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Oettingen

23.02.2021

Wie der Bombenangriff auf Oettingen 1945 ablief

Das von den Oettinger Reservistenkameradschaft gestiftete Bombensplitterkreuz in der Friedhofskapelle erinnert an den Bombenangriff.
Bild: Werner Paa

Plus Im Zweiten Weltkrieg griffen die Amerikaner die Infrastruktur in Deutschland an. Auch die Stadt Oettingen war ein Ziel.

Zur endgültigen Vernichtung der deutschen Verkehrsinfrastruktur starteten die Amerikaner am 22. und 23. Februar 1945 das Unternehmen Clarion. Mit rund 9000 Einsätzen griffen an diesen Tagen etwa 1500 Kampfflugzeuge der amerikanischen und englischen Luftwaffe Bahnlinien, Rangierbahnhöfe, Brücken und andere wichtige Verkehrsanlagen an. Bereits am 22. Februar 1945 wurden zahlreiche deutsche Städte bombardiert. Der Erfolg des Unternehmens veranlasste die amerikanische Führung am nächsten Tag mit fast gleicher Stärke und gleicher Zielstellung den Angriff zu wiederholen. Wie liefen diese ab?

In den alliierten Militärarchiven, die lange Jahre unter Verschluss gehalten wurden, sind die Einsätze protokolliert. Unter dem Namen „Mission 843“ starteten in den frühen Morgenstunden des 23. Februar 1945 von den Flugplätzen in Südengland zwölf Bombergruppen der Ersten Air Division mit 460 Fliegenden Festungen. Angriffsziele waren die Städte Eger, Bamberg, Bayreuth, Plauen und Zwickau. Primärziele waren die Verkehrseinrichtungen dieser Städte, als Ausweichziele waren Eisenbahnanlagen in Deutschland genannt.

Bombenangriffe: Früh am Morgen starteten die Maschinen

Doch darüber hinaus gab es unter anderem auch Angriffspläne für Teile der Region. Gelegenheitsziele waren Meiningen (49 Maschienen), Adelsberg (12), Hildburghausen (12), Kitzingen (88), Lichten (13), Schweinfurt (12), Ellingen (25), Oettingen (48), Würzburg (37), Crailsheim (38) und Zwolle (1).

Früh um 3.45 Uhr fand die Besprechung des Einsatzes statt. Die Flugzeuge waren mit 250 Kilogramm Sprengbomben beladen. Alle Maschinen waren um 7.55 Uhr in der Luft. Ein Flugzeug war gezwungen den Vorgang abzubrechen und zwei wurden vorzeitig zurückgeführt. Nach der Mission kehrte die 401. Bombgroup zurück. Die Maschinen wurden wegen des schlechten Wetters und geringer Sicht bei Deenethorpe auf andere Bereiche umgeleitet. Während mehrere Flieger wegen dieser Lage in Deenethorpe später am Abend zurück waren, blieben die meisten der umgeleiteten Flugzeuge über Nacht auf umliegenden Basen.

Die Nachbesprechung

Dies war der zweite Tag der Operation Clarion. Die Angriffe auf deutsche Straßen- und Bahnanlagen erfolgten in einer Höhe von 10000 Fuß. Obwohl das Wetter im Allgemeinen klar war, traf die Gruppe einige Wolken über Hamburg an, die Stadt war eigentlich das primäre Ziel. Wegen der Wetterlage wählte der Kommandant dann Gelegenheitsziele aus, zwei Brücken und einen kleinen Rangierbahnhof in Oettingen, Deutschland.

Mit optischer Sichtung aus niedriger Höhe wurden bei allen Zielen gute Ergebnisse erzielt. Keine feindlichen Maschinen waren erschienen, und das Flakfeuer war vernachlässigbar. Doch wegen wetterbedingter Probleme landeten fünf Maschinen auf dem Kontinent und die anderen landeten an verschiedenen Basen.

Der Ablauf des Angriffs

Die 351. und die 457. Bombergruppe sowie die 401. Bombergruppe sollten Eger und Bamberg angreifen, lösten jedoch wegen schlechter Sichtverhältnisse die geschlossene Formation auf, wobei die 351. Bombergruppe einen Angriff auf Plauen durchführte, während die beiden anderen Gruppen die Stadt Nürnberg umflogen, um neben Ellingen und Treuchtlingen den Angriff auf Oettingen einzuleiten. In den Luftlagemeldungen im Rundfunk wurde der Bomberverband gemeldet, als er im Raum Hof nach Westen abdrehte. Etwa gegen 10.30 Uhr markierte ein Flugzeug über dem strahlend blauen Himmel von Oettingen die Stadt als Angriffsziel.

Die Führungsstaffel der 457. Bombergruppe begann um 12.26 Uhr aus einer Höhe von 5100 Metern mit dem Bombenabwurf. Der Angriff erfolgte in zwei Wellen. Den ersten Angriff flog die 457. Bombergruppe, die in Glatton/England mit zwölf B-17 Bombern gestartet war. Die zweite Welle griff wieder mit zwölf B-17 Bombern um 12.41 Uhr an. Aus einer Höhe von 4400 Metern warfen sie 142 Sprengbomben, darunter 93 mit Verzögerungszünder ab. Es folgten noch mehrere hundert Bomben.

Ein früherer Pilot sagt: "Wir hatten keine Wahl"

Bei seinen Recherchen für seinen Film über den Angriff auf Oettingen interviewte Jörg-Dieter Groß in Amerika einige noch lebende Besatzungsmitglieder, die am Angriff auf Oettingen beteiligt waren.

Der damalige Chefpilot Donald Seesenguth von 457. Bombergroup sagte dazu, angesprochen auf die vielen zivilen Opfer des Angriffs, in einem Interview: „Eines der Dinge die mich bedrücken ist, dass wir keinerlei Kontrolle hatten, zum Beispiel die Bombardierung Dresdens war so etwas, was zum Ende des Krieges gar nicht mehr nötig war. Nochmals: Wir als kleines Glied der Streitkräfte hatten keine Wahl. Erst später lasen wir, was das für ein Grauen war. Ja, ich fühle mich schlecht. Aber wir hatten absolut keine Wahl.“

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