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Nördlingen

05.04.2019

Weltklasse-Jazz in Nördlingen

Einblick in das Konzert des Bielefelder Jazz Trios im Gemeindezentrum von St. Georg in Nördlingen: Olaf Kordes, Wolfgang Tetzlaff und Karl Godejohann.
Bild: Peter Urban

Das Bielefelder Jazz Trio legt bei einem Konzert in Nördlingen einen fulminanten Auftritt hin.

Der große Saal des Gemeindezentrums St. Georg war nur halb gefüllt, zahlreiche „Konkurrenzveranstaltungen“ trübten ob der vielen leeren Plätze die Laune von Kirchenmusikdirektor Udo Knauer, der das Bielefelder Jazz Trio bereits zum dritten Mal nach Nördlingen geholt hat. Doch ihm und allen, die gekommen waren, haben die drei Ausnahmemusiker einen Konzertabend beschert, der das Attribut „Sternstunde“ durchaus verdient hat.

Das Bielefelder Jazz Trio mit Komponist und Arrangeur Olaf Kordes (Piano), Wolfgang Tetzlaff (Kontrabass) und Karl Godejohann (Schlagzeug) hat sich beharrlich, still und leise in die Spitzenklasse des deutschen Jazz emporgearbeitet. Nicht von ungefähr wurde ihre neueste CD „Heimlich, still und leise“ für die Longlist 2017 zum Preis der Deutschen Schallplattenkritik nominiert. Einen Großteil des Nördlinger Konzertes spielten die drei denn auch aus diesem Programm. Der erste Titel „Resignazione“, adaptiert aus dem Spätwerk von Franz Liszt und ursprünglich für Orgel geschrieben, führt die Zuhörer gleich etwas an der Nase herum, denn zu Resignation bot das Stück keinerlei Anlass, im Gegenteil: Es zeigte, wie meditativ auch Jazzmusik sein kann. Olaf Kordes, der das Publikum mit originellen, teils tiefgründigen Moderationen durch den Abend führte, wies denn auch gleich darauf hin, dass die Musiker den Bogen von eben diesem Thema bis „Ricreazione“, also Erholung spannen würden. Das gelang auf faszinierende und überzeugende Art. Bei ihrem „Song for Peace“ ließen sie sich von Felix Mendelssohn Bartholdy inspirieren, bei „Let’s Find Each Other Tonight“ von José Feliciano. Das großartige Verständnis, die beinahe meditative Mimik, das sensationelle Zusammenspiel und die enorme Klangfülle waren nicht nur hier mit Genuss zu beobachten.

Oberste Eskalationsstufe eines Westfalen in Nördlingen

Als sie „als Weckruf, damit sie mir nicht einschlafen“ (Kordes) Stücke aus ihrem Bachprogramm einstreuten, wurde deutlich, dass die Drei auch furios auftrumpfen können, die Genugtuung für das darauf folgende exzellente Schlagzeugsolo von Karl Godejohann bezeichnete sein Pianist als „oberste Eskalationsstufe“, die einem Westfalen möglich sei.“ „Voiles“ (Segel), eine Eigenkomposition, schuf herrliche Bilder eines Segeltörns vor der Küste der Provence, Abdullah Ibrahims „Cape Town Flower“ war ebenso berührend interpretiert wie die „Milonga für Herrn L.“, eine sensationelle Melange eines Astor Piazzola-Stückes und Martin Luthers „Aus tiefer Not schrei ich zu Dir!“ Bevor dann tatsächlich „Erholung“ (Ricreazione) angesagt war in Form von mehreren Zugaben, gab es eine schlichtweg atemberaubende Version von Harold Arlens „Somewhere over the Rainbow“. Es ließen sich noch eine ganz Reihe von Höhepunkten dieses denkwürdigen Konzertabends nennen. Allein das „Präludium“, das Olaf Kordes für Oscar Petersens Frau Kelly geschrieben und vor eine Oscar Peterson-Komposition gespannt hat, wäre den Eintrittspreis wert gewesen. Um das noch einmal live zu erleben, müssen sich die Nördlinger Jazzfreunde gedulden, die Musiker haben ein Wiederkommen versprochen. Wenn es nach der Qualität ginge, sollte der Saal des Gemeindezentrums St. Georg um ein Vielfaches zu klein dafür sein.

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