Newsticker
Stiko will Empfehlung zum AstraZeneca-Impfstoff in Kürze ändern
  1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Wenn der Arzt keine neuen Patienten annimmt

Nördlingen

24.06.2017

Wenn der Arzt keine neuen Patienten annimmt

Viele Ärzte im Ries nehmen keine neuen Patienten mehr auf. 
Bild: Rolf Vennenbernd, dpa (Symbolbild)

Manche Mediziner im Ries lehnen neue Patienten ab. Welche Kritik Kinderarzt Dr. Detlef Grunert äußert.

Eine freundliche Sprechstundenhilfe fragt: „Waren Sie schon einmal bei uns? Nein? Tut uns leid, wir können Sie nicht mehr aufnehmen.“ Viele Mediziner in Deutschland sagen, sie würden aufgrund eines regelrechten Patientenansturms an ihre Leistungsgrenze gelangen. Auch im Ries – obwohl die Region derzeit eigentlich als überversorgt gilt.

Dr. Karl-Friedrich Scheible, der zusammen mit seiner Frau in Alerheim eine Allgemeinarztpraxis mit Schwerpunkt Homöopathie betreibt, sagt: „Wir nehmen seit vielen Jahren keine neuen Patienten mehr an, weil wir es einfach nicht mehr schaffen würden.“ Würde man zusätzliche nehmen, sei eine qualitative Behandlung durchaus infrage gestellt. Gerade bei homöopathischen Behandlungen müsse man sich für die Patienten viel mehr Zeit nehmen, um sie gut versorgen zu können. Außerdem seien er und seine Frau mindestens einmal im Monat zum Bereitschaftsdienst eingeteilt, der absolviert werden müsse und neben der üblichen Praxistätigkeit zusätzlich Zeit in Anspruch nehme. Bei den jeweiligen Diensten würden sich er und seine Frau gegenseitig unterstützen.

Mit einer gewissen Sorge betrachtet auch Dr. Scheible den bevorstehenden Nachwuchsmangel auf dem Land vor allem im allgemeinmedizinischen Bereich. „Der Landarztberuf ist vermeintlich nicht so attraktiv, als eine Praxis in einer größeren Stadt“, sagt Scheible. Die häufigen Bereitschaften an Feiertagen und Wochenenden lassen die „Attraktivität“ mitunter deutlich sinken. Hinzu komme, dass junge Praxisnachfolger neben ihrer beruflichen Tätigkeit viel Wert auf die sogenannte „Work-Life-Balance“ legen und ihr Privat- und Berufsleben in Einklang bringen wollen. Ob eine Landarzt-Quote, wie sie die bayerische Staatsregierung jetzt plane, das Nachwuchsproblem verringere, bezweifelt er. Auch finanzielle Anreize, sich auf dem Land niederzulassen, würden das Problem wohl nicht lösen.

Dr. Michael Schwetz hat in Nördlingen zusammen mit zwei Kollegen eine Zahnarztpraxis und kennt die Zeiten, in denen er keine neuen Patienten mehr aufnehmen konnte, weil der Andrang einfach nicht mehr zu bewältigen war. „Inzwischen ist es bei uns wieder besser. Neue Patienten können jetzt wieder zu uns kommen.“ Im Gegensatz zu Haus- und Fachärzten ist nach Einschätzung von Dr. Schwetz bei den Zahnärzten das Nachwuchsproblem kein allzu großes. „Schauen Sie in unserer Region. Dort haben nahezu alle Zahnarztkollegen, die sich in den Ruhestand verabschiedet haben, Nachfolger gefunden. Meist waren es ihre Söhne oder Töchter.“

Wenig Verständnis für das „Gejammer“ so mancher Medizinerkollegen über zu volle Praxen kann der Nördlinger Kinderarzt Dr. Detlef Grunert aufbringen. Er habe in seiner langjährigen Tätigkeit noch keine Sekunde an einen Aufnahmestopp für Patienten gedacht, selbst nicht bei starken Grippewellen. „Alles ist in erster Linie eine Sache der Praxisorganisation“, sagte Grunert gegenüber den Rieser Nachrichten. Er habe auch schon Zeiten erlebt, in denen er 100 Kinder am Tag behandelt habe. „Das ging, weil meine Praxis so gut und effektiv organisiert ist, dass die Abläufe stimmen und kein Leerlauf entsteht.“ Eine gute Organisation sei eben das „A und O“, ist Detlef Grunert überzeugt. Kein Problem gebe es auch, wenn er ein Kind zu einem anderen Arzt, beispielsweise einem Orthopäden, zur Weiterbehandlung schicken müsse. Hierbei helfe ihm der Verein Praxisnetz Ries sehr. „Ein Telefonanruf beim Kollegen genügt und mein Patient kann sofort zu ihm kommen – ohne jeglichen bürokratischen Aufwand.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren