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Leiter des Gesundheitsamts

22.12.2019

Was man Dr. Rainer Mainka zum Abschied wünscht: Gesundheit!

Dr. Rainer Mainka (65) geht nach 34 Jahren im Landratsamt in den Ruhestand. Kurz vor den Weihnachtsfeiertagen hatte er seinen letzten Arbeitstag im Gesundheitsamt in Nördlingen.
Bild: Sophia Huber

Plus Nach 34 Jahren als Leiter des Gesundheitsamtes geht Dr. Rainer Mainka in den Ruhestand. Er lässt seine Arbeit noch einmal Revue passieren und blickt in die Zukunft.

Einmal im Leben einen Tiger sehen – diesen Wunsch will sich Dr. Rainer Mainka in seinem Ruhestand erfüllen. 34 Jahre lang war er Amtsarzt und Leiter des Fachbereiches für Humanmedizin am Landratsamt Donau-Ries. „Es ist ein guter und schöner Abschluss“, sagt Mainka. Dennoch habe er gemischte Gefühle bei seinem Abschied.

Er lässt seine Berufslaufbahn und die Erlebnisse noch einmal Revue passieren. In seiner Zeit als Amtsarzt sind ihm viele gute, aber auch einige negative Erfahrungen in Erinnerung geblieben. „Als positiv würde ich den doch glimpflich ausgegangenen Hepatitis-Skandal im Landkreis nennen, da haben wir Glück im Unglück gehabt.“ Aufgrund der mittlerweile effektiven Therapiemöglichkeiten könnten die 63 Betroffenen gut behandelt werden. Mainka erinnert sich an seine Zeit in Nürnberg, als er auf der Station der Inneren Medizin tätig war: „In den 80er Jahren konnten wir Hepatitis C noch gar nicht zuordnen, da hieß diese Erkrankung ,Non-A/Non-B-Hepatitis’, weil wir nicht wussten, was es war.“ Noch bis vor zehn Jahren seien Erkrankte teilweise an diesem Virus gestorben.

Auch bei der HIV-Behandlung habe er die Veränderungen während seiner Zeit als Arzt mitbekommen. „Als ich angefangen habe, war Aids noch ein Todesurteil“, sagt der 65-Jährige. Zwar könne die Krankheit immer noch nicht vollständig geheilt werden – wer aber jeden Tag seine Medikamente nehme, könne auch 80 oder 100 Jahre alt werden. Im Landkreis gebe es laut Mainka nur sehr wenige Aids-Fälle. Eine große Verantwortung sei für den Amtsarzt auch gewesen, Brunnen aufgrund von Nitrat- oder Keimproblemen schließen zu müssen. „Die Gemeinden sind mittlerweile froh, dass sie an die großen Versorger angeschlossen sind“, meint Mainka.

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Es gab auch Fälle in seiner Laufbahn, die dramatisch und vermeidbar gewesen wären. „Ende der 80er Jahre hat mich der Fall eines einjährigen Kindes geprägt, dass an einer Hib-Meningitis gestorben ist“, erinnert sich Mainka. Auch eine laut Mainka rüstige Dame, die sich bei der Gartenarbeit verletzte, erlag dem Wundstarrkrampf. Beide Fälle hätten durch eine vorausgegangene Impfung glimpflich ausgehen können.

Dr. Rainer Mainka hat Krankheiten miterlebt, die bis heute nicht geheilt werden können. Im Landkreis gebe es immer wieder Fälle des Borna-Virus, der von Tieren auf Menschen übertragen werden kann. „Bis heute gibt es keine effektive Therapiemöglichkeit“, sagt Mainka. Die Region sei zudem ein Risikogebiet für das Hanta-Virus, aufgrund der Nähe zur Schwäbischen Alb. Der Erreger wird von der Rötelmaus übertragen. Ein Tapfheimer habe sich beim Reinigen von Mäusefallen das Virus eingefangen und sei gestorben.

Natürlich hat auch das Thema Impfen Dr. Mainka in seiner Amtszeit begleitet. „Man bemerkt bei vielen Erwachsenen, dass die Auffrischungsimpfungen, die alle zehn Jahre anfallen, fehlen.“ Personen ab 60 Jahren ließen sich teilweise gar nicht mehr impfen. Der Arzt bemängelt, dass zudem das medizinische Personal und Pflegekräfte im Heim nicht immer geimpft seien: „Da ist auf jeden Fall Handlungsbedarf.“ Dass die Impfquoten im Landkreis rückläufig sind, liege zudem an vielen Kindern, die nicht geimpft werden. Oder auch an Asylbewerbern, denn da lasse sich nur schwer nachverfolgen, welche Impfungen vorhanden sind. „Wenn sich der Trend so fortsetzt, dann haben wir ein hohes Infektionsrisiko“, meint Mainka. Die Maßnahmen von Gesundheitsminister Jens Spahn, der eine Impfpflicht fordert, seien seiner Meinung nach durchaus angebracht. Diese Debatte, zumal in Zusammenhang mit Einschulungsuntersuchungen, werde auch seine Nachfolgerinnen beschäftigen.

Umwelt und Klimawandel verändern die Aufgaben

Außerdem sieht Mainka die Themen Umwelt und Klimawandel auf seine Nachfolger und Kollegen zukommen. „Mit dem Klimawandel werden wir hier mehr Probleme mit Zecken haben und natürlich mit Infektionen, die es bisher in Deutschland nicht gab“, sagt er. Auch Krankheiten und Infektionen, die aufgrund der Einwanderung in Deutschland auftreten, werden eine Rolle spielen. „Vor 30 Jahren hat keiner gedacht, dass wir so viele Asylbewerber bekommen“. Die Ärzte seien darauf nicht vorbereitet gewesen. Neben den fehlenden Stellen müsse man sich mit neuen Krankheitsbildern beschäftigen.

Nicht zuletzt wegen der geregelten Arbeitszeiten im Gesundheitsamt seien seine Nachfolgerinnen Frauen. Mainka selbst kam zu seinem Amt aufgrund der besseren Vereinbarkeit mit der Familie. „In meiner Zeit in Nürnberg hatten wir mehrmals die Woche Nachtdienst“, sagt Mainka. „Ich habe dann überlegt, ob ich das so weitermachen oder mich doch umorientieren will.“ Letztendlich habe er seinen Schritt ins Landratsamt nie bereut. „Meine Aufgabe war dann nicht mehr die kurative Medizin, sondern der Schutz der Landkreisbevölkerung und die Prävention.“

All das zählt ab heute nicht mehr zu seinen Aufgaben. „Ich werde aber nicht gleich von 100 auf Null herunterschalten“, meint Dr. Rainer Mainka und schmunzelt. Er werde weiterhin Gutachten schreiben, allerdings ohne zeitlichen Druck. Nach seiner Abschiedsfeier mit den Kollegen geht er in den wohlverdienten Ruhestand.

Was er zuerst machen will? „Urlaub“, sagt der 65-Jährige. Der Norden Indiens sei im Januar das erste Reiseziel. Dort wird er sich dann wohl den Wunsch erfüllen können, einen Tiger in freier Wildbahn zu sehen.

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