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„Zwölf Stämme“

28.01.2014

Weiterer Junge zurück bei den Eltern

Oberlandesgericht erlaubt Rückkehr eines 14-Jährigen. Schulische Belange unterliegen noch dem Amtsgericht

Nördlingen/Deiningen Die Ermittlungen des Familiengerichtes am Amtsgericht Nördlingen zu den „Zwölf Stämmen“ dauern an, haben aber laut Amtsgerichtsdirektor Helmut Beyschlag eine neue Ebene erreicht. „Das Verfahren zur einstweiligen Anordnung wurde jetzt in das Hauptsacheverfahren übergeleitet“, erklärte Beyschlag gestern auf anfrage. Über die Vernehmung der Kinder und Eltern hinaus würden neue Ermittlungen geführt, wozu beispielsweise familienpsychologische Gutachten eingeholt werden.

Das Oberlandesgericht München reagierte inzwischen auf die Beschwerde der Eltern eines 14-jährigen Jungen und hob Beschlüsse des Familiengerichts in Nördlingen auf, wonach den Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen worden war. Der Junge kann ab jetzt also wieder in Klosterzimmern leben.

Damit sind inzwischen fünf Kinder und Jugendliche zurückgekehrt, ein sechster Jugendlicher ist zwischenzeitlich volljährig und ebenfalls zurück. Der Volljährige sowie ein Kind, das bei der Polizeiaktion am 5. September vergangenen Jahres nur zu Gast war, sind von den Verfahren nicht mehr betroffen. So geht es noch um 22 der ursprünglich 24 Kinder und Jugendlichen; auch über diejenigen, die wieder bei den Eltern sind, muss noch endgültig entschieden werden.

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Allerdings wies das Oberlandesgericht im aktuellen Fall die weitergehende Beschwerde der Eltern zurück, sprich, das Recht zur Regelung der schulischen Belange, Ausbildungs- und Berufswahl und der ärztlichen Versorgung bleibt beim Amt für Jugend und Familie am Donauwörther Landratsamt. Der Junge besucht die zuständige öffentliche Sprengelschule.

Der Augsburger Familiensenat des Oberlandesgerichtes war seinen Angaben zufolge vor allem aufgrund der Verhältnismäßigkeit zu seiner Entscheidung gelangt – einerseits bestehe bei einem 14-Jährigen keine Gefahr der Züchtigung durch Ruten mehr, andererseits sah man eine große Gefahr für die geistige, seelische und körperliche Entwicklung des Jungen, sollte er getrennt von seiner Familie bleiben. Die individuellen Anlagen und das Verhalten des Kindes veranlassten das Gericht zu dieser Einschätzung.

Beim Oberlandesgericht sind noch weitere elf Fälle im Zusammenhang mit den Zwölf Stämmen abhängig; es haben also weitere elf Familien Beschwerden gegen die Beschlüsse des Nördlinger Familiengerichtes eingereicht. Dazu wurden laut Oberlandesgericht bereits Anhörungen durchgeführt, zum Teil laufen sie noch.

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