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Nördlingen

14.11.2017

Was der „Riesimpakt“ vor 15 Millionen Jahren anrichtete

Dieses Bild zeigt, was die Stoßwelle des Ries-Impaktes angerichtet hat: Das Innenskelett des Belemiten ist zerbrochen. Gefunden wurde es im Steinbruch Aumühle bei Oettingen.
Bild: Sachs/Baier

Dr. Volker Sach referierte im Rieskratermuseum über sogenannte Strahlenkalke und wo sie überall gefunden worden sind.

Der Riesvulkan hat ausgedient. An ihn erinnern sich nur noch diejenigen, die ihre Schulzeit abgeschlossen hatten, bevor die in den 60er Jahren gewonnenen Erkenntnisse der Wissenschaft auch in die Schulbücher und Lehrpläne eingesickert waren. An seine Stelle ist der „Riesimpakt“ getreten. Er erfreut zusammen mit seinem kleinen Nachbarn, der das Steinheimer Becken geformt hat, die Fachwelt immer wieder mit interessanten Entdeckungen und Erkenntnissen, die dem interessierten Publikum im Rieskratermuseum präsentiert werden.

Fachwelt und interessiertes Publikum waren in erfreulich hoher Anzahl der Einladung des Vereins Freunde des Rieskratermuseums gefolgt und ließen sich von dem Diplom-Geologen und Paläontologen Dr. Volker J. Sach aus Sigmaringen über „Neue Untersuchungen an Strahlenkalken und Shatter-Cones in Sediment- und Kristallingesteinen“ informieren. Es ging um „Auswürflinge“, auch „Ejekta“ genannt – also um Steinbrocken in der Größe von 25 bis 35 Zentimeter –, die sowohl in unmittelbarer Nähe der beiden Impaktkrater (Wengenhausen, Oettingen, Steinheim, Sontheim) gefunden werden, als auch in Entfernungen von bis zu 180 Kilometern (bisher bei Ziemetshausen, Biberach/Riss, Ravensburg, Bernhardzell bei St. Gallen) in sogenannten Brockhorizonten im Sediment der Oberen Süßwassermolasse, das sich in den Jahrmillionen vor und nach dem Riesereignis im bayerisch-schwäbisch-schweizerischen Voralpenland bildete.

Das Kennzeichen der Strahlenkalke oder Shatter-Cones sind strahlen-, oder keilartige Strukturen an den Bruchflächen. Die Stoßenergie der aufprallenden Himmelskörper hatte im innersten Bereich der Impaktkrater zu Gesteinsumformungen geführt – von der Totalauflösung bis zur Feinzerstäubung. Mit zunehmender Entfernung vom Zentrum reichte die geringer werdende Stoßkraft noch zur sogenannten Stoßwellen-Metamorphose, die den strahlen- oder keilartig strukturierten Steinbrocken, die unmittelbar mit ihrem Herausbrechen ausgeworfen wurden, zu ihrem Namen verholfen hat.

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Steinheimer Becken durch gemeinsames Großereignis entstanden?

Die Forscher haben herausgefunden, dass das jeweilige Winkelmaß des Strahlenmusters mit der von den Auswürflingen in Sekundenbruchteilen zurückgelegten ballistischen Flugbahn korrespondiert, und dass die Materialzusammensetzung den jeweiligen Gesteinsformationen entspricht, die bei dem Impakt durchstoßen wurden. Wo die Stoßwellen an Störungen im Ursprungsmaterial stießen, zeichnet sich dies in dem Strahlenbild ab, zum Beispiel, wenn in den damals schon uralten Gesteinsschichten Versteinerungen enthalten waren. Diese sind in solchen Fällen mit den Shatter-Cones „verwachsen“. An den unterschiedlichen Eigenschaften der im Bereich des Steinheimer Beckens gefundenen und der dem Ries zugeordneten Auswürflinge lassen sich die Verschiedenheiten und Gemeinsamkeiten der beiden Impakte ablesen – unter anderem geht es ja auch um die Frage, ob beide Krater auf ein einzelnes Großereignis zurückgehen, oder ob es sich um zwei einzelne, unabhängige Ereignisse handelt, die sich aufgrund eines kosmischen Zufalls räumlich und zeitlich beieinander liegen. Dies war unter anderem auch Gegenstand der anschließenden Diskussion, die den hohen Informationsstand von Teilen des Publikums zeigte.

Sach veranschaulichte seine Ausführungen mit grafischen Darstellungen und Fotografien, die zum Teil auch in seiner zusammen mit Dr. Johannes Baier verfassten, soeben erschienenen Broschüre enthalten sind, sowie mit Hinweisen über die Lebensverhältnisse der Tierwelt vor circa 15 Millionen Jahren. Außerdem waren Originalfundstücke zu sehen, zum Beispiel das circa 25 Zentimeter lange Rostrum (Innenskelett) eines Belemniten, der zur Gruppe der fossilen Kopffüßer gehörte.

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