Krankenhaus

20.10.2012

„Wir haben nichts“

Bisher kein Konzept. Gespräch im Ministerium. Unterlagen jetzt beim gKU

Oettingen/München Das gemeinsame Kommunalunternehmen (gKU) im Landkreis Donau-Ries steht noch immer ohne Konzept für eine gesicherte Zukunft des Oettinger Kreiskrankenhauses da. Auch bei der jüngsten Verwaltungsratssitzung ergab sich „substanziell nichts Neues“, wie ein Mitglied auf Anfrage der Rieser Nachrichten berichtete. „Das Ding wird noch schwierig werden“, prophezeite er.

Es sei äußerst schwierig, eine Lösung für die von einem Millionen-Defizit gebeutelte Klinik zu finden: „Die Frage ist, wie schaffen wir eine strukturelle Veränderung? Gehen wir in Richtung Rehabilitation oder Gesundheitszentrum oder was auch immer? Es gibt tausend schöne Schlagwörter, aber was ist tatsächlich umzusetzen? Wir haben bisher nichts. Denn hätten wir den großen Wurf für Oettingen gefunden, hätte es die Zeremonie des Verkündens längst gegeben“, meinte das Verwaltungsratsmitglied wohl mit Blick auf den Verwaltungsratsvorsitzenden Stefan Rößle und den CSU-Kreisvorsitzenden Georg Schmid leicht ironisch.

Über Alternativen gesprochen

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Georg Schmid sagte gestern auf RN-Anfrage, seine Aufgabe sei es, Kontakte herzustellen und Gespräche zu begleiten. Zusammen mit Rößle und gKU-Vorstand Gerhard Wurm habe es ein Treffen mit den Verantwortlichen in der Krankenhausabteilung des Gesundheitsministeriums in München gegeben. Dort sei über Alternativen für die Klinik in Oettingen gesprochen worden. Nun werde untersucht, welche medizinischen Angebote Krankenhäuser in Schwaben, in Mittelfranken oder im benachbarten Württemberg haben, um dann zu schauen, wo Oettingen in diesem Krankenhausgeflecht platziert werden könne. Schmid: „Das Ministerium ist sensibilisiert für Oettingen, es war ja auch schon damals bei der Installierung der Geriatrie beteiligt.“ Aufgabe des Staates sei, Möglichkeiten zu recherchieren und aufzuzeigen; ein Konzept zu erstellen aber sei Sache der für die Finanzierung Verantwortlichen – sprich Sache des gKU.

Wie die RN erfuhren, sollen die Recherche-Ergebnisse des Ministeriums inzwischen an Gerhard Wurm weitergeleitet worden sein. Darin soll es um die Medizinfelder Langzeitbeatmung, Rheumatologie und Schmerztherapie gehen.

Grunert: Es werden falsche Anreize gesetzt

Für den Vorsitzenden im „Praxisnetz Donau-Ries“, Dr. Winfrid Grunert, ist die Sache freilich klar: Die Finanzierung stationärer und ambulanter medizinischer Behandlungen sei nicht kostendeckend, wie man am Beispiel Oettingen sehe. Hier würden Patienten sehr gut und effektiv behandelt. Tatsächlich aber werde das von den Krankenkassen nicht ausreichend honoriert, und Oettingen gerate nur deshalb in die roten Zahlen. Der Nördlinger Internist: „Krankenhäuser werden umso besser bezahlt, je schwieriger die Behandlungsfälle beurteilt werden. Komplizierte Operationen oder Herzkatheter geben mehr Geld, als eine patientenzugewandte Medizin. Extrem formuliert: Senioren liebevoll zu mobilisieren (geriatrische Rehabilitation) ist nicht kostendeckend! Es werden falsche Anreize gesetzt. Das ist am Beispiel Oettingen sichtbar geworden.“

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