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Musik II

02.10.2019

Zum Träumen und Gedanken schweifen lassen

Das Bild zeigt (von links) Sam Sweeney (Geige, Viola), Rob Harbron (Concertina) und Andy Cutting (Diatonisches Akkordeon) – sie bilden die Gruppe „Leveret“.
Bild: Christoph Eigenrauch

„Leveret“ spielt in Reimlingen. Die Band ruft unterschiedliche Reaktionen hervor

Sicherlich kennen auch Sie das Gefühl, nach einem Konzert nicht genau zu wissen, wie man das Gehörte einstufen soll. Dieses Gefühl kommt meist dann, wenn Erwartungshaltung und Performance nicht übereinstimmen. So ging es sicherlich vielen der zahlreich erschienenen Konzertbesucher am Donnerstagabend im Konzertstadl in Reimlingen mit der englischen Gruppe „Leveret“.

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Hochgelobt im Vorfeld ob ihrer künstlerischen Ausnahmestellung und virtuoser Beherrschung ihrer Instrumente, konnte man durchaus schnelle Reels und Jigs erwarten. Mag sein, dass die Formation „Leveret“ auch virtuos aufspielen kann, an diesem Abend aber erklangen eher meditative Töne. Das hatte durchaus seinen Charme und kam auch beim Publikum an, doch fehlte diesem Herbstmenü ein Schuss Spritzigkeit und Feuer. Anstelle exponierter Soli erklangen „mantra-artig“ unisono gespielte Tunes in einer Art endlos erscheinenden Warteschleife, die dennoch ihre Wirkung nicht verfehlten. Zum Träumen, Gedanken schweifen lassen und entspanntem Zuhören lud diese Musik förmlich ein.

Sam Sweeney (Geige), Rob Harbron (Konzertina) und Andy Cutting (Diatonisches Akkorden) reden an diesem Abend nicht von Songs, Titeln oder Stücken. Sie präsentieren „Tunes“. Dazu greifen die sympathischen Musiker meistens auf mittelalterliche Tänze, Märsche und Hornpipes zurück. Sie schälen dabei nur die Melodie heraus, den Rest überlassen sie dem Zufall. „Leverets“ Musik ist nicht im herkömmlichen Sinne arrangiert, sondern setzt Vertrauen, Zuhören und Antworten voraus. Unter diesem Gesichtspunkt gelingt ihnen Erstaunliches. Fest in der englischen Tradition verwurzelt, verleihen sie den einzelnen Tunes ihre persönliche Note. Künstlerisch gesehen eine nicht hoch genug einzuschätzende Leistung, die nur wenige Ensembles in dieser Form beherrschen. In der Folk-Szene genießt die Band „Leveret“ zu Recht eine Ausnahmestellung, die ihre Konzerte trotz manchmal fehlender Virtuosität zu einem Erlebnis werden lassen. (ce)

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