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Munningen

20.04.2019

Wie eine Fischer-Familie die Bühlergasse in Munningen prägte

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3 Bilder
Otto Bühler, Senior der heutigen Fischer-Familie mit Enkel, zeigt die frühere Fangtechnik mit dem Fisch-Storz. Sie wurde 1960 letztmals zum Waller- und Karpfenfang angewendet. Rechts im Hintergrund die Bühler-Hofstätte.
Bild: Bühler

Die Bühlergasse in Munningen verdankt ihren Namen der seit 1845 dort ansässigen Fischer- und Landwirtsfamilie. Aber schon mehr als 500 Jahre zuvor taucht das Gebäude des Dorffischers in der Historie auf.

70 Meter nördlich des schiefen Kirchturmes von Munningen zweigt von der Hauptstraße östlich zur Wörnitz hin die Bühlergasse ab. Namengebend für sie war die hier seit 1845 ansässige Fischer- und Landwirtsfamilie Bühler.

Ihre Hofstätte liegt am Ende der Gasse neben dem Wörnitzwiesengrund „Mai-Garten“. Vor 1700 wurde der Weg „Fisch-Gasse“, später aber „Mollen-Gasse“ genannt. Die Historie der Fischer-Hofstätte ist seit 1312 bekannt, wo sie der Ortsritter Gundold von Munningen als „halbe Hube, die der Fischer baut“ an Kloster Zimmern verkaufte. 1337 erwarb dieses auch sein Fischwasser oberhalb der Ziegelmühle bis zum Dorf.

Laut Urbarium von 1367 musste der Fischer 40 Dienste jährlich leisten, um den großen Fisch- und Krebsbedarf des Klosters während der vielen Fastentage zu erfüllen. Zur Zeit des Rieser Bauernkrieges 1525 bewirtschaftete Paul Schmid die Fisch-Hube. Der Bauernrat des Deininger Haufens wählte ihn zu seinem obersten Sprecher und Richter.

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Nach Aufhebung von Klosterzimmern 1559 durch die Reformation wandelte man die Fisch-Hube mit 28 Morgen (43 Tagwerk) in eine Sölde und fliegende Teil-Lehen (ohne Hofbindung) um. Die unzureichende Feldausstattung und hohe Abgabenlasten ließen in der Folgezeit die Söldner auffallend oft in Konkurs gehen.

Ein Bilddokument aus dem Jahr 1936 (von links): Anton Bühler, Fischer, Jäger und Bäckermeister auf Haus Nr. 23 mit Hammen (Kescher), Engelbert Bühler, Fischermeister und Jagdpächter, sowie dessen Söhne Otto (mit Fisch-Storz) und Anton (mit kleinem Zugnetz).
Bild: Archiv Friedel

Nachdem 1836 der Söldner, Bader und Webermeister Johannes Michael Bühler von Haus Nr. 21 von den Ziegelmüllern das Fischwasser ab der Oberwies-Lucke bis zur Faulenmühle gekauft hatte, erwarb er 1845 wegen der Nähe zum Fisch-Wasser die in Konkurs gegangene Fischer-Sölde Haus Nr. 60.

Johannes Michael Bühler war Anhänger des gemäßigten Teiles der neu entstandenen demokratischen Protestbewegung des Dorfes 1848. Als Mitglied der Munninger Deputation war er an der Vortragung der Forderungen zur Aufhebung der Zehnt-, Fron- und Herrschaftslasten am 14. März 1848 bei Fürst Otto in Oettingen dabei.

Tragischer Unfall beim Böllerschießen

Die markanteste Person der Familienreihen war sein Sohn Michael Bühler. Neben den ererbten Leidenschaften der Fischerei, Jägerei, Bienenzucht und Homöopathie zeigte dieser ein auffallendes Interesse an den neu entwickelten landwirtschaftlichen Maschinen, Geräten und Feldbaumethoden seiner Zeit.

Angeregt durch eine Vorführung des Lehrers, Dichters und Erfinders Gottfried Jakob bei einem Nördlinger Marktbesuch, erwarb er sich in den Folgejahren ab 1872 ein Butterfass mit Radantrieb, eine Zentrifuge, eine Futterschneidmaschine und eine Getreide-Gaukel. Von ihm sind der erste Gaukelschnitt des Getreides im Dorf anstelle des Sichelschnittes 1878, mehrere Ackerentwässerungsmaßnahmen mit Röhren gegen viele Vorurteile und eine teilweise Umstellung vom mittelalterlichen Hochbeet-Ackerbau zum Ebenackerbau überliefert. Ebenso besaß er den ersten eisernen „Rädles-Pflug“ des Dorfes.

Ein ausgeprägtes musikalisches Können und theatralische Fähigkeiten waren ihm zu eigen. Die Aufführung des Rieser Badertanzes an der Kirchweih und das uralte zweistimmige „Hirten-Blättles-Blasen“ auf einem Birkenblatt gehörten zu seinen Spezialitäten. Sein soziales Empfinden zeigte sich durch Übernahme von mehreren Schuld-Bürgschaften für arme Dorfleute.

Ein tragischer Unfall beim Böller-Salutschießen der Gemeinde zum Geburtstag des bayerischen Prinzregenten Luitpold am 18. März 1899 beendete vorzeitig sein vielseitiges Leben. In der Folge bewirtschaftet heute die neunte Familien- und siebte Hofgeneration der Bühler die über 700-jährige, geschichtsreiche Fischer-Hofstätte in der Bühlergasse.

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