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10.04.2018

Wenn der Körper nicht mehr gehorcht

Heute ist Welt-Parkinson-Tag. Für die schleichende Krankheit gibt es zwar Medikamente, aber keine medizinische Lösung für eine völlige Genesung. Bei knapp fünf Prozent der Bevölkerung besteht das Risiko einer Erkrankung.

Mittwoch ist der Welt-Parkinson-Tag. Betroffene aus der Region berichten über ihr Leben mit der Krankheit. Wie eine Fernbedienung den Alltag spürbar verbessert

Wilhelm Zach hatte schon eine dunkle Ahnung, bevor er zum Arzt ging. „Ich habe im Geschäft Grußkarten unterschrieben und nach der Unterschrift hat meine Hand noch zehn bis 20 Sekunden nachgezittert. Ich habe das dann ein halbes Jahr beobachtet und bin dann zum Arzt. Der hat dann Parkinson diagnostiziert.“ Inzwischen ist Zach Vorsitzender einer unabhängigen Gruppe für Betroffene und Angehörige. Die Mitglieder kommen aus den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen und vereinzelt sogar aus dem Landkreis Heidenheim zu den Treffen in Tapfheim-Erlingshofen.

Am Welt-Parkinson-Tag steht die Krankheit besonders im Fokus der Öffentlichkeit. Ins Leben gerufen hat den Tag die Europäische Parkinsongesellschaft. Die Wahl des Tages fiel auf den Geburtstag von James Parkinson, der 1817 erstmals die Krankheit beschrieb. Durch Persönlichkeiten wie den Boxer Muhammad Ali und die Schauspieler Ottfried Fischer und Michael J. Fox erhielt die Krankheit einige Aufmerksamkeit.

Für die Betroffenen ist die Krankheit ein täglicher Kampf, weil sie immer weiter abbauen. Für Elfriede Müller (Name geändert) ist es beispielsweise inzwischen sehr schwer geworden, den Alltag zu meistern. Ohne ihren Mann, mit dem sie seit mehr als 50 Jahren verheiratet ist, könnte sie wahrscheinlich nicht mehr daheim leben. „Wenn sie nachts auf die Toilette muss, muss ich ihr aus dem Bett helfen. Beim Arzt gehe ich mit rein, weil sich meine Frau nicht allein an- und ausziehen kann. Auch um den Haushalt kümmere vor allem ich mich.“ Trotz der Belastung klingt in seiner Stimme keine Verbitterung oder Kraftlosigkeit durch. „Meine linke Körperhälfte kann ich nur noch schlecht bewegen“, erläutert Elfriede Müller das Problem. Die Diagnose Parkinson bekam sie bereits im Jahr 1994. Inzwischen hat sie eine Pflegestufe zugesprochen bekommen. Die beiden haben zwar Kinder, die auch mal mit unterstützen, allerdings mit ihrer Arbeit und ihrem Nachwuchs „ihren eigenen Stress“ haben, verweist der Ehemann. Die Müllers sind, ebenso wie die anderen Teilnehmer froh, dass es die Selbsthilfegruppe gibt, die sich jeden dritten Mittwoch im Monat um 14 Uhr im Gasthaus Zur Grenz in Erlingshofen trifft. 25 Mitglieder hat die Gruppe, die es seit 17 Jahren gibt, aktuell. „Wir nutzen die Gelegenheit, um uns in geschützter Atmosphäre über Erfahrungen mit Medizinern und Medikamenten auszutauschen.“ Betroffen sind vor allem ältere Menschen. Der Altersschnitt in der Tapfheimer Gruppe liegt bei etwa 70 Jahren, vielleicht auch etwas darüber, sagt der Vorsitzende. Die jüngsten Mitglieder sind Mitte 50. Laut Zach sind europäische Männer gefährdeter als Frauen. In Asien sei das Verhältnis ausgeglichen. Das Risiko an Parkinson zu erkranken liegt bei unter fünf Prozent, verweist Zach auf Untersuchungen. Verwandte ersten Grades haben demnach zudem ein leicht erhöhtes Risiko, auch Parkinson zu bekommen.

Verursacht wird die Krankheit durch einen Mangel des Botenstoffes Dopamin. Durch eine medikamentöse Einstellung der Betroffenen, die Neurologen vornehmen, kann das Problem abgeschwächt werden. Trotz des laut Wilhelm Zach „beachtlichen medizinischen Fortschritts“, sei aber noch keine Lösung entdeckt worden, die Parkinson vollständig heilen könne. Immerhin sei es inzwischen medizinisch möglich, mit einem Hirnschrittmacher Bewegungsstörungen merklich zu verringern, so Zach. Bei dem Eingriff muss der Patient wach sein, damit die Ärzte an seinen Reaktionen erkennen, ob sie am richtigen Ort angekommen sind, einer bestimmten Stelle im Zwischenhirn. Dort werden Elektroden platziert, um die für die Bewegung wichtigen Hirnareale zu stimulieren. Für die Patienten ist der Hirnschrittmacher per Fernbedienung leicht zu bedienen. Damit kann jeder selbst festlegen, wie stark die Stromimpulse sein sollen. Die Treffen in Tapfheim sind hilfreich und doch auch schmerzhaft, sagt Müllers Ehemann. „Bei den Gruppenmitgliedern, die nicht mehr so gut beieinander sind, sieht man was auf einen zukommt.“

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