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Orkan

13.04.2015

Wald leidet immer noch unter Niklas

„Im Schadholz können sich die Borkenkäfer ideal verbreiten. Umgefallene Bäume müssen daher schnellstmöglich beseitigt werden“Peter Laube, AELF Nördlingen

Folgeschäden liegen bei rund einer Million Euro. Borkenkäfer-Epidemie droht

von William Harrison-Zehelein

Nördlingen Mit kräftigen Windböen fegte Orkan Niklas Ende März über das Ries hinweg. Während die Schäden in den Dörfern und Städten weitestgehend beseitigt sind, kann man die Verwüstungen in den Wäldern hingegen erst jetzt konkret abschätzen. „Rund 27000 Festmeter an Waldfläche sind im Landkreis durch den Sturm in Mitleidenschaft gezogen worden“, sagt Peter Laube vom Nördlinger Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Dabei sei der Landkreis Donau-Ries im Vergleich zu anderen Teilen Schwabens und Oberbayerns noch glimpflich davon gekommen. Die Wälder um Monheim seien besonders von Sturmschäden betroffen, so Laube. Der Bereichsleiter Forst beziffert den finanziellen Schaden der Sturmschäden im Wald auf rund eine Million Euro. „Und da sind die langfristigen Folgeschäden noch nicht mit einberechnet.“

Überwiegend betroffen seien laut Laube Fichten. Knapp 90 Prozent der umgestürzten Bäume waren Fichten. „Da sie nicht so stabil sind, wurden viele vom Sturm samt der Wurzel aus dem Boden gehebelt und entwurzelt.“ Hinzu kam, dass der Boden an den betreffenden Tagen besonders aufgeweicht war. Teilweise abgebrochen sind hingegen nur rund zehn Prozent.

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Das spezielle Problem am Sturm sei gewesen, dass die Schäden nicht großflächig, sondern einzeln und verstreut auftauchten, was die Aufräum- und Aufbereitungsarbeiten im Wald erheblich erschwere. Betriebsleiter Elmar Bernauer von den bayerischen Staatsforsten in Kaisheim sagt, dass mittlerweile alle Wege im zuständigen Bereich freigeschnitten wurden. Er geht aber davon aus, dass die Aufräumarbeiten noch bis zum 31. Juni dauern werden. Mit dem Einsatz von Harvester-Maschinen und Waldarbeitern wolle man diese Frist einhalten. „Erst dann kann wieder ans Aufforsten gedacht werden.“

Derweil tut sich für die Förster und Waldbesitzer ein anderes Problem auf: Die Borkenkäfer-Zeit beginnt. „Ausgerechnet jetzt geht die erste Ausflugswelle der Borkenkäfer los. Im herumliegenden Schadholz können sich diese ideal verbreiten, was folglich zu einer Borkenkäfer-Epidemie führen könnte“, befürchtet Laube. Deshalb sei es wichtig, umgefallene Bäume schnellstmöglich aus dem Wald zu beseitigen. Wer als Waldbesitzer Rat oder Hilfe braucht, könne sich auch an die Waldbesitzervereinigung Nordschwaben in Kaisheim wenden, die als Selbsthilfeorganisation fungiere und bei der Beseitigung und Vermarktung des Holzes weiterhelfe. Wie lassen sich in Zukunft solche Schäden im Wald vermeiden? „Sie sind im Grunde unvermeidbar. Man kann höchstens langfristig daran arbeiten und in Zukunft weniger auf Monokulturen und mehr auf Mischbestände setzen“, schlägt Laube vor. Laubhölzer seien schließlich stabiler als reine Fichtenwälder und hätten beispielsweise den Sturm Niklas nahezu unbeschadet überstanden. „Stabilere Baumarten und gemischte Baumbestände sind die langfristige Lösung. Ziel der bayerischen Staatsforsten ist es, zukünftig in jedem Bestand fünf bis sechs Baumarten zu haben. So wird ein Wald fitter und widerstandsfähiger“, weiß Elmar Bernauer. Eine gute und wesentlich solidere Alternative zur Fichte sei die aus Amerika stammende Douglasie, welche eine ähnlich gute Holzqualität besitze und schnell wachse – so der Tipp von Peter Laube. Für den größten Privatwaldbesitzer der Region, Fürst Moritz zu Oettingen-Wallerstein, verlief der Sturm glimpflich. „Die Schäden halten sich in Grenzen. Probleme bereitet uns nun aber die Suche nach den umgestürzten Bäumen“, schildert sein Mitarbeiter Josef Grau. Jeder Meter werde nun abgegrast. Es ist ein Wettlauf gegen die Zeit, ein Wettlauf gegen den Borkenkäfer.

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