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Energieversorgung

04.01.2019

Wie sich ein Dorf selbst um Energie kümmert

Seit einem Jahr beschäftigen sich Peter Sander und seine Mitstreiter mit Nahwärme und Glasfaserkabeln. Jetzt haben sie eine Genossenschaft gegründet.
Bild: Anja Ringel

Bürger aus Hohenaltheim planen, mit einer Genossenschaft Nahwärme zu erzeugen und schnelleres Internet zu schaffen. Wer das Projekt finanziert.

Klimaschutz, Umweltveränderung und Digitalisierung: „Alle reden über diese Themen, wir machen etwas“, sagt Peter Sander. Er ist der erste Vorsitzende der neu gegründeten Hohenaltheimer Nahwärmegenossenschaft. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, die Energieversorgung selbst zu regeln. Realisiert werden soll das durch die Nutzung der Abwärme einer Biogasanlage. Dadurch erziele man günstigere Preise und sei unabhängig vom Weltmarkt, erklärt Sander. Nahwärme sei umweltfreundlicher, da weniger Emissionen freigesetzt werden.

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Außerdem will die Genossenschaft eine schnellere Internetverbindung schaffen. „Für unser kleines Dorf ist das natürlich eine große Sache“, sagt Sander.

Der Eintritt in die Genossenschaft kostet mehrere tausend Euro

Zusammen mit sieben anderen Bürgern hat er ein Jahr lang recherchiert, diskutiert und geplant. Die Idee hat es laut Sander bereits vor knapp sechs Jahren gegeben. Damals seien die Befürworter jedoch gescheitert. Das änderte sich vor einem Jahr, als die Niederaltheimer Nahwärmegenossenschaft ihre Erfahrungen mit Hohenaltheim teilte und die Planungen erneut starteten. Vor knapp einem Monat gründeten Sander und seine Mitstreiter nun ihre Genossenschaft. Unterstützung erhält sie von der Gemeinde.

Wie sich ein Dorf selbst um Energie kümmert

Für den Bau und die Technik des Nahwärmenetzes muss die Genossenschaft knapp 1,6 Millionen Euro investieren. Circa 530000 Euro davon werden staatlich gefördert. Der Rest wird über einen Kredit und Eigenleistungen der Mitglieder finanziert. Laut Sander muss jeder Hohenaltheimer beim Eintritt in die Genossenschaft 4800 Euro zahlen. Dieser Betrag gelte jedoch nur bis 15. Januar. Falls es bei späteren Neumitgliedern keine Förderung mehr gibt, müsse man mit einem wesentlich höheren Betrag rechnen. Zusätzlich muss jedes Neumitglied 200 Euro Geschäftsanteil zahlen.

Bei Störung hat due Genossenschaft eine Ölheizung als Ersatz

Über 50 Haushalte sind momentan Teil der Nahwärmegenossenschaft. Sander hofft, dass die Zahl noch auf 60 ansteigt, was ungefähr die Hälfte der Haushalte wäre. Denn: „Je mehr mitmachen, desto günstiger ist es“, sagt Sander. Momentan führt er deshalb Gespräche mit interessierten Bürgern. Immer wieder kommen laut dem Vorsitzenden dabei die Bedenken auf, was passiert, wenn die Biogasanlage einmal ausfällt oder eine Störung vorliegt. „Für diese Fälle haben wir eine leistungsstarke Ölheizung als Ersatz“, sagt Sander.

Neben Nahwärme soll durch den Bau des Netzes außerdem schnelleres Internet in Hohenaltheim möglich sein. Deshalb habe man sich bei den Kabeln für Glasfaser entschieden, sagt Sander. Dadurch könne jeder Haushalt selbst entscheiden, ob er schnelleres Internet haben möchte.

Das Netz möchte die Genossenschaft dann an eine Telefongesellschaft vermieten, die für die Nutzung jährlich eine Pacht zahlen muss. „Geplant ist, dass wir die Glaskabel dadurch innerhalb von zehn Jahren refinanzieren“, sagt der Vorsitzende. Das gesamte Netz soll mit einer Laufzeit von 15 Jahren finanziert werden. Dann werde auch der Preis für die Nahwärme sinken. Zu Beginn soll er bei 6,9 Cent pro Kilowattstunde liegen.

Bis zu 20 Prozent Energie sparen

„Neben dem Klimaschutz ist die wirtschaftliche Komponente für viele der ausschlaggebende Grund für die Genossenschaft“, erklärt Sander. Dadurch, dass es in den Häusern Pufferspeicher geben wird, könne je Haushalt – im Vergleich zu anderen Heizungen wie ölbetriebenen – bis zu 20 Prozent an Energie gespart werden. Ende August oder Anfang September möchte die Genossenschaft mit dem Bau des Netzes beginnen. Bis Ende 2020 sollen dann alle Haushalte angeschlossen sein, sodass die Mitglieder die Nahwärme ab dem Winter 2020/21 nutzen können.

Für Sander ist das Projekt schon jetzt ein Gewinn: „Es macht viel Spaß, dass man etwas selbst gestalten kann und zusätzlich noch etwas gutes für die Umwelt macht“, sagt er. Zudem sei die Dorfgemeinschaft durch die Genossenschaft näher zusammengerückt.

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