Ortsnamen

06.11.2017

Waren es die Franken?

Unser nördlichstes Dorf in Schwaben, Auhausen an der Wörnitz, hat mit Sicherheit fränkische Wurzeln, was sowohl der Ortsname auf -hausen bezeugt, als auch die dort gesprochene mittelfränkische Mundart. Jahrhundertelang gehörte dieses Dorf auch zur Markgrafschaft Ansbach.
Bild: Dettweiler

Was auf -heim endet, galt lange als ursprünglich fränkisch. Doch nun gibt es Zweifel

In der Schule lernten wir, -ingen-Orte sind alemannische Gründungen, -heim- und -hausen-Orte sind fränkischen Ursprungs, bei uns also nach dem Jahr 496 entstanden, als die Franken die Alemannen unterworfen hatten und selbst neue Siedlungen gründeten. Und das habe ich bis vor ein paar Jahren auch so bestätigt gefunden und in vielen Vorträgen unreflektiert weitergegeben. Im Jahr 2007 aber beschäftigte ich mich wegen einer Festrede zum 750. Dorfjubiläum im nahen Fürnheim mit diesem Ortsnamen, dessen erste urkundliche Erwähnung von 1257 „Vuehrenawe“ (gesprochen: Führenaue) lautete.

-heim-Orte sind also fränkische Gründungen, was auch für „Fürnheim“ offensichtlich zutrifft, da dieses Dorf ja in Mittelfranken liegt. „Vuehrenawe“ wurde erklärt als „Aue, auf der Föhren gewachsen sind“. Au von lateinisch aqua abzuleiten, leuchtet ein (zum Beispiel Auhausen, Aumühle, Aha); aber Vuehren auf Föhren zu beziehen, ist da schon gewagter, sicher aber zulässig. Trotzdem sollte hier bedacht werden, dass andere Forscher (zum Beispiel die Gebrüder Grimm) dieses „Vuehren“ bzw. „Fohren“ – wie Fürnheim 1516 etwa hieß – als „Fohre/ Forche“ also Forelle deuten. Man denke gerne an Forchheim, ein ehemaliges Fischerdorf. Doch dann hätte Fürnheim die Bedeutung „Forellenwasser“. Tatsächlich wurden hier auch bis zur Reformation intensive Fischzucht und Teichwirtschaft betrieben.

Die lückenlos bekannte und vielfach belegte Namensreihe für Fürnheim durch sieben Jahrhunderte zeigt jedoch Ungereimtheiten. Noch im Jahr 1571 heißt das Dorf in einem Schreiben aus Onolzbach (Ansbach) an den damaligen Pfarrer Neß „Firnau“; es kommt im Namen also immer noch kein Wortstamm von -hain, -heim, -haim vor, was auf Behausung, ein Heim oder ein Haus hinweisen würde. Erst 1579 erscheint als Ortsname erstmals und in der Folgezeit bis auf den heutigen Tag die Bezeichnung „Firnhaim“, wenn sich auch die Schreibweise laufend änderte: Firnhaim (1579), Virnheim (1709), Fürnheim (1817).

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Die erste Nennung des Ortes mit der Endung -heim könnte also sehr gut auf einen Hörfehler des Aktenschreibers in Ansbach von 1579 zurückzuführen sein. In Mundart, die sicherlich seit Jahrhunderten gleich geblieben ist, heißt Westheim aber Weschda, Ostheim Oschda, Gnotzheim Gnotza. Was liegt näher, als Firnau, das mundartlich wohl immer schon „Fürna“ hieß, in Unwissenheit und weit abseits der Region analog zu einem aktenkundlichen Firnhaim zu machen? Ein ähnliches Beispiel kennen wir in Oettingen: Ein Bäuerlein hatte auf dem Oettinger Rossfeld einen Acker, den es beim Stadtschreiber angeben musste. Als fränkischer, frisch herein geheirateter und noch nicht ganz ortskundiger Grundbesitzer benannte er seinen Acker als den „halt aff’n Berg“, woraus der schwäbische Stadtschreiber einen „Affenberg“ machte, den es in Oettingen seither bis zum heutigen Tag gibt.

Doch zurück ins Ries: Etwa ein Drittel der hiesigen Ortsnamen sind -heim und -hausen-Orte, von Alerheim bis Wörnitzostheim, von Auhausen bis Wengenhausen. Unser Nordrieser Dorf Hausen hat sich kein weiteres Bestimmungswort zugelegt und bedeutet einfach, dass hier aus einem Haus (Gehöft) im Laufe der Jahrhunderte viele Häuser geworden sind.

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