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Oettingen

16.07.2020

Vortrag: Verschwörungstheorien erkennen und mit Argumenten arbeiten

Kirchenrat und Experte im Bereich von Verschwörungsglaube: Dr. Matthias Pöhlmann in der Oettinger Sankt-Jakobskirche.
Bild: Verena Mörzl

Plus Mit seinem Vortrag „Im Nebel der Pandemie“ trifft Kirchenrat Dr. Matthias Pöhlmann in Oettingen auf offene Ohren. Was tun, wenn Verschwörungsmythen um sich greifen?

Der Vortrag „Im Nebel der Pandemie“ über Falschinformationen und Verschwörungsglaube in der Corona-Krise hat knapp 100 Interessierte in die Oettinger Sankt-Jakobskirche gelockt. Es war am Dienstagabend die erste Präsenzveranstaltung des Evangelischen Bildungswerks in der Corona-Krise. Leiterin Christa Müller muss es in den zurückliegenden Wochen ähnlich gegangen sein wie einigen Zuhörern, die in die Kirche gekommen sind: „Es waren seltsame Vorstellungen, die einem auch im Familienbereich begegnet sind“, sagte Müller in ihrer Begrüßung. Gemeint war die Verbreitung von Falschinformationen über das Coronavirus, Pandemie-Leugner und demokratiefeindliche Haltungen. Doch wie kommt es überhaupt dazu?

Referent des Abends war Dr. Matthias Pöhlmann, Kirchenrat und Beauftragter für Weltanschauungsfragen der evangelisch-lutherischen Kirche in Bayern. Er erklärte den Anwesenden unter anderem, welche Arten von Verschwörungsmythen gerade in der Corona-Krise verbreitet werden, warum Menschen sich in ihnen verlieren können und wie man Familienmitgliedern oder Freunden begegnen sollte, die Falschinformationen verbreiten.

Vortrag über Verschwörungstheorien in Oettingen

Zunächst ging Pöhlmann auf Wesensmerkmale von Verschwörungstheorien ein. Sie sind aus seiner Sicht hyperrational, also nichts geschehe aus Zufall, alles verfolge einen Plan. Zudem würden Verschwörungen manchen Personen attraktiver als die Realität erscheinen, weil sie eine „unverständliche Welt erklärbar machen“. Pöhlmann will außerdem ein publizistisches Klima und einen missionarischen Charakter erkennen. Die Corona-Mythen (dazu zählt die Behauptung, Regierungen fördern die Panik um das Virus, um Freiheitsrechte zu beschneiden) werden gerade heute schnell online verbreitet, dazu zählten die Plattformen Facebook, Whatsapp und Videokanäle im Internet. Mancher Verschwörungsglaube konstruiere außerdem einen Sündenbock, was durchaus gefährlich werden könne. So erinnert sich Kirchenrat Matthias Pöhlmann an eine Demo von Corona-Leugnern in München, die Judensterne trugen, auf denen „ungeimpft“ stand.

Pöhlmann präsentiert nach einem Film des NDR, in dem „alternative Medien“ und die leugnende Haltung deren Verbreiter gezeigt wurden, Zahlen. Zahlen, die belegen, wie weit verbreitet so mancher Irrglaube bereits ist. Pöhlmann zitiert die Leipziger-Mitte-Studie aus dem Jahr 2019. Demnach glaubten 45,7 Prozent der Befragten, dass eine Geheimorganisation hinter dem Virus stecken würde. Sogar 50,4 Prozent hatten gar eine wissenschaftsfeindliche Meinung.

Schließlich zeigte der Vortrag auf, warum Menschen sich teilweise sehr schnell von Verschwörungsmythen und Falschinformationen einnehmen lassen. Viele Menschen erfahren durch die Corona-Krise einen Kontrollverlust und eine Machtlosigkeit. Sie sind auf der Suche nach einfachen Antworten in einer komplexen Welt. Und diese Antworten wiederum werden von alternativen und unseriösen Medien präsentiert, es werde Sicherheit versprochen. Außerdem seien Personen leicht zu beeinflussen, die die „Mainstream-Politik ablehnen“, sagte Pöhlmann weiter und differenzierte, dass das nicht gleichzusetzen sei mit einer kritischen Haltung gegenüber der Politik.

Im Umgang mit Familien und Freunden, die verschwörerische Inhalte weiterverbreiten, hatte der Kirchenrat in seinem Vortrag noch Empfehlungen. Gespräche sollen freundlich und sachlich sein, mit einer klaren Botschaft. Wichtig sei es zudem, Falschaussagen mit Argumenten zu widerlegen, seriöse Quellen zu verwenden und vor allem dann Grenzen zu setzen, wenn ein demokratischer Konsens nicht mehr erreicht werden könne.

In einer anschließenden Diskussion ging es auch über fundamentale Szenen im Christentum und vermeintliche Corona-Experten. Auch die Forderung nach einer Perspektive in der Corona-Krise von der Kirche kam auf. Letztlich wurde klar, dass Aufklärung gegen Falschinformationen hilft. Pöhlmann verwies dahingehend auch auf die Beiträge von öffentlich-rechtlichen Medien und der „Qualitätspresse“.

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