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Nördlingen

17.10.2017

Wie der Wemdinger Tunnel trocken bleibt

Betongefüllte Bohrlöcher am Wemdinger Tunnel geben der Baugrube Stabilität.
Bild: Philipp Wehrmann

Die großen Betonbauwerke, die den Überbau der Bahnbrücke bilden, sind fast fertig. Derzeit bereiten die Arbeiter eine Baugrube vor, in der eine Pumpenanlage untergebracht wird.

Wie kommt das Wasser aus dem zukünftigen Wemdinger Tunnel? Klar war: Die Straße wird deutlich tiefer liegen, als sie es bisher tat. Der Bund förderte das Projekt nämlich nur unter der Bedingung, dass es die Verkehrssituation verbessert. Das bedeutet, dass der Tunnel auch anders als bisher für Lkws befahrbar sein muss. Da die Bahngleise auf gleicher Höhe bleiben, muss die Straße tiefer liegen. Unter der Straße wird eine Grundwasserwanne das Bauwerk vor Wasser aus dem Erdreich schützen. Doch regnet es, dann sammelt sich Wasser darin. Eine Pumpenanlage muss das Wasser zutage fördern.

Für die Pumpenanlage muss zuerst eine Baugrube vorbereitet werden. Damit die Grube stabil ist, werden an ihren vier Kanten entlang Bohrpfähle gebaut. Das sind Bohrlöcher, die dann mit Beton gefüllt werden. Auch das Hauptbauwerk wird auf diese Weise stabilisiert. Michael Bauhammer, Leiter des Bereichs Tiefbau bei der Stadt Nördlingen, erklärt das weitere Vorgehen für die Rieser Nachrichten. Zunächst werden die Löcher für mehr als 30 Bohrpfähle gebohrt. Bauhammer steht vor einem halb fertigen Exemplar – das Loch ist bereits gebohrt, doch betoniert wurde der Pfahl noch nicht. Umrandet wird das Loch von einer Metallröhre, die nach dem Betonieren „mit viel PS“ herausgezogen wird, sagt Bauhammer. Er wirft einen Stein in die Röhre. Kurz herrscht Stille, dann platscht er in einigen Metern Tiefe ins Wasser. Die Grube selbst werde mehr als zehn Meter hoch sein, allerdings gemessen von der Kante, die nur wenige Meter unter den Gleisen liegt. Die Bohrpfähle werden noch rund vier Meter tiefer ins Erdreich ragen. Sind die Pfähle fertig, muss ein Bagger die Grube ausheben. Dann werden zwei sogenannte Aussteifungen, das sind quadratische Metallträger, innerhalb der Bohrpfähle die Grube stabilisieren. Ab Mitte November werden die Entwässerungskanäle entlang der Straße zu der Pumpe und die Pumpenanlage selbst eingebaut. Sie besteht aus drei Pumpen – je nach Wasserstand aktivieren sich die unterschiedlich leistungsfähigen Pumpen. Bei Starkregen können alle drei parallel arbeiten, sagt Bauhammer.

Der Mann, der den dutzende Meter hohen Bohrer steuert, ist Ben Ratcliffe. Er kommt aus der Nähe von London und spricht Englisch. „In Deutschland gibt es nicht genug Fahrer“, sagt er. Er fährt die „drilling machines“, wie er sagt, für ein deutsches Unternehmen, meist hierzulande und in Frankreich.

Der Überbau des Tunnels ist indes fast fertig. Alle Betonteile, die jeweils mehrere hundert Tonnen wiegen (wir berichteten), sind an Ort und Stelle. Zurzeit wird noch die Oberfläche des letzten Bauteils betoniert. Bis Weihnachten wird man mit der Pumpenanlage beschäftigt sein, schätzt Bauhammer. Bisher laufe alles nach Plan, zeitlich und auch finanziell. Bauhammer hofft, dass sie nicht zu früh mit Bodenfrost zu kämpfen haben, doch das sei in den vergangenen Jahren nicht der Fall gewesen. Im neuen Jahr geht es direkt im Anschluss weiter. Dann werden die Grundwasserwanne und die Stützwände am Eingang des Tunnels gebaut.

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