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08.05.2019

Wenn Brauereien das Leergut ausgeht

Egal ob mit Bügelverschluss, kleinere oder größere Flaschen: Die Brauereien in der Region haben immer wieder zu wenig Leergut.
Bild: Anja Ringel

Vor allem im Sommer haben die Getränkehersteller zu wenig leere Kisten und Flaschen. Betriebe aus der Region erklären, woran das liegt und welche Lösungen es gibt.

Beim Grillfest, bei Fußballspielen oder nach Feierabend: Im vergangenen Jahr haben die Menschen im Landkreis rund 180000 Hektoliter Bier getrunken. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) errechnet. Sie geht dabei von einem Pro-Kopf-Verbrauch von 135 Litern pro Jahr aus. Auf diese Menge beziffert der Bayerische Brauerbund den Bierkonsum im Freistaat.

Was viele Konsumenten nach dem Biertrinken jedoch nicht machen: das Leergut zurückzubringen. Kisten lagern im Keller oder die Flaschen werden einfach weggeworfen. Den Brauereien fehlt es somit an Flaschen und Kästen, um neues Bier abfüllen zu können. Doch nicht nur die Kunden sind an dem Leergutmangel Schuld. Das sagen die Brauereien in der Region:

Die Lage sei „katastrophal“, meint Christian Maier, Inhaber der Nördlinger Brauerei Maierbier. Seine Brauerei bekomme nicht nur zur Hauptsaison im Sommer, sondern ganzjährig zu wenig leere Flaschen und Kisten zurück. In den vergangenen Jahren sei die Situation sogar schlimmer geworden. Mit seiner Flaschenform sei seine Brauerei ein Exot, erklärt Maier. Zudem seien die Holzkisten sehr begehrt für Bastelarbeiten. Das Problem: Durch das Pfand seien die Kosten für Neuanschaffungen von Flaschen und Kisten nicht gedeckt. Das könne letztendlich nur durch den Getränkepreis ausgeglichen werden, sagt Maier. Pfand bedeute außerdem nicht, dass der Kunde dadurch der neue Eigentümer sei. Das Leergut werde vielmehr nur geliehen.

1000 bis 1500 Kisten mit Flaschen muss Maier jedes Jahr neu kaufen. Die Zahl der Flaschen, die beim Abfüllen kaputtgehen, sei gering. Zum größten Teil müsse er verlorenes Leergut ersetzen. Bis die neuen Flaschen produziert werden, muss Maier teilweise sechs Monate warten. Der Markt für Behälterglas sei inzwischen annähernd ein Monopol, sagt der Nördlinger. Mit seinen speziellen Flaschen müsse er deshalb oft länger auf die Lieferung warten.

Auf seine Alleinstellungsmerkmale möchte Maier trotzdem nicht verzichten. Beim Direktverkauf achtet der Inhaber deshalb immer darauf, dass in den zurückgegebenen Kisten keine Fremdflaschen sind. Falls doch, nimmt er diese nicht an. Seine eigene Flasche bekomme er dadurch natürlich nicht zurück.

Bei Händlern, die Leergut zurückbringen, setze er zudem auf eine gewisse „Erziehung“, indem er ebenfalls nur eigene Flaschen entgegennimmt. Es habe zum Beispiel auch schon einen Flaschen-Austausch mit dem Fürst Wallerstein Brauhaus gegeben. Eine mögliche Lösung kann Maier zufolge zudem eine Pfanderhöhung sein, um die Wertigkeit des Produkts zu erhöhen.

Dieser Meinung ist auch Volker Röthinger, Braumeister beim Fürst Wallerstein Brauhaus. Der Getränkehersteller hat vor allem im Sommer mit zu wenig Leergut zu kämpfen. Röthinger erklärt, dass die Neubeschaffung einer Kiste mit Flaschen rund zwölf Euro kostet. Das Pfand dürfe aber nur 4,50 Euro betragen. Für ihn ist die schlechte Sortierung der Hauptgrund für den Leergutmangel. Er sagt, dass die Brauereien viele Fremdflaschen zurückbekommen. Diese müssen aussortiert und dann von beauftragten Händlern wieder neu verteilt werden. Früher habe es einheitliche Flaschen gegeben, inzwischen gebe es zu viele Flaschensorten, sagt Röthinger. Das Brauhaus nutze vier verschiedene Standardflaschen mit Fassungsvermögen von 0,33 Litern beziehungsweise 0,5 Litern.

Außerdem gebe es Flaschen mit Bügelverschluss und welche mit Deckel. Röthinger schätzt, dass 30 bis 40 Prozent der Bügelflaschen, die das Fürst Wallerstein Brauhaus zurückbekommt, Fremdflaschen sind. Die Brauerei bekomme zum Beispiel regelmäßig Flaschen von Hacker-Pschorr. Diese hätten zwar die gleiche Größe, auf der Flasche sowie am Deckel sei jedoch der Markenname eingraviert. Der Getränkehersteller tauscht deshalb mehrmals jährlich die Flaschen mit Hacker-Pschorr. Leere Flaschen können aufgrund der Falschsortierung deshalb nur vier Mal im Jahr neu befüllt werden. Deshalb müsse die Brauerei die vierfache Jahresmenge an Leergut haben. Kunden könnten diese Situation verbessern, indem sie die Flaschen in den richtigen Kästen zurückgeben, sagt Röthinger.

Weniger dramatisch ist die Situation bei Oettinger. Pressesprecherin Natalie Bajon sagt, dass die Brauerei in Hochsaisonzeiten, in denen viel Bier getrunken wird, durchaus merke, dass das Leergut weniger wird. Das Problem betreffe nicht nur Bier, sondern auch alkoholfreie und Mischgetränke. Oettinger habe jedoch zwei Vorteile: „Wir haben eine eigene Lkw-Flotte, die unsere Getränke zum Beispiel an Zentrallager und einzelne Märkte ausliefert und die Flaschen auch wieder abholet“, erklärt Bajon. Damit muss die Brauerei nicht warten, bis zum Beispiel ein Großhändler die leeren Flaschen wieder zur Brauerei fährt.

Zudem verwende Oettinger keine speziell gravierten oder außergewöhnlich geformten Flaschen, sondern setze auf Standardflaschen. Somit habe die Brauerei nicht das Problem, dass sie sich genau diese Spezial-Flaschenart wieder zuliefern lassen muss.

Mehr über die Familie, die das Oettinger Bier braut, lesen Sie hier: Diese Familie braut das Oettinger Bier

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