1. Startseite
  2. Lokales (Nördlingen)
  3. Wuzdog-Festival: Spagat zwischen Nostalgie und Hightech

Porträt

15.06.2019

Wuzdog-Festival: Spagat zwischen Nostalgie und Hightech

Andreas Heller und seine Truppe schaffen den Spagat zwischen Wuzdog-Romantik, Hi Tec-Gigantismus und Vorschriftenwahn.
Bild: Ronald Hummel

Andreas Heller feiert mit seiner Truppe 20 Jahre Wuzdog-Festival in Dornstadt. Wie sich die Veranstaltung verändert hat – und was geblieben ist.

Vor 20 Jahren war die Kneipe „Wildwechsel“ der musikalische Nabel der Musikwelt der Jugendlichen in und um Dornstadt. Hier beschloss der Jugendclub Dornstadt denn auch 1999 eine Nostalgie-Plattenparty namens „Woodstock“ zu machen – die Musik aus dem legendären Open-Air-Konzert von 1969 sollte dominieren, Moderneres wie Techno wollte man nicht. Wichtig war auch der idyllische Veranstaltungsort am Stöckenweiher. „Er sollte entscheidend zum Flair beitragen, genauso wie eine Atmosphäre der Ungezwungenheit und Freiheit“, sagt Andreas Heller, damals mit dabei.

Es gab keine behördliche Genehmigung, keine Dixi-Klos. Als Werbung kopierte man Schwarz-weiß-Flyer, bastelte ein Mini-Plakat, klapperte die Jugendclubs der Region ab. Dornstadt hatte schon einen gewissen Namen für Motorradtreffen oder Veranstaltungen des FC-Bayern-Fanclub – „eine Plattform für junge Leute war schon da“, sagt Heller. So kamen denn doch rund 600 Leute zur Musik von Joe Cocker oder Nazareth, es war ein voller Erfolg.

Wuzdog-Festival: Gruppen und Besucher spielten sich gegenseitig hoch

Im Jahr darauf fand schon ein Quantensprung statt: Offizielle Anmeldung, Dixis, Livemusik. Von der Megesheimer Kraterkultur, mit der man bis heute ebenso vernetzt ist wie mit „Blasius“ oder Kulturgruppen in Weißenburg oder Eichstätt, übernahm man die Vereinssatzung als Vorlage für die „Waldgeister Dornstadt“. In den Folgejahren entwickelte es sich immer weiter – „Gruppen und Besucher spielten sich gegenseitig hoch“, umschreibt Andreas Heller die Dynamik. „Einfachheit gehörte ganz wesentlich zum Konzept, die versuchen wir bis heute zu leben.“ Es gibt keinen Bauzaun, keine Flaschenkontrollen, die Besucher werden wie Freunde und nicht wie Kunden behandelt, man ist familienfreundlich mit Hula-Hoop-Spielen, Filzworkshops, Kinderschminken und Eisstand.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Es war nicht selbstverständlich, Einfachheit und Idylle von Wuzdog, wie man sich schon bald nannte, zu bewahren – Technik- und Vorschriftenzwänge entwickelten eine ungeheure Eigendynamik. Die Bühne wurde immer größer, da reichten ein paar Halogen-Scheinwerfer nicht mehr aus, ab 75 Quadratmetern muss man ein „Bühnenbuch“ führen mit TÜV und Sicherheitskonzept, Papierkrieg und vorgeschriebene Security-Kräfte stiegen immens, der einstige Jugendclub wurde wie Gewerbetreibende behandelt, die Kostenexplosion musste durch ein immer größeres Programm aufgefangen werden. „Trotzdem gelang es uns allen, die Seele von Woodstock zu erhalten, mit dem einzigartigen Gelände als Herzstück“, freut sich Andreas Heller, im Übrigen gelernter Metzger und Brauer.

Hinter den Kulissen in Dornstadt steckt viel Arbeit

Der alternative Geist wird angereichert durch Wasserprojekte wie von „Viva con aqua“, jungen Leuten, die Pfandflaschen als Spenden einsammeln und damit Brunnen- oder Filterungsprojekte vor allem in Afrika finanzieren. „Auf dem Platz geht es so unbeschwert zu wie eh und je zu“, sagt der 48-jährige Heller, der 17 Jahre lang an der Seite von Vorstand Günter „Bommel“ Wager Schriftführer war und seit drei Jahren selbst Vorstand ist. „Aber hinter den Kulissen steckt viel Arbeit, für manche in dem 20-köpfingen Team ist es ein Fulltime-Job.“

Junge Leute legen überall ordentlich Hand an; Heller ist sicher, dass sie auch beizeiten in die Organisation hinein wachsen. Nun steht also das Jubiläums-Wuzdog an mit Größen wie Nazareth, Käpt’n Peng & Die Tentakel von Delphi, Bananafishbones, Jamaram oder die Rootz Radicals an.

Und was sagen die Dorfbewohner von Dornstadt dazu? „Da stellen ältere Leute Stühle raus, um ja nichts von dem Spektakel zu versäumen, aus Vorgärten und Häusern winkt man den Besuchern zu und freut sich, dass was los ist.“

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren