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Nördlingen

05.09.2019

Wegen Drogenbesitz: 19-Jähriger vor Gericht

In Nördlingen musste sich ein 19-Jähriger vor Gericht verantworten. In seiner Wohnung fand die Polizei Rauschgift.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Die Polizei findet bei einem 19-Jährigen Drogen. Was vor dem Nördlinger Amtsgericht nicht geklärt werden kann.

Nördlingen Welche Konsequenzen es hat, wenn man ilegal mit Drogen in Berührung kommt, musste jetzt ein 19-Jähriger Nördlinger erfahren. Das Jugendschöffengericht des Amtsgerichts Nördlingen hat ihn wegen Besitzes von 1,8 Kilogramm Marihuana zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt und darüber hinaus drei Wochen Dauerarrest verhängt.

Weil der junge Mann deutliche „Reiferückstände“ aufweist, wie es die Staatsanwaltschaft formulierte, kam das Jugendstrafrecht zur Anwendung. Wäre er nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt worden, hätte der Angeklagte eine mehrjährige Gefängnisstrafe ohne Bewährung aufgebrummt bekommen, so Richter Gerhard Schamann.

Marihuana-Geruch: Ein Anwohner ruft die Polizei

Das wurde dem Angeklagten vorgeworfen: Aus seiner Nördlinger Wohnung drang im Oktober 2018 Marihuana-Geruch. Ein Anwohner verständigte die Polizei. Die Beamten stoßen auf erhebliche Mengen des Rauschgiftes. Darüber hinaus liegen 750 Euro auf dem Tisch. Drei junge Männer sind in der Wohnung, der Angeklagte und zwei Bekannte. Der Vorfall wird angezeigt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg erhebt Anklage wegen illegalen Drogenbesitzes und des unerlaubten Handels mit Betäubungsmitteln.

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Vor Gericht spricht Verteidiger Bernd Hegendörfer für den Angeklagten. Sein Mandant konsumiere regelmäßig Canabis, handle aber nicht mit Drogen. Die in der Wohnung vorgefundene erhebliche Menge an Marihuana, habe er auch nicht selbst angebaut, sondern von Jemandem zum Aufbewahren bekommen. Als Gegenleistung könne er einen Teil der Drogen selbst verwenden, habe dieser ihm erklärt. Nicht geklärt werden kann während der Verhandlung, wer die Person ist. Der Angeklagte nennt ihren Namen trotz mehrfacher Aufforderung des Richters nicht.

Noch vor der Beweisaufnahme macht Richter Schamann dem jungen Mann klar, dass er auf eine Bewährungsstrafe nur hoffen könne, wenn er alle Karten auf den Tisch lege und sich außerdem bereit erkläre, eine ambulante Drogenentzugstherapie zu machen. Schamann äußerte gleichzeitig Zweifel, ob es den Unbekannten überhaupt gebe. Zwei Zeugenaussagen bringen keinerlei Erkenntnisse. Der ermittelnde Polizeibeamte bestätigt hingegen die Ausführungen in der Anklage.

19-Jähriger muss zu regelmäßigen Drogenkontrollen

Staatsanwältin Irmina Zeitner rechnet dem Angeklagten positiv an, dass er ein Geständnis abgelegt habe und bisher noch nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten sei. Wegen seiner sozialen Unreife komme eine Jugendstrafe in Betracht. Der unerlaubte Besitz und Handel mit Drogen sei mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung zu bestrafen. Darüber hinaus halte sie einen vierwöchigen „Warnschussarrest“ für angebracht, sowie eine ambulante Drogentherapie, eine Geldauflage von 750 Euro und 80 Stunden Arbeit für soziale Zwecke.

Verteidiger Hegendörfer plädiert für eine einjährige Bewährungsstrafe wegen illegalen Drogenbesitzes. Eine Verurteilung wegen Handelns mit Marihuana komme nicht infrage. Dafür hätten sich keine Anhaltspunkte ergeben. Sein Mandat, der eine schwere Kindheit hinter sich habe, sei auch kein „krimineller Dealer“. Einen Warnschussarrest ja, aber keine 80 Stunden Sozialarbeit, meint der Anwalt.

Die Bewährungszeit legt das Gericht auf zwei Jahre fest. Außerdem wird dem Verurteilten ein Bewährungshelfer zur Seite gestellt. Auch würden regelmäßige Drogenkontrollen in Form von Blut- und Urinuntersuchungen stattfinden, verfügt Richter Schamann. Er wisse um die schwierige Situation des jungen Mannes – Kündigung des Ausbildungsplatz, kein Einkommen mehr und somit mittellos. Dennoch biete ihm das Urteil die Chance, sich zu bewähren und eines Tages wieder ein „ganz normaler junger Mann“ zu werden. Sollte er nur gegen eine der Auflagen verstoßen, drohe ihm das Gefängnis, macht Schamann unmissverständlich deutlich.

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