1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Wenn die Räumungsklage im Briefkasten steckt

Nördlingen

13.06.2016

Wenn die Räumungsklage im Briefkasten steckt

Der Kreisausschuss lehnte gestern eine neue Beratungsstelle ab. Deren Aufgabe hätte die Betreuung von Mietern sein sollen, denen die Zwangsräumung droht.

Der Kreisausschuss debattiert über die Frage, ob ein neues Beratungsangebot notwendig ist. Die Entscheidung ist eindeutig.

Oft kommt die Nachricht per Post. Räumungsklage steht in dem Brief, den der Mieter erhält. Meist deshalb, weil er seine Miete nicht bezahlt hat. Doch was dann tun – gerade angesichts des überhitzten Wohnungsmarktes im Landkreis Donau-Ries? Damit aus Mietern keine Obdachlosen werden, stand nun zur Debatte, ob am Landratsamt eine neue halbe Stelle geschaffen werden sollte. Die Aufgabe des Mitarbeiters: Die Menschen aufsuchen, bevor sie kein Dach mehr über dem Kopf haben, Alternativen aufzeigen, unterstützen. Das zumindest war die Idee des Diakonischen Werks Nördlingen und des Katholischen Verbandes für soziale Dienste. Doch die Mehrheit der Mitglieder des Kreisausschusses hielt davon gestern wenig.

Und die Kreisräte waren damit nicht alleine, wie Alfred Kanth, Fachbereichsleiter Familie, Jugend und Senioren am Landratsamt, in der Sitzung erläuterte: Bei einer Umfrage hätten 54 Prozent der Kommunen im Kreis geantwortet, eine solche Stelle sei nicht erforderlich. 13 Räumungsklagen habe es von Juli bis Dezember 2015 gegeben. Man habe die Betroffenen angeschrieben und zur Beratung eingeladen – sieben hätten nicht reagiert. Zudem bekämen Bedürftige Unterstützung vom Jobcenter – für Kaution, Darlehen, Mietrückstände oder Erstausstattungen. Nicht zuletzt sei eine solche Stelle eine freiwillige Leistung des Landkreises.

CSU/AL-JB-Fraktionsvorsitzender Ulrich Lange lehnte sie ab. Es gebe bereits ein engmaschiges Hilfesystem, der Mitarbeiter sei nicht notwendig. Auch SPD-Fraktionsvorsitzende Ursula Straka meinte: „Wir sind der Meinung, dass es keinen Bedarf gibt.“ Straka kritisierte zudem, dass es die hohe Förderung von 90 Prozent nur für zwei Jahre gebe. „Wir haben bereits ein hohes Beratungsangebot“, meinte auch PWG/FDP-Fraktionsvorsitzender Helmut Beyschlag. Meist komme es wegen finanzieller Probleme zur Zwangsräumung – und dafür gebe es die Schuldnerberatung. „Wir müssen uns eher fragen, warum wir die Leute nicht erreichen.“

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ganz anders sah Dr. Andreas Becker (Frauen/ÖDP/FW) das Thema. Er verwies darauf, dass die halbe Stelle den Landkreis dank der hohen Förderung nur rund 6000 Euro für zwei Jahre koste. Man solle die Beratung doch in dieser Zeit einmal testen und dann entscheiden: „Für die IC-Studie haben wir auch 30000 Euro ausgegeben.“ Nico Ach, Fraktionsvorsitzender der Grün-Sozialen, sprach von einem überschaubaren Betrag für dieses Präventions-Projekt. Ob das wirklich etwas bewirke, darüber könne man erst nach zwei Jahren urteilen. Nördlingens Oberbürgermeister Hermann Faul schloss sich den Befürwortern an: Wenn der Freistaat 90 Prozent Zuschuss gebe, zeige das doch, dass eine Notwendigkeit da sei. „Natürlich sind wir über jeden Obdachlosen froh, den wir nicht unterbringen müssen.“ Die Idee der Stadt Nördlingen: Der neue Mitarbeiter des Landratsamtes solle sich zusätzlich um das neue Obdachlosenheim An der Lach kümmern. Die Entscheidung fiel letztendlich deutlich: Mit 3:10-Stimmen wurde der Antrag abgelehnt.

Ebenfalls Thema waren die Reinigungsarbeiten in den Verwaltungsgebäuden des Kreises. Die Grün-Soziale-Fraktion und die SPD hatten sich bereits in der Vergangenheit dafür eingesetzt, dass die Reinigungskräfte beim Landkreis angestellt sein sollen – und keine Fremdfirmen beauftragt werden. Kreiskämmerer Franz Hlouscheck rechnete in der Sitzung vor, dass externe Unternehmen deutlich billiger seien. Das überzeugte die Mehrheit der Räte: Zug um Zug sollen Firmen nun die Arbeit übernehmen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20Baugenossenschaft.tif
Versammlung

Die Nördlinger Mietpreis-Bremse

ad__web-mobil-starterpaket-099@940x235.jpg

Webseite und App freischalten!

Die schnellsten Lokalnachrichten - live,aktuell und multimedial.
Alle Online-Inhalte auf allen Endgeräten zu jeder Zeit, mtl. kündbar.
Damit sind Sie daheim und im Büro immer auf dem Laufenden.

Zum Web & Mobil Starterpaket