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Megesheim

10.05.2020

Warum eine Megesheimerin seit 22 Jahren die Osterkerze stiftet

Helga Wöhr mit ihrer neuesten Kerze in der Megesheimer Kirche St. Lucia und Ottilia.
Bild: Josef Heckel

Plus Ein Ereignis in der Vergangenheit bewegt Helga Wöhr jedes Jahr dazu, eine Osterkerze für die Megesheimer Kirche zu spenden.

Alle Mütter dieser Welt verbinden grundlegende Gefühle: Während sie ihr Kind unter dem Herzen tragen, schwingt bei aller Vorfreude auch Sorge mit, dass alles gut geht; danach sind sie von Dankbarkeit erfüllt, wenn ein gesundes Baby zur Welt kommt.

Bei Helga Wöhr aus Megesheim verband sich diese Gefühlslage mit ihrem tief verwurzelten christlichen Glauben und sie versprach, bei der Geburt eines gesunden Kindes die Osterkerze für die Kirche in ihrer Heimatgemeinde Megesheim zu stiften. Der aktiv gelebte Glaube entstammt einer sehr christlichen Familie – so lehrte ihr Großonkel Prof. Dr. Joseph Lechner in Eichstätt Theologie und verfasste im Dritten Reich mutige Schriften gegen die Nazis. Ein Pseudonym bewahrte ihn vor der Verhaftung. Die Stiftung einer Kerze wiederum beruht auf ihrer Kreativität, die sich schrittweise entfaltete: Als vor 29 Jahren eine Freundin heiratete und nirgends eine Hochzeitskerze finden konnte, stellte sie eine für sie her. Das kam gut an und so wurde es zur Gewohnheit, Freunden und Verwandten zu entsprechenden Anlässen Kerzen zu schenken.

Aus dem Hobby wurde ein Gewerbe

Aus dem Hobby wurde 1998 ein Gewerbe mit dem Namen Deco-Creativ Megesheim; zu Kerzen kam auch noch Floristik-Gestaltung dazu. Ein Jahr später erfüllte Helga Wöhr ihr Versprechen mit der Osterkerzen-Stiftung und heute sagt sie: „Zwischen der ersten Kerze damals und der 22. Kerze in diesem Jahr ist ein großer, ein sehr großer Unterschied.“ Soll heißen, sie hat ihre Kerzengestaltung bis zur Kunst perfektioniert. Anfangs ging sie noch den üblichen Weg, verarbeitete Wachsplatten zu Motiven – die erste Kerze zeigte ein Kreuz mit Osterlamm. Dann kam ihr der Gedanke, dass ihr durch Bemalen noch viel differenziertere und größere Möglichkeiten offenstünden. Also entwickelte sie selbst Kerzenfarben nach einem Geheimrezept aus verschiedenen Wachssorten und schuf damit ihren ganz eigenen Stil. Schließlich kamen noch, beeinflusst durch die Floristik, Naturmaterialien hinzu und so entstanden Motive wie beispielsweise der Auszug aus Ägypten: Die Nägel sind ohnehin echt, etwa Zimmermannsnägel aus abgerissenen alten Gebäuden oder Nägel, die Sattler für Sofabezüge benutzen . Das Meer, das die Israeliten durchqueren, wirkt dreidimensional, in solch dicken, plastischen Farbschichten sind die Wogen geschaffen. Der Berg, auf dem Moses steht, besteht aus Steinen, die ganz authentisch aus dem Ägypten-Urlaub stammen; der Stab, den er hebt, ist ein echter Birkenzweig, sein Gewand ist aus Stoff wie bei vielen Figuren auf ihren Kerzen. Und auch das Motto ist typisch, passt es doch zur jeweiligen Zeit, so wie Helga Wöhr sie empfindet – der Auszug aus Ägypten entsprach einem der großen Flüchtlingsströme der vergangenen Jahre.

Als die Künstlerin das Gefühl hatte, die ewig unzufriedenen Menschen laufen immer größeren Anschaffungen hinterher und verlieren dabei das Gefühl der Dankbarkeit, schuf sie ein Bild vom Paradies als Motiv. Heuer gab es kaum eine andere Möglichkeit, als Corona zu thematisieren – nach dem Altarbild der „Licht-der-Völker-Kapelle“ in Wien bildete sie Josef ab, der am Fuß des Kreuzes nach oben blickt, wo sich Sonne und Mond vereinen; zu beiden Seiten flehen die Menschen um Hilfe. Helga Wöhr selbst erlebt es nie selbst mit, wenn ihre Kerze in der Ostermesse entzündet wird – da spielt sie als Organistin in der Schlosskapelle Dornstadt. Heuer gab es keine Messe, aber die Kerze kommt unverändert prächtig zur Geltung.

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