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Literatur

09.07.2019

Wie das Buch entstand, das Nördlingen liest

Autor Christian Tielmann (links) kam zur Aktion „Nördlingen liest ein Buch“ in die Alte Schranne und trug das letzte Kapitel von „Unsterblichkeit ist auch keine Lösung“ vor. Rechts im Bild Mattis Lehmann, der den Autor interviewte.
Bild: Urban

In den vergangenen Wochen wurde das Buch von Christian Tielmann von anderen vorgelesen. Jetzt kam der Autor selbst nach Nördlingen – und trug das Schlusskapitel vor

„Unsterblichkeit ist auch keine Lösung“ – so lautet der Titel des Buches, das sich die Nördlinger Literaturbegeisterten für die Aktion „Nördlingen liest ein Buch“ im Jahr 2019 ausgesucht haben. In mehreren, immer gut besuchten Lesungen an fünf verschiedenen Orten haben sie sich gemeinsam fast bis zum Schluss durchgearbeitet. Als besonderen Höhepunkt haben die Initiatoren Kathrin Häffner, Tina Greno und Ralf Lehmann die Schlusslesung mit dem Romanautor Christian Tielmann aus Köln arrangiert.

Tielmann, geboren 1971 in Wuppertal, hat in Freiburg und Hamburg Philosophie und Germanistik studiert. Nach seinem Studium hat er sich als Kinderbuchautor einen Namen gemacht und für verschiedene Verlage bisher mehr als 40 Kinder- und Jugendbücher geschrieben, die in 24 Sprachen übersetzt wurden. Seit fast zwanzig Jahren ist er auf Lesereisen unterwegs. An einem der einsamen Abende in einer ortsansässigen Pizzeria nach so einer Lesung kam ihm ein Gedanke: Wie würden wohl die beiden größten Klassiker der deutschen Literaturgeschichte solche Reisen wegstecken?

Auf Zettel und Bierdeckel sammelte er Ideen und Szenen für seinen Debüt-Roman, der 2019 erschien: Das Genie Goethe ist mittlerweile 270 Jahre alt und leidet Höllenqualen. Schiller, zehn Jahre jünger, begeistert zwar die Zuhörer bei den Veranstaltungen mit immer neuen Fantasiegeschichten. Doch an beiden nagt, trotz bisheriger Unsterblichkeit, der Zahn der Zeit. Dieser originelle Plot und der intelligente Umgang des Autors damit hat die Nördlinger schon während der Laienlesungen angesprochen. Der sympathische Auftritt Christian Tielmanns unterstrich diesen Eindruck noch.

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Im Interview vor der Lesung gefragt, warum er ausgerechnet die beiden „größten Dichter deutscher Zunge“ für sein Buch gewählt habe, sagte er frei heraus, dass er sie ein wenig von ihrem Sockel („So wie sie da in Weimar stehen!“) holen wollte und er gab zu, dass ihn auch Goethes buchstäbliche Eitelkeit gereizt habe: „Der hat ja selbst gesagt, seine Geburt sei ein epochales Ereignis gewesen.“ Das und seine persönlichen Erfahrungen mit Lesungen in Schulen und mit Pädagogen verschiedenartigster Prägungen hätten ihn zu seinem Buch inspiriert.

Dessen letztes Kapitel las er dann auch selbst vor und beschloss damit die schöne Aktion der Nördlinger Literaturszene, verbunden mit seinem ganz persönlichen Dank an das Nördlinger Publikum: „Es hat mich sehr gefreut, dass Sie meiner Geschichte so hartnäckig gelauscht haben!“ Doch noch ist nicht ganz Schluss: Es gibt eine allerletzte Abschluss-Lesung mit Originaltexten von Goethe und Schiller. Jeder, der sich berufen fühlt, kann sein Lieblingsgedicht oder -zitat vor Publikum lesen. Anmeldung bei der Stadtbibliothek genügt, um dann am Donnerstag, 18. Juli, um 19 Uhr zu den handelnden Personen zu gehören.

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