießmaschine eine Wildsau einen Schriftzug in den Golfplatz fressen zu lassen, muss man erst einmal kommen.

Der Stoff scheint Martina Schwarzmann in ihrem bayerischen Mikrokosmos nie auszugehen. Irgendwas findet sich immer, ob es um die sich epidemieartig vermehrenden Nagelstudios geht, um die aufgrund von Unvermittelbarkeit drohende Inzucht bei Landwirten, Lehrern und Sparkasslern oder um Faschingskostüme, bei denen man garantiert wieder alleine heimkommt. Und wenn es mal zu ernst wird, dann wird eben – wie bei „Jeder wart’ auf irgendwas“ – flugs ein Happy-End dazu gedichtet.

Wer Glück hat kommt und war dabei

Fast drei Stunden herrlich-erfrischendes Musik-Kabarett präsentiert Martina Schwarzmann den begeisterten Besuchern in Nördlingen und offenbart auch in „Wer Glück hat kommt!“ ihre bekannten Qualitäten: Mal kraftvoll und respektlos wie beim Maulwurfs-Exorzismus mit Hansi Hinterseer, mal hintersinnig und subtil wie beim gespiegelten Blick aus der Wasserlache – aber stets witzig, pfiffig und frech. So muss man in der Schlussbewertung angesichts des ausverkauften Hauses den Programmtitel nur ein wenig verändern: „Wer Glück hatte, war dabei!“

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