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Covid-19

03.04.2020

Was bedeutet das Coronavirus für eine Patientenverfügung?

Jeder sollte Vorsorge treffen für den Ernstfall, sagt Notar Robert Lotter. (Symbolbild)
Bild: Patrick Pleul/dpa

Plus Das neuartige Virus lässt so manchen über den Ernstfall nachdenken. Der Nördlinger Notar Robert Lotter darüber, was man bei einer Verfügung jetzt beachten sollte.

Patientenverfügungen sind ein unangenehmes Thema. Kaum jemand beschäftigt sich gerne mit dem Tod. Das neuartige Coronavirus lässt manchen jedoch über den Ernstfall nachdenken. Viele sind verunsichert, was Covid-19 für die eigene Patientenverfügung bedeutet. Sollte ich eine Corona-Zusatzklausel einarbeiten? Oder kann sich eine Patientenverfügung im Falle einer Infizierung sogar negativ auf die Behandlung auswirken?

Nein, betont der Nördlinger Notar Doktor Robert Lotter. Eine ordentlich formulierte Patientenverfügung gewährleiste, dass diese immer erst dann eingreife, wenn der behandelnde Arzt schon festgestellt hat, dass die Lage nicht mehr zu retten ist. Dass also der Verlauf unweigerlich zum Tod führt. Lotter sagt: „Ich vergleiche das immer mit einer normalen Lungenentzündung. Wenn man ins Krankenhaus kommt, will man in diesem Fall ja selbstverständlich auch jede Hilfe, die einem geboten werden kann.“ Das sei beim Coronavirus nicht anders. „Das muss nicht zusätzlich erklärt werden.“ Davon, eine solche Verlautbarung in seine Patientenverfügung zu schreiben, rät der Notar sogar eher ab. Er sagt: „Ich würde es nicht tun, es verwirrt eher.“

Kaum jemand möchte sich mit dem Ernstfall auseinandersetzen

Schon lange werden die Deutschen immer wieder dazu angehalten, für den Ernstfall eine Patientenverfügung oder eine Vorsorgevollmacht bereitliegen zu haben. Erhebungen zeigen aber, dass kaum jemand sich mit dem Thema auseinandersetzen will. Wie wichtig es ist, sich einmal mit dem eigenen Ableben zu beschäftigen, haben jüngst auch Fälle aus dem Landkreis Donau-Ries vor Augen geführt. In den Kliniken in Donauwörth und Nördlingen starben in den vergangenen Wochen drei mit Covid-19 infizierte Personen. Sie alle hatten Vorerkrankungen – und sie alle verzichteten auf intensivmedizinische Maßnahmen.

Was man bei einer privaten Patientenverfügung beachten sollte

Was aber können Menschen tun, die aufgrund der Corona-Pandemie möglichst schnell eine Verfügung erstellen möchten? Wer auf der sicheren Seite sein möchte, sagt Lotter, solle sich an professionell erarbeitete Musterverfügungen halten. „Muster des bayerischen Justizministeriums gibt es in den lokalen Buchhandlungen, bei denen bestellt man zur Zeit aber wohl besser per Mail und Telefon.“ Auch Juristen würden solche Muster ausstellen. Außerdem, so Lotter, solle man sich ein bis zwei Vertrauenspersonen überlegen, die die Patientenverfügung im Ernstfall dann übermitteln könnten. Eine private Verfügung könne auch handschriftlich verfasst werden und wäre im Notfall ohne Beglaubigung oder Bestätigung eines Arztes oder Notars gültig. „Es genügt, wenn der Zettel eigenhändig unterschrieben ist“, sagt Lotter.

Mittlerweile meldet das Gesundheitsamt 173 Corona-Erkrankte im Landkreis Donau-Ries (Stand Freitag). Insgesamt zwölf Todesfälle werden mit einer Covid-19-Infizierung in Verbindung gebracht, davon neun in einem Seniorenheim in Harburg. Das Gesundheitsamt wurde aufgrund der gestiegenen Anforderungen mit weiterem Personal verstärkt, heißt es in der Mitteilung des Landrats.

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