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Nördlingen

09.12.2020

Wechselunterricht am Gymnasium: Wie die Notlösung funktioniert

So können Schüler über den Computer zu Hause am Unterricht von Markus Holzner am Theodor-Heuss-Gymnasium teilnehmen.
Bild: Christof Paulus

Plus Seit Mittwoch müssen viele Schüler aufgrund der Corona-Pandemie daheim bleiben. Am Nördlinger Gymnasium gelingt der Umgang mit Vorgaben, die einige Schwächen zeigen.

Wer nur flüchtig hinsieht, der erkennt die Katastrophe im Biologiekurs der elften Klasse des Nördlinger Theodor-Heuss-Gymnasiums gar nicht. Vorne steht Markus Holzner, hinter ihm eine Tafel und ein Whiteboard, auf das ein Projektor seine Präsentation wirft. Gut 15 Schüler blicken auf Lehrer Holzner, während dieser die Abbildung einer DNA-Struktur zeigt.

Um die Anzeichen für den Unterricht im „Katastrophenfall“ zu erkennen, der seit Mittwoch im gesamten Freistaat gilt, braucht es ein wenig Aufmerksamkeit. Die Masken, die Münder und Nasen von Holzner und seinen Schülern bedecken. Die Pulte der Schüler, die rund einen Meter voneinander entfernt stehen. Und der Chat in der Präsentation auf dem Whiteboard, über das die Schüler miteinander kommunizieren. Obwohl fast jeder Tisch im Kursraum besetzt ist, fehlt die Hälfte der Schüler. Sie wird gerade im Fernunterricht betreut.

Am Theodor-Heuss-Gymnasium werden die Schüler im Wechselunterricht unterrichtet

Kurz bevor die Stunde beginnt, betritt ein Schüler nach dem anderen die Klasse. Manche aus der Gruppe grüßen mit einem „Hallo“, andere mit einem Piepsen. Das sind die, die sich online hinzugeschaltet haben. Das Geräusch signalisiert Lehrer Holzner: Ein Schüler hat sich eingeloggt. Die Bildschirmansicht, die Holzner auf das Whiteboard im Klassenraum projiziert, können auch die Schüler zu Hause verfolgen. Daheim müssen die Jugendlichen nicht alle 20 Minuten lüften, so wie ihre Mitschüler im Schulgebäude. Und sie dürfen essen und trinken, wie sie möchten – während man dazu im Präsenzunterricht nach draußen gehen muss, um die umfassende Maskenpflicht nicht zu verletzen.

Dass sich zwar schnell erkennen lässt, dass der Schulbetrieb aktuell unter einigen Vorsichtsmaßnahmen läuft, aber nicht nach Katastrophe aussieht, hat viele Gründe. Einer davon: Die Schule ist vorbereitet. Schon seit Beginn der Pandemie nutzt das Gymnasium den Schulserver I-Serv, mit dem sich Aufgaben stellen und kontrollieren lassen, Unterricht live übertragen lässt und über den Lehrer in der Schule mit Schülern zu Hause interagieren können. Schulleiter Robert Böse lobt das System als stabil und effektiv. Der zweite Grund: Das Kultusministerium schreibt vor, dass einige Schüler im Präsenzunterricht an den Schulen verbleiben.

„Es wäre einfacher, wenn alle Schüler zu Hause wären“, sagt Bio-Lehrer Holzner. Im Wechselunterricht müsse er tatsächlich zwei Gruppen zugleich betreuen, auch wenn diese den gleichen Stoff behandeln. „Man muss die schriftlichen Nachrichten im Blick haben, den Computer bedienen, kann deshalb nicht einfach zwischen den Schülern umher laufen“, sagt er.

Heimunterricht am Nördlinger Gymnaisum: Schüler sind zufrieden mit ihren Lehrern

„Ich fand die Stunde wirklich gut“, sagt Schülerin Laura Hochweiß später. „Herr Holzner beherrscht das natürlich.“ Immer wieder bindet er die Schüler zu Hause ein, spricht sie direkt an, lässt sie über die Kamera ausgefüllte Übungsblätter vorzeigen. Das gelte zwar nicht für alle Mitglieder des Kollegiums; manche benötigten mehrere Tage, um eine E-Mail zu beantworten, berichtet Hochweiß’ Mitschülerin Julika Leitner. Und weil nicht klar sei, ob der Unterricht noch lange möglich ist, beeilten sich manche Lehrer zu sehr, im Stoff voran zu kommen. Die Vorbereitung auf ihre Abiturprüfung in rund 16 Monaten findet nach Ansicht der Schülerinnen unter erschwerten Bedingungen statt, sie fänden einen Bonus gerecht.

Doch für viele Probleme, mit denen sie aktuell zu kämpfen haben, machen sie den Umgang des Kultusministeriums mit den Bedingungen der Pandemie verantwortlich. Es passt zu dem Bild, das Hochweiß und Leitner zeichnen, dass das Schulportal Mebis am Mittwoch prompt mit Ausfällen zu kämpfen hat. Es wird vom Kultusministerium betrieben, das THG ersetzt einige seiner Funktionen durch I-Serv.

Digitalen Unterricht will Direktor Böse den aktuellen Schulbetrieb nicht nennen. „Es ist vielmehr eine Krücke, mit der wir den klassischen Unterricht nach Hause übertragen möchten“, sagt er. Denn auch wenn das THG den Heimunterricht meistert – viele Vorzüge des Präsenzunterrichtes seien aus der Ferne nicht auszugleichen. Die schnelle Hilfe bei Gruppenarbeiten zum Beispiel. Oder Schüler einzufangen, die sich ausklinken, sagt Böse.

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