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RN-Serie

28.05.2015

Von Schollaklopfer und Gipfelgießer

Rieser Bauern waren schon immer für Fleiß und Einfallsreichtum bekannt. Necknamen erzählen allerdings auch davon, dass nicht immer alles geklappt hat

Unser Ries, sagt man, war einmal die Kornkammer Bayerns. Das hängt zusammen mit den zum Teil guten Böden im Mittelries, auf denen die Ernten meistens sehr gut ausfallen. Doch auch Bauernfleiß, Können und Einfallsreichtum sind seit jeher vonnöten.

In Alerheim beispielsweise war es üblich, im Frühjahr die restlichen, nicht sowieso schon aufgefrorenen Schollen zu zerklopfen, ehe man die Saat in die Erde brachte. Auf dem Markttag in Nördlingen wurden sie deshalb gern als die „Schollaklopfer“ geneckt. Aber es galt: Ohne Fleiß kein Preis.

Wenn das Wetter überhaupt nicht mitspielen wollte, musste man sich was einfallen lassen. Und dafür sind die Appetshöfer bekannt geworden. Zum Beweise sei das Gedicht unseres Heimatdichters Gottfried Jakob (1839–1905) aus seinem Buch „Allerloi aus’m Rias“ abgedruckt (siehe Infokasten).

Einfallsreichtum bewiesen vor Zeiten auch die Einwohner von Bollstadt. Ihre große, hohe Dorflinde war im oberen Drittel welk und dürr geworden – und dem sollte abgeholfen werden, denn Lindenblütentee war begehrt. Der Bürgermeister befahl, den Baum von oben zu gießen, doch das war sehr mühsam, immer mit einer Kanne voll Wasser Ast für Ast hinauf zu klettern. Da hatte einer die Idee, eine Menschenkette zu bilden, um das Wasser nur hinauf reichen zu müssen. Vorsichtshalber breitete man unter der Linde eine Fuhre Erbsenstroh aus, um eventuell weich zu fallen. Der Bürgermeister erbot sich, an der Spitze Platz zu nehmen. An seine Füße hängte sich der nächste und so weiter. Es wäre auch alles ganz gut gegangen, wenn nicht auf einmal dem Bürgermeister das Festhalten zu schwer geworden wäre. Er rief: „Mannd, haltet se fescht, i muaß in d’Händ schpeiba!“ Krampfhaft hielten sich die Männer am Vordermann fest, aber kaum hatte das Gemeindeoberhaupt oben losgelassen, lag auch schon die ganze Mannschaft unten im Erbsenstroh. Dieses Stücklein sprach sich herum und das halbe Südries lachte bald über die „Erbsenbüschel“ und „Gipfelgießer“, denn diese Idee war doch mehr als nur zum Schmunzeln.

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